Sonntag, 23. September 2007

Pantomime Marcel Marceau ist gestorben: Als "Monsieur Bip" war er weltweit bekannt

  • Weltweiter Ruhm: War Solist in New York und Tokio
  • M. Jackson schaute sich von ihm den "Moonwalk" ab

Frankreich trauert um einen seiner berühmtesten Künstler: Marcel Marceau. Mit 84 Jahren ist der legendäre Pantomime gestorben. Jahrzehntelang hatte er vor allem als tragikomischer, weiß geschminkter "Monsieur Bip" ein begeistertes Publikum verzaubert. Nach Angaben seiner Familie soll Marceau auf dem Pariser Friedhof Pere Lachaise beerdigt werden, auf dem auch Berühmtheiten wie die Schauspielerin Sarah Bernhardt, Doors-Sänger Jim Morrison oder der Schriftsteller Oscar Wilde begraben sind. Zur Todesursache wollte sich die Familie zunächst nicht äußern.

Großen Erfolg feierte Marceau in den USA, wo sich der Sänger Michael Jackson seinen Tanz "Moonwalk" von Marceaus berühmter Stilübung "Der Marsch gegen den Wind" abschaute. 1965 trat er in Hollywood mit Fred Astaire auf. Pantomime sei die Kunst, "nicht Worte durch Gesten, sondern Gefühle durch charakteristische Haltungen auszudrücken", sagte Marceau einmal. Man brauche keine Worte, um zu zeigen, was man auf dem Herzen habe.

Seine Pantomimen-Schule
Stolz war der Altmeister stets auf die Absolventen seiner 1978 gegründeten internationalen Schule für Pantomime in Paris. 1993 stellte er mit den besten von ihnen eine neue Truppe zusammen, die "Nouvelle Compagnie de Mimodrame". "Le Chapeau Melon", eine Hommage an sein großes Vorbild Charlie Chaplin, hatte 1997 Uraufführung am Münchner Prinzregententheater. Marceau spielte auch in gut zwei Dutzend Filmen mit, darunter "Barbarella" (1968) mit Jane Fonda.

Frankreich trauert
In Frankreich löste die Nachricht von Marceaus Tod Bestürzung aus. Premierminister Francois Fillon sagte, seine "Geschichten ohne Worte" hätten dem Künstler eine seltene Gabe verliehen: Grenzenlos mit jedermann kommunizieren zu können. "Er war ein mysteriöser Mann", sagte der Journalist und Schriftsteller Jacques Chancel dem Radiosender "France Info". "Er hatte in der Stille das Wort. Er sprach ohne Worte - und es gibt so viele Menschen, die sprechen, ohne etwas zu sagen."

Sein Leben
Marcel Marceau wurde 1923 im elsässischen Straßburg als Marcel Mangel geboren. Marceau floh mit seinem Bruder und seiner Mutter 1940 in die nordfranzösische Stadt Lille. In der französischen Widerstandsbewegung nahm er den Namen Marceau an und diente nach dem Einmarsch der Alliierten in Paris der 1. Befreiungsarmee. Bei seinem späteren Militärdienst in Deutschland trat er vor Kameraden erstmals als Pantomime auf. Seinen künstlerischen Durchbruch erlebte Marceau dann als Harlekin in dem Film "Kinder des Olymp" (1945) des französischen Meisterregisseurs Marcel Caree.

Seine Ausbildung
Marceau lernte die Pantomime wie auch Jean-Louis Barrault bei Charles Dullin und dem legendären Etienne Decroux, dem Erfinder einer Grammatik der Gesten, der seine Schüler zwang, einen Strumpf über das Gesicht zu ziehen, um ihre Mimik zu unterdrücken. Nach dem Krieg war Marceau zunächst in Dullins Truppe am Pariser Sarah Bernhardt-Theater. Für Marcel Carnes Film "Kinder des Olymp" wurde er als Barraults Double engagiert und schloss sich 1946 der Compagnie Barraults und seiner Frau Madeleine Renaud an. Gemeinsam mit Barrault, mit er bis 1949 zusammenarbeitete, entwickelte er auch die Figur des traurigen und ironischen Weißclowns "Bip", der im quer gestreiften Trikot, mit weißer Hose und einer roten Blume am zerknautschen Zylinder Geschichten aus dem Alltag stumm erzählte.

Monsieur Bip
Zwischen 1949 und 1964 tourte Marceau mit einem eigenen Ensemble durch die ganze Welt und begeisterte sein Publikum mit "Bip"-Geschichten, Stilübungen und "Mimodramen". Bertolt Brecht, Mary Wigman und Harald Kreutzberg kamen zu seinen Aufführungen, zu seinen Fans gehör(t)en sein großes Vorbild Charlie Chaplin ebenso wie Anthony Hopkins, Rudolf Nurejew oder Michael Jackson

1993 wurde er von der berühmten Pariser Academie des Beaux-Arts zum "unsterblichen" Mitglied gekrönt. Japan ernannte ihn sogar zum "lebenden nationalen Schatz". "Er ist von Geistern, die man sieht, umgeben", sagten dort die Zuschauer. Im Jahr 2001 wurde er schließlich von den Vereinten Nationen in New York zum "Botschafter für ältere Menschen" auserkoren. (apa/red)

23.9.2007 18:09

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