Freitag, 21. September 2007

"trend" - Hahn-Kritik an den Uni-Rektoren:
Qualität der didaktischen Ausbildung niedrig

  • Stellenwert der Uni-Lehre müsse angehoben werden
  • Zugangsbeschränkungen gehören neu überdacht

Im Zuge der Diskussionen um die hohe Zahl an Studienabbrechern und der von Österreichs Rektoren gewünschten Zugangsbeschränkungen zu den Universitäten übt Wissenschaftsminister Johannes Hahn Kritik an der Lehre der Hochschulen: "Vorerst müssen wir die Qualität der pädagogisch-didaktischen Ausbildung an den Universitäten heben", erklärt er in einem Interview mit dem am Montag erscheinenden Wirtschaftsmagazin "trend".

"Da liegt einiges im Argen. Ehrlich gesagt: Wenn nicht spannend vorgetragen wird, kann die Grundleidenschaft noch so hoch sein, da sinkt das Interesse rapid."

Man müsse den "Stellwert der Lehre an der Universität wieder anheben", meint Hahn und konkretisiert: "Bei der pädagogischen Ausbildung der Kollegen und Kolleginnen kann man sehr wohl etwas tun. In England werden Lehrende nur mehr berufen, wenn sie eine pädagogisch-didaktische Ausbildung absolviert haben. Man kann E-Learning oder E-Studying intensivieren. Dort, wo es Dränglereien gibt, kann man darüber nachdenken, ob man die Zeit der Lehre über das ganze Jahr erstreckt. In England wird das praktiziert. Wir haben jetzt fünf Monate im Schnitt pro Jahr keine Lehrtätigkeit."

Hahn führt die hohen Drop-Out-Raten an heimischen Universitäten "auf mangelnde Information, welche Studienmöglichkeiten es gibt" zurück, auch gäbe es "falsche Vorstellungen davon, was einen auf der Uni erwartet". Er will gemeinsam mit Bildungsministerin Claudia Schmied an verbesserter Beratung an den Schulen arbeiten: "Mein Ziel ist eine professionelle Studienberatung durch "Studienchecker", die in der vorletzten Klasse vor der Matura ansetzt." Bereits ab dem Schuljahr 2008/09 solle dieses System flächendeckend in ganz Österreich zum Einsatz kommen.

Zugangsregelungen für einzelne Studienrichtungen sind ihm "unsympathisch", nur "wenn ich es nicht vermeiden kann, muss ich zu dieser Maßnahme greifen", führt Hahn im "trend"-Gespräch weiter aus.

Sobald die dreistufige Studienarchitektur Bachelor-Master-Doktorat überall existent sei, könne er sich "eine Auswahl bei Master- und Doktorat -Studien vorstellen, aber nur, wenn der Bachelorabschluss auch von der Wirtschaft akzeptiert wird."

Für manche Studienfächer, für die es derzeit Beschränkungen gibt, verspricht Hahn deren Aufhebung: "Wir werden wahrscheinlich nicht alle Fächer weiter verlängern. Auf jeden Fall bleiben Beschränkungen in Medizin, Psychologie, Zahnheilkunde. Es gibt Diskussionen im Bereich der Betriebswirtschaft. Da habe ich noch keine abschließende Meinungsbildung."

Die Tatsache, dass in Österreich zu wenig junge Menschen technische Fächer studieren, sieht der Wissenschaftsminister als "Resultat eines gewissen Wohlstandes und auch die Bequemlichkeit, sich der Mühsaal eines Technik- oder Naturwissenschaftsstudiums nicht mehr unterziehen zu wollen". Es habe sich "herumgesprochen, dass Technikstudien besonders lang sind"; er wolle eine "Entrümpelung der Lehrpläne" und mehr "interdisziplinäre Studien".

Den kompletten Betirag können Sie im aktuellen "trend" nachlesen!

21.9.2007 09:46