Internationaler Vergleich zeigt: Bildung
zahlt sich vor allem für die Reichen aus
- OECD: Hochschulzugang stark sozial abhängig
- Hahn: Nichts Neues - Schmied: Handlungsbedarf

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Ein hoher Bildungsabschluss zahlt sich einkommensmäßig in Österreich wie in kaum einem anderen Land aus - zu diesem Schluss kommt die OECD in ihrer Studie "Education at A Glance (Bildung auf einen Blick) 2007". Allerdings ist hierzulande "der Zugang zur Hochschulausbildung stark von der sozialen Herkunft abhängig" und die Akademikerquote im OECD-Vergleich niedrig.
In Österreich erzielten im Jahr 2005 Berufstätige mit einem Hochschul- oder Fachhochschulabschluss im Schnitt ein um 74 Prozent höheres Einkommen als Berufstätige, die nur über Matura oder eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügten. Nur in Ungarn (116 Prozent), Irland (86), Tschechien (85), den USA (83), Portugal (79) und Großbritannien (77) waren die "Renditen" einer Hochschulausbildung noch höher. Dies kommt allerdings vor allem einer schmalen sozialen Schicht zugute: So ist der Anteil von Akademikerkindern an Hochschulstudenten in Österreich 2,5 Mal so hoch, wie es ihrem Bevölkerungsanteil entspricht. Einzig in Portugal ist dieser Anteil mit 3,2 Mal noch höher, in Irland hat dagegen die akademische Bildung des Vaters praktisch keinen Einfluss darauf, ob ein Kind studiert (1,1).
Ansonsten bestätigen die einzelnen Ergebnisse der 450-seitigen Studie die Befunde aus vergangenen Jahren: Während der Anteil der Bildungsausgaben an den gesamten öffentlichen Aufwendungen in den meisten OECD-Ländern in den vergangenen Jahren gestiegen ist, sind in Österreich keine Zuwächse zu verzeichnen. Der Anteil der Bildungsaufwendungen gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank in Österreich sogar von 6,1 Prozent im Jahr 1995 auf 5,4 Prozent im Jahr 2004. Vergleichsweise schlecht gelingt in Österreich die Förderung von Migrantenkindern an den Schulen, gut liegt Österreich bei der durchschnittlichen Klassengröße. Während hierzulande sowohl die Akademikerquote als auch die Studienanfängerquote niedrig ist, verfügen 81 Prozent der Bevölkerung über einen Sekundarabschluss (OECD: 68 Prozent).
Unterschiedliche Reaktionen
Unterschiedlich die Reaktionen der zuständigen Minister und Parteien: "Nichts sonderlich Neues" fand Wissenschaftsminister Johannes Hahn in der Studie. "Es gibt nichts an Erkenntnissen, wo ich sage, ich müsste an meiner Einschätzung und Ausrichtung etwas ändern." Unterrichtsministerin Claudia Schmied ortete dagegen einen "unglaublichen Handlungsbedarf" im Bildungssystem.
Ansonsten sehen sich praktisch alle durch die Ergebnisse bestätigt. ÖVP-Bildungssprecher Fritz Neugebauer ortete eine "Bestätigung für unsere Schule der Vielfalt und Leistungsorientierung". Sein SPÖ-Pendant Erwin Niederwieser wiederum kam zum gegenteiligen Schluss: Eine Erhöhung der in Österreich niedrigen Akademikerquote könne "nur durch weitreichende Reformen im Schulbereich, wie etwa der Einführung einer gemeinsamen Schule der 10- bis 14-Jährigen verwirklicht werden".
Der Grüne Wissenschaftssprecher Kurt Grünewald bezeichnete die österreichische Debatte um Studienplatzbeschränkungen als "peinlich" - vor allem angesichts der Tatsache, dass in Österreich nur 37 Prozent eines Altersjahrgangs ein Studium beginnen, während es im OECD-Schnitt 54 Prozent sind. BZÖ-Wissenschaftssprecher Gernot Darmann verlangte eine Weiterentwicklung des bestehenden Bildungssystems und eine "ungeschminkte Offenheit" in der Diskussion um soziale Ausgewogenheit. Die FPÖ sprach sich gegen eine Gesamtschule aus. Die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) sieht in der Studie ein "weiteres klares Zeichen für Österreichs mangelndes Bekenntnis zu Bildung.
(apa/red)
