Fed erschwert die EZB-Zinsentscheidung:
IfW-Experte erwartet Euro-Abschwächung
- "Jetzt wird es schwierig sein, noch einmal zu erhöhen"
- Trotzdem: Kein Anlass für Konjunkturpessimismus
·US-Notenbank senkt Leitzins um 0,5 %
Euro steigt auf neuen Rekord von fast 1,4 $
·Fed pumpt 21 Mrd. $ in US-Bankensystem
Maßnahme angesichts
der Hypothekenkrise
·EZB: Wachstum der Weltwirtschaft robust
US-Konjunkturschwäche ohne grobe Auswirkungen
Die unerwartet kräftige Zinssenkung der US-Notenbank Fed wird es nach Einschätzung von IfW-Konjunkturchef Joachim Scheide der Europäischen Zentralbank (EZB) schwer machen, ihre Leitzinsen weiter zu erhöhen. "Jetzt wird es sehr schwierig sein, im November oder Dezember die Zinsen noch mal zu erhöhen, wenn die Fed schon die andere Richtung eingeschlagen hat", sagte Scheide.
Sollte die EZB dennoch, wie noch vor einigen Wochen allgemein erwartet, den Zins erneut anheben, "kann es sein, dass der Dollar weiter unter Druck gerät und der Euro stark aufwertet". Damit rechnet sein Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) aber derzeit eher nicht.
Anlass für massiven Pessimismus sieht Scheide trotz der jüngsten Wolken am Konjunkturhimmel nicht, auch wenn sich die Wirtschaftsentwicklung gerade in den USA deutlich verlangsamen werde. "Wir kriegen eine Abschwächung der Konjunktur. Die hohen Raten beim Wachstum liegen hinter uns." Das gelte für etliche Industrieländer, namentlich die USA und wohl auch Japan. Auch im Euro-Raum werde die Aufwärtsentwicklung wesentlich schwächer verlaufen. Anlass für eine Revision der IfW-Wachstumsprognosen für Deutschland sehe er dennoch nicht. "Ich würde jetzt nicht in Alarmstimmung verfallen und sagen, jetzt droht schlimmeres."
Die US-Notenbank Fed hatte am Vortag angesichts der jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten und speziell der Probleme am US-Hypothekenmarkt ihren Leitzins unerwartet kräftig um 0,5 Prozentpunkte zurückgenommen. "Ich glaube, dass die US-Notenbank große Probleme sieht für die amerikanische Wirtschaft - die sehen wir auch", sagte Scheide. Es komme nun darauf an, ob dieser vorbeugende Schritt der Fed die Märkte beruhige. "Wenn sich die Märkte jetzt nicht beruhigen, haben wir wahrscheinlich ein größeres Problem", mahnte er.
Ein kräftigen weiteren Anstieg des Eurokurses gegenüber dem US-Dollar, der auf Rekordniveau knapp unter 1,40 Dollar lag, erwartet Scheide nicht. Das Risiko aber, dass die europäische Währung deutlich über die genannte Marke steige, bestehe aber. Sollte es dazu kommen, gerate die EZB zusätzlich unter Druck. Beim Ölpreis, der ebenfalls zuletzt mit über 82 Dollar pro Barrel US-Öl auf Rekordkurs lag, rechnet der Konjunkturexperte auf nähere Sicht eher wieder mit einem Rückgang. "Ich glaube, mit der konjunkturellen Abschwächung in der Welt wird auch der Ölpreis wieder fallen", sagte Scheide.
Das IfW hatte erst in der vergangenen Woche seine neue Wachstumsprognosen für Deutschland veröffentlicht. Das Institut hatte seine Wachstumsschätzungen für dieses Jahr auf 2,7 Prozent und für das nächste Jahr auf 2,4 Prozent zurückgenommen. (apa/red)

