Mittwoch, 19. September 2007

US-Notenbank senkt Leitzins um 0,5 %: Euro steigt auf neuen Rekord von fast 1,4 Dollar

  • Auch Diskontsatz um halben Prozentpunkt verringert

Unter dem Druck der schweren Kreditkrise an den Finanzmärkten hat die US-Notenbank zum ersten Mal seit vier Jahren ihren Leitzins gesenkt. Der geldpolitische Ausschuss der Federal Reserve Bank (Fed) verringerte den Satz für Tagesgeld deutlich um 0,5 Prozentpunkte auf 4,75 Prozent. Zugleich senkten die Währungshüter in Washington - für viele überraschend - auch noch den weniger bedeutsamen Diskontsatz, zu dem die Banken Kredite bei der Fed ausleihen können, abermals um einen halben Prozentpunkt. Die US-Aktienmärkte reagierten mit Kursgewinnen, der Euro kletterte zum Dollar auf ein neues Rekordhoch.

Auslöser für die Zinssenkung war eine schwere Kreditkrise an den US-Immobilienmärkten. Zuletzt hatten sich bereits in den USA die Anzeichen gemehrt, dass die Hypotheken-Krise auch das Wirtschaftswachstum bremsen könnte.

Die Turbulenzen an den Finanzmärkten hätten die Unsicherheit über den wirtschaftlichen Ausblick erhöht, hieß es am Dienstag in der Erklärung der Notenbank. Die Verschärfung der Kreditkonditionen könne die Korrektur am Häusermarkt verstärken und das Wachstum bremsen. "Der heutige Schritt soll dazu beitragen, einige der nachteiligen Folgen für die Gesamtwirtschaft abzuwenden, die andernfalls aus der Störung der Finanzmärkte erwachsen könnten." Durch das billigere Geld solle zumindest ein "moderates Wirtschaftswachstum" sichergestellt werden, so die Fed. Man wolle nun die Auswirkungen der Hypothekenkrise auch auf den Bankensektor beobachten und falls nötig weitere Schritte ergreifen.

Die USA verzeichnen derzeit den größten Rückgang auf dem Immobilienmarkt seit 16 Jahren. Auslöser waren Zahlungsschwierigkeiten von Banken, die auch Hauskäufern mit mangelnden Sicherheiten Darlehen gewährt hatten. Die meisten Banken verschärften daraufhin ihre Richtlinien für die Vergabe von Hypothekenkrediten. Die Notenbank will mit der Zinssenkung die Kreditkosten für Millionen Verbraucher und Unternehmen reduzieren. Experten erwarten jetzt, dass die Banken schnell reagieren und ihren Basiszinssatz ebenfalls zurückfahren. Der liegt seit 15 Monaten bei 8,25 Prozent.

Die Turbulenzen auf den Märkten sind die erste große Herausforderung für Notenbankchef Ben Bernanke, der das Amt im Februar 2006 von Alan Greenspan übernommen hatte. Im August war völlig unerwartet die Zahl der Arbeitsplätze in den USA gesunken, was sogar Rezessionsängste entfacht hatte. Deshalb legt die Fed nun ihr Hauptaugenmerk darauf, die Wirtschaft am Laufen zu halten - anstatt sich wie bisher vor allem auf die Inflationsbekämpfung zu konzentrieren. Die meisten Analysten hatten jedoch damit gerechnet, dass die Fed die Leitzinsen nur um einen viertel Prozentpunkt senken würden.

Der Leitzins für Tagesgeld steuert die Höhe der Zinsen für Kredite zwischen den Banken und ist damit der zentrale Leitzins der USA. Den Diskontsatz, zu dem sich Banken direkt bei der Fed Geld leihen können, senkte die Notenbank ebenfalls um 50 Basispunkte auf 5,25 Prozent. Bereits im August inmitten der Krise hatte die Fed den Diskontsatz völlig unerwartet zwischen zwei regulären Sitzungen um einen halben Prozentpunkt auf 5,75 Prozent herabgesetzt. Gleichzeitig hatten die Fed und auch andere Notenbanken weltweit wegen der Turbulenzen in den vergangenen Wochen bereits mehrfach Milliardensummen in den Geldmarkt gepumpt, um damit auf die Vertrauenskrise im Bankensektor zu reagieren: Die Institute liehen sich zuletzt auch untereinander kaum mehr Geld, weil die Risiken am US-Immobilienmarkt kaum noch zu kalkulieren waren. Von der Fed-Zinssenkung erhoffen sich daher viele Anleger auch hier eine Entspannung.

Vor der Entscheidung vom Dienstag hatten die US-Währungshüter den Leitzins neun Mal in Folge unverändert belassen. Davor war er 17 Mal nacheinander um jeweils 0,25 Punkte im Zuge der Konjunkturerholung in den USA angehoben worden.

Nach der jetzigen Zinssenkung der Amerikaner hat der Euro am Dienstag einen neuen historischen Höchststand erklommen. Zwischenzeitlich kletterte der Kurs auf 1,3970 Dollar und erreichte damit fast die 1,40 Dollar-Marke. Die US-Börsen haben gleichzeitig am Dienstag ihre Gewinne ausgeweitet. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte lag nach der Zinssenkung im späteren Verlauf fast 2 Prozent höher bei 13.656,15 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index stand 2,18 Prozent im Plus bei 1.508 Zählern. Der Index der Technologiebörse Nasdaq lag 2,1 Prozent im Plus bei 2.635,61 Punkten. Händler begründeten dies vor allem auch damit, dass der Zinsvorsprung zwischen Euro-Raum und USA mit der Senkung geringer wird. Im Euro-Raum liegt der Leitzins bei 4,00 Prozent.

(apa/red)

19.9.2007 07:25