Freitag, 21. September 2007

Klärendes Gespräch mit Didi Mateschitz: Trapattoni bleibt weiter Trainer in Salzburg

  • Italiener: "Haben die Sache gemeinsam analysiert"
  • Neo-Sportdirektor Hochhauser will Erklärungen

Giovanni Trapattoni bleibt weiterhin Trainer bei Red Bull Salzburg. Das gab der Klub nach einem knapp 40-minütigen Gespräch des 67-jährigen Italieners mit Red-Bull-Konzernchef Dietrich Mateschitz bekannt. Trapattoni war nach schwachem Saisonstart zuletzt immer mehr unter Druck geraten. Nach der blamablen 0:3-Niederlage im Erstrunden-Hinspiel des UEFA-Cups bei AEK Athen waren die Zeichen auf Abschied gestanden.

"Wir haben die Sache heute gemeinsam analysiert", erklärte Trapattoni, der nach seiner Rückkehr aus Athen zum Mittagessen mit Mateschitz zusammengetroffen war.

Unmittelbar nach dem Debakel von Athen hatte Trapattoni erstmals Fehler eingestanden. "Es ist mein Fehler. Vielleicht habe ich Fehler in der Aufstellung gemacht", gab der 67-jährige Italiener zu - deutlich wie nie in den 15 Monaten, die er seit Sommer 2006 im Amt ist. Trapattoni wirkte verärgert, beinahe gekränkt. "Diese Niederlage trifft mich persönlich, weil ich einigen Spielern Vertrauen gegeben habe und diese haben nicht darauf geantwortet", erklärte der Meistertrainer. "Es war mein Fehler, ihnen zu vertrauen."

Die Vertrauensbasis mit einem Großteil der Mannschaft scheint nicht mehr existent, ebenso das Mannschaftsgefüge, die Hierarchie. Die Leistung in Athen grenzte an Arbeitsverweigerung. "Salzburg war gar nicht auf dem Feld. AEK hatte sogar Chancen auf ein 5:0", spottete die griechische Zeitung "Ora", nachdem die Bullen bei dessen erfolgreichem Debüt nicht ein einziges Mal gefährlich aufs Tor des österreichischen Teamkeepers Jürgen Macho geschossen hatten.

"Haben auf voller Linie versagt"
Mit dem Ziel Champions League waren die Salzburger in den Europacup 2007/08 gegangen. Nun ist sogar die UEFA-Cup-Gruppenphase in weite Ferne gerückt. "Wir haben auf voller Linie versagt", gestand Niko Kovac. Im Vorjahr waren die Salzburger an Valencia und den Blackburn Rovers gescheitert, 2007 heißen die Stolpersteine wohl Schachtjor Donezk und AEK Athen. Dabei hatten die Griechen, die in dieser Saison noch kein einziges Meisterschaftsspiel absolviert haben, selbst alles andere als sattelfest gewirkt.

Der Einzige, der nach der blamablen Vorstellung aber wirklich polterte, war Salzburgs neuer Sportdirektor Heinz Hochhauser. "Es kann nicht sein, dass wir die schönsten Bedingungen haben, die schönsten Autos fahren, die schönsten Anzüge tragen, aber den schlechtesten Fußball spielen in Österreich", sagte der 60-Jährige, der seinen Posten als Nachwuchschef demnächst abtreten wird. "Jeder Spieler, der so spielt, muss sich selbst hinterfragen. Haben die keine Ehre, keinen Stolz? Haben die überhaupt nichts mehr?"

Hochhauser verlangt Erklärungen
Hochhauser verlangt Erklärungen von seinem Starensemble. Dabei nimmt er vor allem sogenannte Führungsspieler wie Kovac in die Pflicht. "Jeder weiß, dass im Endeffekt der Trainer für die Leistung verantwortlich ist. Man darf die Mannschaft aber nicht immer mit irgendwelchen Entschuldigungen davonkommen lassen", betonte Hochhauser, der die Trainerfrage nicht als seine Aufgabe betrachtet. Das liege einzig und allein in der Verantwortung von Mateschitz.

AEK geschlagen geben will sich vor dem Rückspiel am 4. Oktober in Salzburg zwar noch niemand, es ist allerdings 22 Jahre her, dass eine österreichische Mannschaft im Europacup zuletzt ein 0:3 aufgeholt hat - Rapid am 20. März 1985 gegen Dynamo Dresden. Die Hütteldorfer hatten das Viertelfinal-Hinspiel im Cup der Cupsieger mit 0:3 verloren, siegten aber im Rückspiel im Hanappi-Stadion sensationell mit 5:0 und zogen im Anschluss sogar ins Endspiel (1:3 in Rotterdam gegen Everton) ein.

(apa/red)

21.9.2007 14:22