Sonntag, 23. September 2007

Der MotoGP-Weltmeister überrascht alle:
Jungstar mit Messer zwischen den Zähnen

  • Entwickelte heuer unerwartete Kaltschnäuzigkeit
  • Wurde heuer von Ducati als Notnagel verpflichtet

Trotz seiner 21 Jahre sieht er aus wie ein Konfirmand. Doch wenn Casey Stoner in der MotoGP auf der Ducati sitzt, fährt er mit einem Messer zwischen den Zähnen. Der Australier entwickelte in diesem Jahr eine Kaltschnäuzigkeit, die ihm selbst seine Teamchefs nicht zugetraut hatten. Bereits drei Rennen vor dem Saisonende hat Stoner den WM-Titel in der Tasche.

Er dominierte dieses Jahr die "Königsklasse" des Motorrad-Sports wie Valentino Rossi in seinen besten Zeiten. "Wahnsinn, ich habe mein großes Ziel erreicht und bin total überwältigt", jubelte Stoner, der nach 33 Jahren als erster Fahrer auf einer nicht-japanischen Maschine Weltmeister wurde. Letztmalig war Phil Read 1974 auf einer MV Agusta erfolgreich gewesen.

Dabei war Stoner zu Saisonbeginn alles andere als ein Titelaspirant. Mehr als Notnagel verpflichtete Ducati den Mann aus Down Under. Der Spanier Sete Gibernau ermöglichte dem Australier einen Start, in dem er seinen Arbeitgeber mit überzogenen Gehaltsforderungen verprellte. Doch Ducati hatte mit der neuen 800-ccm-Grand-Prix-Maschine und den in dieser Saison dominierenden Bridgestone-Reifen ein starkes Paket geschnürt.

Stoner fuhr gleich beim ersten Einsatz in Doha der Konkurrenz davon. Was im März noch als Zufall abgetan wurde, entwickelte sich in den folgenden Monaten zum Alptraum für Rossi und Co. Mit weiteren sieben Siegen legte der mittlerweile in Monaco wohnende "Aussie" den Grundstein zu seinem ersten Titel, den er sich mit Platz sechs in Motegi sicherte.

Stoner stammt aus einer motorradbegeisterten Familie, die alles für das 58-kg-Leichtgewicht getan hat. Seine Eltern verkauften sogar ihr Haus und machten Schulden, um ihm den Umzug nach Europa und den Traum vom Grand-Prix-Fahrer zu erfüllen. Nach Einsätzen in der britischen und spanischen Meisterschaft gab er 2001 sein WM-Debüt. Zwei Jahre später holte er in der 125-ccm-Klasse in Valencia seinen ersten Grand-Prix-Sieg. Nach dem Umstieg in die Viertelliter-Kategorie verpasste er 2005 nach fünf Erfolgen den WM-Titel nur knapp.

Der Aussie hat sich in kürzester Zeit von einem Mitfahrer und Sturzkandidaten zum Weltmeister entwickelt. Dazu trägt eine viel bessere Fitness als in den Jahren zuvor bei. "2007 habe ich mehr trainiert, weil ich wusste, ich habe eine große Chance, die will ich unbedingt nutzen", erzählte der Youngster mit dem Pokerface.

Jetzt kann sich der Australier auf einen begeisterten Empfang bei seinem Heim-Grand-Prix am 14. Oktober freuen. Für das drittletzte WM-Rennen auf Phillip Island bauen die Veranstalter bereits Zusatztribünen auf. "Das wird etwas ganz Besonderes", sagte Stoner.

(apa/red)

23.9.2007 15:11