Ex-Präsident Fujimori in Peru inhaftiert: Ihm drohen bis zu dreißig Jahren Gefängnis
- Politiker wegen Menschenrechtsverletzung angeklagt
- Chile lieferte den 69-jährigen Fujimori an Peru aus
Sieben Jahre nach seinem Rücktritt ist der schwerer Menschenrechtsverbrechen bezichtigte peruanische Ex-Präsident Alberto Fujimori (1990-2000) nun in sein Heimatland zurückgebracht und dort sofort inhaftiert worden. Nach der Auslieferung aus Chile will die peruanische Justiz dem 69-Jährigen wegen zwei Massakern mit insgesamt 25 Toten und wegen Korruption den Prozess machen. Dem ehemaligen Staatschef, der sich Umfragen zufolge noch bei einem Viertel aller Peruaner großer Beliebtheit erfreut, drohen bis zu 30 Jahre Haft.
Das Flugzeug der peruanischen Polizei, mit dem Fujimori in Begleitung von Polizeichef David Rodriguez Segue von der chilenischen Hauptstadt Santiago nach Lima geflogen worden war, landete überraschend auf einem Luftwaffenstützpunkt im Süden der peruanischen Hauptstadt. Etwa 300 seiner Anhänger, die vor dem internationalen Flughafen von Lima Straßen blockiert und Reifen angezündet hatten, warteten dort vergebens.
Unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen wurde Fujimori per Hubschrauber zum Hauptquartier der Sonderpolizei Dinoes geflogen. Dort wurde er in Haft genommen. Am Vortag hatte der chilenische Oberste Gerichtshof grünes Licht für die Auslieferung gegeben. Chilenische Sicherheitskräfte hatten Fujimori daraufhin von seinem Haus in Santiago abgeholt. Der Politiker lächelte, als er abgeführt wurde.
Anklage
Fujimori soll nun wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen und Korruption der Prozess gemacht werden. Die Justizbehörden legen ihm zur Last, für den Tod von 15 Bewohnern des Stadtviertels Barrios Altos in Lima im Jahr 1991 sowie von neun Studenten und einem Professor der Universität La Cantuta 1992 mitverantwortlich zu sein.
Hoffnung auf fairen Prozess
Unmittelbar vor seiner Auslieferung äußerte Fujimori die Hoffnung auf einen "fairen Prozess". Gegenüber der chilenischen Tageszeitung "El Mercurio" wertete es der Ex-Präsident als Erfolg, dass die chilenische Justiz nicht allen Anklagepunkten im peruanischen Auslieferungsbegehren zugestimmt habe. Mit Blick auf seine Anhänger sagte er, der "Fujimorismus" habe in Peru immer noch tiefe Wurzeln. Er glaube, dass seine Rückkehr seine Anhänger mobilisieren werde.
Tochter mobilisiert seine Anhänger
Fujimoris Tochter Keiko hatte seine Anhänger zu Solidaritätsbekundungen aufgerufen. "Wir werden beweisen, dass er unschuldig ist", sagte die Anwältin und Parlamentsabgeordnete vor Journalisten. Der peruanische Ministerpräsident Jorge de Castillo kündigte an, Fujimori werde "gerecht" behandelt werden. "Wenn das Verfahren begonnen hat, wird die Demokratie ihre Überlegenheit über die Diktatur unter Beweis stellen."
Fujimori hatte Ende 2000 angesichts zahlreicher Korruptionsaffären während einer Asienreise seinen Rücktritt erklärt. In Japan war er wegen seiner japanischen Staatsbürgerschaft vor einer Auslieferung sicher. Ende 2005 wollte er in seine Heimat zurückkehren, um bei der Präsidentenwahl zu kandidieren. Die Rückkehr endete jedoch bereits in Chile, wo er auf Betreiben der peruanischen Behörden unter Hausarrest gestellt wurde.
Während seiner zwei Amtszeiten kurbelte Fujimori die Wirtschaft an und ließ die linke Terrorgruppe Sendero Luminoso (Leuchtender Pfad) niederkämpfen. Dabei begingen Polizei und Militär jedoch schwere Menschenrechtsverbrechen. Dem amtierenden Präsidenten Alan García dürfte ein Prozess gegen Fujimori nach Einschätzung von Zeitungskommentatoren ungelegen kommen, da dabei auch die chaotische Amtsführung von García während seiner ersten Amtszeit (1985-1990) unmittelbar vor Fujimoris Amtsantritt zur Sprache kommen werde. Außerdem gab es auch vor dem Jahr 1990 Menschenrechtsverletzungen.
(apa)
