Größte Ölreserven der Welt und hunderte Prinzen: Saudi-Arabien gibt es seit 75 Jahren
- Abdul Aziz Ibn Saud gründete Staat am 23. 9. 1932
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zu Saudi-Arabien
Übersichtskarte, Factbox, Zeitleiste mit Königen
·STICHWORT:
Saudi-Arabien
Königreich entstand durch Eroberungszüge
In Saudi-Arabien, das den 75. Jahrestag seiner Gründung feiert, ticken die Uhren anders als im Rest der Welt. Nur in dem islamischen Königreich dürfen Frauen nicht Auto fahren. Nirgends sonst auf der Welt gibt es so viele Prinzen, die auf Staatskosten im Luxus schwelgen. Kein Staat verfügt über so große bekannte Ölreserven wie das Reich der Familie von Ibn Saud. In Saudi-Arabien wird eine puritanisch-konservative Form des Islam praktiziert, die rigider ist als in jedem anderen Teil der islamischen Welt. Drogenschmuggler und Mörder werden öffentlich enthauptet. Wer in einem Einkaufszentrum hinter Frauen herläuft, kann dafür ausgepeitscht werden.
Das Bild des Staatsgründers Abdul Aziz Ibn Saud, der am 23. September 1932 sein erbliches Fürstentum Nedschd mit dem eroberten Königreich Hedschas vereinigte, findet man auch heute in vielen offiziellen Gebäuden des nach ihm benannten Reiches. Auch wenn die traditionell weltoffeneren Araber der Hedschas-Region am Roten Meer dem Herrscherhaus bis heute etwas distanziert gegenüber stehen, so ist doch die Zahl der Saudis, die eine Abschaffung der Monarchie begrüßen würden, nach Einschätzung westlicher Diplomaten sehr gering. König Abdullah, der 2005 nach dem Tod seines Halbbruders Fahd an die Macht kam, erfreut sich bei seinen Untertanen sogar deutlich größerer Beliebtheit als sein Vorgänger. Trotzdem brodelt es unter der marmorglatten Oberfläche des Königreichs.
Eigene Religionspolizei
Aus dem Exil wettern Islamisten, denen die Saud-Familie nicht glaubensstreng genug ist, gegen das Herrscherhaus. Die Religionspolizei, die neben der Staatsmacht eine Art Exekutive der Religionsgelehrten ist, gerät immer mehr in das Kreuzfeuer der Kritik. Man wirft ihr Machtmissbrauch und Brutalität vor. Seit vier Jahren versucht zudem das Terrornetzwerk Al-Kaida, Saudi-Arabien mit Anschlägen, die sich vornehmlich gegen westliche Ausländer richten, zu destabilisieren.
Kein Parlament
Eine kleine intellektuelle Elite kämpft mit Petitionen an König Abdullah (seit 2005) und friedlichen Protestaktionen für Frauenrechte und demokratische Reformen, bisher allerdings relativ erfolglos. Es gibt weder ein Parlament noch Parteien. Die Mitglieder des Schura (Shoura)-Rates, der die Regierung "berät", werden vom König ernannt. Und auch die erste Kommunalwahl, bei der 2005 ein Teil der Gemeinderäte gewählt wurde, hat kaum etwas verändert.
Hohe Arbeitslosigkeit
Außerdem macht dem Herrscherhaus die hohe Arbeitslosigkeit zu schaffen, die schwer zu bekämpfen ist, weil junge Männer in Saudi-Arabien oft nicht bereit sind, praktische Berufe zu erlernen, bei denen sie körperlich arbeiten müssen. Die ältere Generation ist da weniger verwöhnt. Sie stammt aus der Zeit vor dem Öl-Boom, als es auf der arabischen Halbinsel weder Bürojobs noch Klimaanlagen gab. Dazu gehört Scheich Darhum al-Bakami, der vor zwei Jahren der Zeitung "Al-Riyadh" sagte: "Es war schrecklich früher, ständig musste man Angst vor Angriffen anderer Stämme haben, es gab dauernd Streit um Wasser und das Vieh wurde gestohlen." Bakami wurde von der Zeitung als 115-Jähriger vorgestellt. Doch die meisten Saudi-Araber seiner Generation wissen gar nicht ganz genau, wie alt sie sind, da für sie keine Geburtsurkunden ausgestellt wurden.
Wahhabismus als Grundlage
Das Königreich Saudi-Arabien ist das Ergebnis eines über Generationen stabilen Bundes zwischen dem Hause Saud und den theologischen Sachwaltern des puritanischen islamischen Predigers Mohammed Ibn Abdul Wahhab. Dieser hatte sich im 18. Jahrhundert mit Prinz Mohammed Ibn Saud verbündet. Abdul Wahhab predigte damals eine Rückkehr zu den Wurzeln des Islam. Seine Glaubensinterpretation, der Wahhabismus (bzw. Wahabismus), ist Grundlage für das saudiarabische Gemeinwesen. Der Westen, der in Saudi-Arabien über Jahrzehnte vor allem einen Öllieferanten gesehen hatte, begann erst nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 ernsthaft, sich für den Wahhabismus zu interessieren. Denn vor allem die USA, für die Saudi-Arabien einer der wichtigsten Partner in der Region ist, fragten sich, weshalb 15 der 19 Flugzeugattentäter aus Saudi-Arabien stammten.
Aktivere außenpolitische Rolle
Außenpolitisch bemüht sich Saudi-Arabien unter König Abdullah, der seine Autorität auch aus seiner Rolle als "Hüter der Heiligen Stätten des Islam in Mekka und Medina" schöpft, um eine aktivere Rolle. Im Libanon versuchen die Saudis derzeit zu vermitteln. Auch der 2002 von der Arabischen Liga verabschiedete arabische Friedensplan, der Israel eine Normalisierung der Beziehungen im Falle eines Rückzugs aus den 1967 besetzten Gebieten anbietet, stammt aus Riad. Sollte König Abdullah seinen Kurs fortsetzen, könnte die arabische Welt nach Einschätzung einiger Experten schon bald die Ära der politischen Dominanz Ägyptens hinter sich lassen. Dabei wird der regionale Aufstieg der Saudis von der Islamisierungswelle begünstigt, von der die arabischen Staaten seit etwa 15 Jahren erfasst sind, und die von Riad auch aktiv gefördert wird. (apa/red)
