Der Anfang vom Ende des laizistischen Systems? Kopftuchverbot in Türkei gelockert
- Studentinnen dürfen künftig Kopftuch auf Unis tragen
- Verschleierung des ganzen Körpers bleibt aber tabu

In der Türkei soll das Kopftuchverbot an den Universitäten fallen. Der Vorstand der regierenden Gerechtigkeits-und Entwicklungspartei (AKP) von Ministerpräsident Erdogan beschloss in einer siebenstündigen Sitzung in Ankara einen entsprechenden Passus für die geplante neue Verfassung des Landes, wie türkische Medien meldeten.
Danach soll es die neue Verfassung jungen Frauen ermöglichen, anders als bisher auch mit Kopftuch zu studieren. Eine Verschleierung des ganzen Körpers soll allerdings weiterhin verboten bleiben. Die neue Verfassung soll zudem den Weg für Kurdisch-Unterricht an den staatlichen Schulen freimachen. Erdogan werde im Laufe des Tages den Verfassungsentwurf seiner Partei offiziell vorstellen, meldete der Nachrichtensender CNN-Türk.
Die Kopftuchfrage ist heftig umstritten, weil Gegner Erdogans in der Kopfbedeckung ein Symbol des politischen Islam sehen. Kemalisten, die für eine Beibehaltung der bisher geltenden Kontrolle der Religion durch den Staat eintreten, sehen in der vorgeschlagenen Aufhebung des Kopftuchverbots an den Universitäten den Anfang vom Ende des laizistischen Systems. Erdogans Partei argumentiert dagegen, das Kopftuch sei Ausdruck einer persönlichen Entscheidung der jungen Frauen, die respektiert werden müsse. Der Vorschlag der AKP bezieht sich nur auf das Hochschulwesen; das Kopftuchverbot in Schulen und staatlichen Institutionen wie dem Parlament würde demnach weiterbestehen bleiben.
Staatspräsident Gül zeigte sich überzeugt, dass es nach einem Ende des Kopftuchverbots keinerlei Druck auf Studentinnen geben werde, die weiterhin mit offenen Haaren an die Universität gehen wollten. In der Türkei lebten Kopftuch tragende Frauen und Frauen mit offenem Haar harmonisch zusammen, sagte Gül der liberalen Zeitung "Milliyet". (apa/red)
