Sonntag, 23. September 2007

Strache "wehrhaft" gegen den Islamismus: Will Kopftuchverbot im öffentlichen Bereich

  • An Schulen, Universitäten und auch für Beamte
  • Kritik an Aussagen des FPÖ-Chefs von allen Seiten

FPÖ-Obmann Heinz Christian Strache will "wehrhaft im Sinne demokratischer Mittel" gegen Islamismus auftreten. In der Fernseh-"Pressestunde" meinte Strache, man müsse "symbolisch" den "Kampfanzug" anziehen und sich gegen Gewalt von Islamisten wehren. Vorwürfe bezüglich seiner eigenen Vergangenheit wies Strache neuerlich zurück und bezeichnete sich selbst als "leidenschaftlichen Demokraten", der "mitte-rechts" positioniert sei.

Strache bekräftigte, dass moslemische Zuwanderer die österreichischen Gesetze einhalten und die Wertegemeinschaft akzeptieren müssten. Die Religion werde aber häufig politisch missbraucht. Der FPÖ-Chef verwies in diesem Zusammenhang auf "tausende Zwangsbeschneidungen und Zwangsverheiratungen". Dabei handle es sich nicht um Einzelfälle. Zudem sei in einem 2006 in Wien verwendeten Schulbuch die Scharia propagiert und Hand abhacken befürwortet worden sowie dass der Mann die Frau schlagen dürfe. Strache zeigte sich aber "froh", dass die Islamische Glaubensgemeinschaft sich von Gewalt distanziert hat.

Kopftuchverbot
Zu seiner Forderung nach Verwendung der deutschen Sprache bei Gottesdiensten stellte der FPÖ-Chef klar, dass er damit nur die islamische Glaubensgemeinschaft gemeint habe, weil es hier auch Hassprediger gebe. Die katholische Kirche sollte dabei nicht einbezogen werden, die polnische Gemeinde in Wien etwa sollte den Gottesdienst durchaus in ihrer Sprache feiern können. Seine Forderung nach einem Kopftuchverbot beziehe sich nur auf den öffentlichen Bereich. Im öffentlichen Dienst, Schulen oder Universitäten habe das Kopftuch nichts verloren. Was jemand in seiner Freizeit tue, bleibe aber jedem unbenommen.

Strache erntet nur Kritik
Bei den anderen Parteien und auch bei der Islamische Glaubens-Gemeinschaft erntete Strache nichts als Kritik. Der Integrationsbeauftragter der Islamischen Glaubensgemeinschaft und Wiener SPÖ-Gemeinderat, Omar Al-Rawi, meinte, Strache biete keinen Inhalt und "bedient sich nur Klischees und Ressentiments, um weiter gegen Muslime zu hetzen. Er reduziert die Präsenz der Muslime nur auf die Zuwanderung und vergisst bewusst den kulturellen Einfluss den Muslime in der Geschichte Europas gespielt haben."

Knapp fiel der Kommentar von SPÖ-Bundesgeschäftsführer Josef Kalina aus: "Wer mit rechtsradikalen Glatzen gemeinsam marschiert und in den 'Kampfanzug' steigen möchte, der braucht nicht über europäische Werte, Humanismus und Christentum zu schwadronieren. Bei Radikalinskis sind die Interessen der Österreicherinnen und Österreicher sicher nicht in guten Händen."

"Großes Mundwerk, weiche Knie", konstatierte ÖVP-Generalsekretär Hannes Missethon bei Strache. "Die FPÖ hat als Heimatpartei abgedankt. Immer, wenn es ans Eingemachte geht, schwächelt Strache." Nach Ansicht Missethons können "rechte Hetzer wie Strache" die bestehenden Probleme in Sachen Integration genauso wenig lösen, wie linke Träumer.

"Wiking-Jugend"
Zu seiner eigenen Personen betonte Strache, dass er in seiner Zeit als Politiker immer eine "absolute Abgrenzung zu totalitärem Gesinnungsgut gelebt" habe. Bei seiner Teilnahme an einem Treffen der Wiking-Jugend, sei er nicht verhaftet sondern angehalten worden, es habe nie ein Verfahren gegeben und er sei nicht verurteilt worden. Die Wiking-Jugend sei zu diesem Zeitpunkt noch nicht verboten gewesen. Sein Anliegen bei der Veranstaltung zu Silvester 1989 sei es gewesen, dass der Kommunismus fällt. Man habe u.a. Wein und Sekt zu den DDR-Bürgern hinüber geworfen. Der Tageszeitung "Österreich" warf Strache vor, ein Foto "manipuliert" zu haben.

(apa/red)

23.9.2007 21:21