Samstag, 22. September 2007

Vom Migrantenkind zum Al-Qaida Netzwerk:
NEWS beleuchtet die Akte des Mohamed M.

  • Die internationalen Top-Verbindungen des Jihadisten
  • Mohamed M. wurde von Kindesbeinen an radikalisiert

Gekleidet wie ein Rapper, unrasiert, betont cool im Auftreten, den für sein Alter obligatorischen iPod stets dabei. Auf den ersten Blick schien Mohamed M., 22, wenig von anderen Spätpubertären aus dem 15. Wiener Gemeindebezirk zu unterscheiden.

Doch Mohamed sitzt heute in U-Haft. Als Hauptverdächtiger jener islamistischen Terrorzelle, die seit einem halben Jahr unter Beobachtung des Bundesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) steht. Was Mohamed jedoch von Gleichaltrigen unterscheidet, sind die Inhalte. Während andere sich die MP3-Player mit den neusten Hits auffüllen, nutzt er die Segnungen westlicher Unterhaltungstechnik, um Koranverse zu hören. Musik sei "unislamisch", befand er. Dafür könne er über 6.000 Sprüche des Propheten auswendig.

Der Sohn des Imams
Womit sich die Frage stellt, wie aus einem unscheinbaren Wiener Migrantenkind das Hauptziel der umfassendsten Anti-Terror-Operation in der Geschichte der Zweiten Republik wurde. Zentrale Figur für Mohamed ist sein Vater. Und der war zwanzig Jahre lang streng konservativer Imam der Sahaba-Moschee in Wien-Neubau. Tarafa Baghajati, Vertreter der Initiative muslimischer Österreicher, meint: "Diese Moschee wurde in den letzten Jahren zunehmend radikaler und extremistischer. Sie zeichnet sich durch Arroganz und Aggressivität aus."

Von klein auf indoktriniert
Das Umfeld, in dem Mohamed aufwächst, ist von offenem Fundamentalismus geprägt. Er besucht die saudi-arabische Privatschule in Wien-Floridsdorf. Mohamed lernt dort viel. Nur nicht Deutsch. Als er zwölf Jahre als ist, spricht er kaum ein Wort. Dann ziehen die Eltern um. Von Heiligenstadt nach Rudolfsheim-Fünfhaus. In den Gemeindebau. Mohamed muss in eine neue Schule. Prompt ist er Außenseiter. Er wird verspottet, getreten und bespuckt. Er, der stets wohlbehütete Muslim, beginnt sich zu wehren. Er geht auf Distanz, lernt neue "Freunde" kennen. Die zeigen ihm einen Ausweg: den Islam. Wieder wechselt er die Schule. Er besucht die "Vienna International Islamic School - Al Azhar", die ebenfalls einen zweifelhaften Ruf genießt.

Die internationalen Kontakte
Und Mohamed macht sich auf den Weg. Hin zu jenen Hintermännern, denen er ideologisch immer näher kommt. Immer wieder fährt er nach Mailand. Dort agiert auch der radikale Imam Abu Omar, dem eine enge Verbindung zu Al-Qaida unterstellt wird. Abu Omar wird längst vom italienischen Geheimdienst überwacht und abgehört. Bei einer dieser Abhöraktionen fällt der aus heutiger Sicht interessanteste Satz: "Österreich ist das Land, von dem alles Mögliche ausgeht."
Mohamed wird Schüler von Abu Omar. Mohamed gerät zum ersten Mal in das Visier internationaler Geheimdienste. Er fühlt sich jetzt verfolgt. Sein Ausweg führt ihn im Jahr 2003 nach Syrien. Dann weiter in den Irak. Schließlich wird er dort festgenommen und für zwei Monate inhaftiert.
Sein Bruder Ahmad, 18, erinnert sich an die Zeit der Rückkehr: "Mohamed hat sich immer weniger in der westlichen Welt zurechtgefunden, mehr und mehr den Koran gelesen."

Mohamed rebelliert öffentlich
Der junge Muslim sucht jetzt Öffentlichkeit. Er engagiert sich politisch. Er exponiert sich, gibt provokante Interviews. Er ruft die Muslime sogar zum Boykott von Wahlen auf. Zuhause gerät er mit seinen Eltern in Konflikt. Er zieht immer wieder aus und ein. Sein Hass wächst rapid.

Mohamed macht große Politik
Verbündete findet er vor allem unter linksradikalen Gegnern des Irakkriegs. Am 9. März 2007, bedroht "Die Stimme des Kalifats" in einem Internetvideo Österreich. Zu diesem Zeitpunkt ist Mohamed über die "Globale Islamische Medienfront" längst ein international wahrgenommener Player als Sprachrohr der Al-Qaida. Das Heeresnachrichtenamt besorgt Daten aus dem Ausland, das Abwehramt gibt dem BVT entscheidende Hilfestellung bei der Suche nach den Urhebern des Drohvideos. Mohamed ist schnell gefunden.

Was folgt, ist einzigartig: Die Justiz genehmigt den Spezialisten des BVT einen großen Lauschangriff. Die Gemeindebauwohnung von Mohameds Eltern wird verwanzt. Mohamed M. ist gestoppt, die keimende Terrorzelle zerschlagen.

Die ganze Story finden Sie in der aktuellen NEWS-Ausgabe

22.9.2007 07:17