Freitag, 21. September 2007

Ärzte wollen mehr Geld für Hausvisite:
Kammer fordert 60 statt 30 Euro für Besuche

  • Weitere Forderungen sind u. a. 80 neue Planstellen

Die Wiener Ärztekammer hat ihren Forderungskatalog für die bereits rituellen Honorarverhandlungen mit der Gebietskrankenkasse (WGKK) übergeben. Die Mediziner treten etwa für eine bessere finanzielle Abgeltung der Hausbesuche ein: So soll das Honorar für die Hausvisite von 29,72 Euro auf 60 Euro erhöht werden. Für die Versicherten der WGKK soll das Leistungsangebot erweitert werden.

Allergien hätten in den letzten Jahren auch aufgrund von Umwelteinflüssen stark zugenommen, erklärte Helga Azem, Obfrau der Sektion Fachärzte der Wiener Ärztekammer, in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Vizepräsident Johannes Steinhart, dem Verhandlungsführer der Ärztekammer, und Rolf Jens, Obmann der Sektion Ärzte für Allgemeinmedizin. Im Kinderbereich sollen deshalb laut Azem Allergietests bzw. psychologische Beratungsgespräche auf Kasse möglich sein. Eine gänzliche Übernahme durch die Kasse sei auch bei Frauen für Beratungsgespräche in der Menopause oder die Brustkrebsvorsorge gewünscht, meinte Azem.

Verlangt würden außerdem 80 neue Planstellen für fachärztliche Gruppenpraxen, betonte Azem. Die innere Medizin sei immer technischer geworden, notwendige Geräte und deren Wartung würden enorm viel kosten. So würde etwa ein Gerät für computergestützte Laservermessung des Sehnervs rund 40.000 Euro kosten, unterstrich Azem, die für einen modernen Leistungskatalog eintrat, "wo wirklich moderne Medizin State of the Art angeboten wird".

Nicht nur medizinische, sondern auch bürokratische Leistungen sollten honoriert werden, meinte Steinhart. Es könne nicht sein, dass der Arzt hier zum Nulltarif arbeite. Einen Mehraufwand hätte etwa das Arzneimittel-Bewilligungssystem oder die E-Card nach sich gezogen. Es stimme außerdem nicht, dass in Wien die Arzthonorare besonders hoch seien. Eine Statistik des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger hätte ergeben, dass die Wiener Ärzte pro Patient um ungefähr drei Euro weniger erhalten würden als die übrige Ärzteschaft. "Unsere Forderung nach einer Honoraradaptierung ist daher mehr als gerechtfertigt", so der Vizepräsident.

Die Honorierung des ärztlichen Gesprächs bei Allgemeinmedizinern sei auf lediglich 18 Prozent ihrer Fälle limitiert, unterstrich Jens, der sich auch vehement für eine Erhöhung des Honorars für die Hausvisite einsetzte. Selbst wenn ein Arzt beispielsweise ein Ehepaar besuche, bei dem beide Partner krank seien, bekäme er dafür zur Zeit lediglich 29,72 Euro. Hier sei neben der Erhöhung des Honorars auch die neue Tarifposition der "Mitvisite" von 20 Euro gefordert, unterstrich er. (apa/red)

21.9.2007 13:46