Freitag, 21. September 2007

"Schlechte Zensuren" für die Koalition: Weiterer Vertrauensverlust der Regierung

  • Turbulentes Privatleben: Kdolsky mit größtem Absturz
  • Kanzler Gusenbauer kann hingegen leicht zulegen
    IHRE MEINUNG: Sind Sie mit Rot-Schwarz zufrieden?

Die Bundesregierung hat mit einem deutlichen Vertrauensverlust in der Bevölkerung zu kämpfen. Die Österreicher haben der Regierung "schlechte Zensuren für ihr Sommerverhalten" erteilt, erläuterte OGM-Chef Wolfgang Bachmayr die Ergebnisse des aktuellen APA/OGM-Vertrauensindex. Einen regelrechten Absturz musste Gesundheitsministerin Andrea Kdoslky hinnehmen, die in in den letzten drei Monaten 20 Prozentpunkte an Vertrauen einbüßte.

Aber auch fast alle anderen Minister mussten einen zum Teil massiven Vertrauensverlust einstecken, leicht zulegen konnten nur Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, Wirtschaftsminister Martin Bartenstein und Unterrichtsministerin Claudia Schmied.

Bachmayr verwies darauf, dass der Sommer früher immer eine relativ ruhige Phase ohne große Veränderungen in den politischen Einstellungen gewesen sei. Heuer habe sich aber das Bild weiter verschlechtert und das ohnehin schon relativ geringe Vertrauen in die Mitglieder der Bundesregierung habe noch weiter abgenommen.

Kdolskys Ansehen leidet unter Privatleben
Besonders auffällig ist der Absturz Kdolskys, die mit minus 20 Punkten den größten Vertrauensverlust zu verkraften hat und nun eine Bilanz von minus elf Prozent im Index aufweist. Der OGM-Chef sieht den Hauptgrund dafür in ihrem Privatleben, das die Familienministerin von sich aus öffentlich gemacht hat. Aber auch Verteidigungsminister Norbert Darabos musste einen Vertrauensverlust von elf Punkten einstecken, mit einem Saldo von Minus 19 Prozent ist er das Schlusslicht unter den Regierungsmitgliedern. Für Bachmayr könnten das noch "die Ausläufer der Eurofighter-Debatte" sein. Das meiste Vertrauen unter den Ministern hat Außenministerin Ursula Plassnik mit plus 40 Prozent (minus sechs Punkte), unangefochten an der Spitze aller Politiker liegt weiter Bundespräsident Heinz Fischer mit 71 Prozent.

Vertrauenszuwächse gab es über den Sommer nur in sehr bescheidenem Maße. Mit einem Plus von drei Punkten hat Gusenbauer zwar den größten Zuwachs, aber auch der Kanzler hat sich "auf relativ schwachem Niveau (Saldo von plus sieben Prozent) nur unwesentlich verbessert", so Bachmayr. VP-Vizekanzler Wilhelm Molterer verlor einen Prozentpunkt und liegt mit insgesamt neun Prozent noch knapp vor Gusenbauer.

Westenthaler führt Negativ-Wertung an
Die Negativ-Skala des Index führen unangefochten die Oppositionspolitiker Peter Westenthaler vom BZÖ (minus 63 Prozent) und Heinz-Christian Strache (minus 56 Prozent) an. Während sich die Vertrauenswerte von Westenthaler zumindest nicht verschlechterten, nahm das Vertrauen in den FPÖ-Chef um fünf Prozentpunkte ab. Der dritte Oppositionsführer, Grünen-Chef Alexander Van der Bellen, zählt mit plus 16 Prozent (minus zwei Punkte) immer noch zu den vertrauenswürdigsten Politikern.

(apa/red)

21.9.2007 11:15