Gibt "keine Gewinner und keine Verlierer": Alle können mit "Licht am Tag"-Aus leben
- Wer nicht einschaltet, wird vorerst weiterhin gestraft
- Pfleger ließ kein gutes Haar an alter Studie des KfV

·"Licht am Tag" ist endgültig gescheitert
Lenker sollen bald nicht mehr gestraft werden
·Knappe Mehrheit bei uns für Licht am Tag
"profil": Fast ebenso viele sind für Abschaffung
·Was halten denn Sie von "Licht am Tag"?
Umfrage: Mehr Sicherheit oder reine Schikane?
"Es gibt keine Gewinner und keine Verlierer, es geht nur um die Verkehrssicherheit", so reagierte Ernst Pfleger auf das am Aus für "Licht am Tag". Hauptantwortlich dafür ist seine Studie, die der Maßnahme nur geringe Vorteile in bestimmten Verkehrssituationen, dafür aber unerwünschte Ablenkungseffekte bescheinigt hatte. Beim Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) versicherte man, dass man mit der neuen Regelung durchaus "leben könne".
Verschiedene Medien hatten die Frage gestellt, warum Pfleger mit der Studie beauftragt wurde, obwohl es bereits einen entsprechenden Evaluierungszwischenbericht des KfV gab, die positive Effekten ortete. Eine Sprecherin von Verkehrsminister Werner Faymann (S) verwies darauf, dass in der Untersuchung, die noch vom früheren Verkehrsminister Hubert Gorbach (B) in Auftrag gegeben worden war, lediglich Unfallzahlen verglichen, aber keine Abläufe untersucht wurden.
Auch Unfall-Abläufe untersucht
Letzteres hat Pfleger getan. Übrigens verwehrte sich der Wissenschafter gegen Gerüchte, er habe bereits Studien erstellt, die damals zu einer positiven Einschätzung von "Licht am Tag" kamen. Zwei Untersuchungen aus dem Jahr 2000 haben keine eindeutigen Ergebnisse erbracht. "Es gab Situationen, in denen 'Licht am Tag' sinnvoll war, aber auch andere, in denen deutlich negative Effekte auftraten." Auch beim Expertenhearing im Parlament sei er gemeinsam mit dem Verkehrsclub Österreich (VCÖ) als einziger als Gegner der Maßnahme aufgetreten.
Seine Methode, bei der u.a. das Blickverhalten der Verkehrsteilnehmer registriert wird, sei dem Ministerium durch andere Studien, etwa wohin Schulkinder schauen, bekanntgewesen. Deshalb sei er kontaktiert worden, und habe sich an die qualitative Untersuchung gemacht.
Laut Pfleger müsse man sich prinzipiell fragen: "Wo hilft 'Licht am Tag' überhaupt?" Bei direkten Begegnungen nehme man ein entgegenkommendes Auto einige Zehntelsekunden früher wahr. Das sei aber bei guten Sichtverhältnissen und einer Zeitspanne von acht bis zehn Sekunden (bis das Kfz vorbeigefahren ist) völlig unerheblich. Allerdings werde der Blick von den Scheinwerfern "angezogen", man schaue zu lange hin und sei von anderen Vorgängen im Verkehr abgelenkt.
Keine Gnade für KfV
Die Studie des KfV findet vor den Augen Pflegers keine Gnade: "Ich bin nicht überheblich, aber da hat man es sich zu leicht gemacht." Es sei nicht möglich, sich aus den Unfallzahlen "einige Trends herauszupicken". Es gebe einfach zu viele Einflussfaktoren, daher könne man nur über mehrere Jahre vergleichen. "'Licht am Tag' war für mich eher eine PR-Aktion. Wir sollten und auf Dinge konzentrieren, die für die Verkehrssicherheit wirklich wichtig sind."
"Wir wollen nicht päpstlicher sein als der Papst", sagte KfV-Chef Othmar Thann. "Wir haben das zu akzeptieren." Man sei immer offen gewesen, und wenn das Ministerium nach Abwägung aller Untersuchungen und Fakten zu dem Schluss gekommen ist, es abzuschaffen könne man damit leben. Wichtig sei, dass "Licht am Tag" weiterhin möglich ist.
Die Pressestelle der Wiener Polizei bekräftigte trotz eines anderslautenden Zeitungsberichts, dass entsprechend der Vorgabe durch das Innenministerium weiterhin all jene bestraft werden, die derzeit ohne "Licht am Tag" unterwegs sind. Erst wenn das Parlament das entsprechende Gesetz gekippt hat, wird es damit vorbei sein.
(apa/red)
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