Projekt "Licht am Tag" gescheitert: Lenker ohne Licht werden bald nicht mehr gestraft
- Faymann und Platter bestätigen Aus für das Gesetz
- "Licht am Tag" war seit Beginn 2005 heftig umstritten

·Knappe Mehrheit bei uns für Licht am Tag
"profil": Fast ebenso viele sind für Abschaffung
·Was halten denn Sie von "Licht am Tag"?
Umfrage: Mehr Sicherheit oder reine Schikane?
"Licht am Tag" wird in Österreich schon bald Geschichte sein: Verkehrsminister Werner Faymann (S) und Innenminister Günther Platter (V) kündigten bei einer Pressekonferenz an, einen entsprechenden Antrag an das Parlament stellen zu wollen. Hauptverantwortlich für den Entschluss ist eine Studie, die "Licht am Tag" bei hellem Sonnenschein eine unnötig ablenkende Wirkung attestiert.
Vor der Einführung im November 2005 waren die Expertenmeinungen zum Thema "Licht am Tag" sehr gespalten, und auch heute hat nur die Hälfte der EU-Staaten entsprechende Regelungen - oder eben nicht. Nun sahen Platter und Faymann die Zeit gekommen, die Effekte zu evaluieren. Dies geschah durch die EPIGUS-Studie unter der Leitung von Ernst Pfleger.
Schwächere Verkehrsteilnehmer benachteiligt
Die Ergebnisse: Autos werden durch "Licht am Tag" zwar früher erkannt, bei guten Sichtverhältnissen führt es jedoch zu viel zu langem Hinschauen. Und diese Ablenkung kann dazu führen, dass andere Verkehrsteilnehmer übersehen werden. "Durch die Lichtüberflutung sind schwächere Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger, Radfahrer und Kinder benachteiligt", betonte Platter. Zudem gebe es keine Unterscheidung zu den Einspurigen, was u.a. dazu geführt hat, dass deutlich mehr Verkehrstote bei Mopeds und Motorrädern zu beklagen waren.
Bei schlechter Sicht mit Licht
In der Dämmerung oder bei schlechten Sichtverhältnissen allerdings sollte weiterhin das Abblendlicht eingeschalten werden, unterstrichen beide Minister. Dies wäre bereits vor "Licht am Tag" so gewesen. Damit dies von den Verkehrsteilnehmern auch beherzigt wird, ist eine große Aufklärungskampagne mit den Autofahrerclubs geplant, mit deren Hilfe die Eigenverantwortung gestärkt werden soll.
CO2-Schleuder "Licht am Tag"
Zudem hofft Faymann, dass schon bald eine Richtlinie der EU verabschiedet wird, die der Autoindustrie eine Norm zu einem speziellen Taglicht auferlegt, das zu keiner Blendung führt und Dank LED-Leuchten kein zusätzliches Benzin verbraucht. Derzeit würden nämlich durch "Licht am Tag" zusätzliche 250.000 Tonnen CO2 in die Atmosphäre geblasen, und jeder Autofahrer gibt 40 bis 60 Euro mehr für Sprit aus. Eine Alternative zum speziellen Taglicht wäre ein Dämmerlicht, das sich durch Sensoren selbsttätig einschaltet,
Licht weiterhin erlaubt
Was das Thema Strafen betrifft, so wird die Regelung bis zu einem entsprechenden Parlamentsbeschluss weiterhin exekutiert. Wer sich danach noch immer sicherer mit "Licht am Tag" fühlt, kann dies ruhig einschalten. Platter und Faymann versicherten, dass dies auch bei 35 Grad Celsius und strahlendem Sonnenschein weiterhin sanktionslos möglich sein wird.
Fast nur positive Reaktionen
Die Entscheidung, dass "Licht am Tag" bald Geschichte sein wird, hat fast durchwegs für positive Reaktionen von Parteien und Interessensvertretungen geführt. Am zurückhaltesten war der ÖAMTC, der die Abschaffung zwar akzeptierte, allerdings "nur unter der Voraussetzung, dass alle Anstrengungen unternommen werden, die zum raschen serienmäßigen Einbau von Tagfahrlicht, am besten mit Dämmerungsschalter, führen".
ARBÖ: "Koaltion der Vernunft"
"Wir freuen uns über die Koalition der Vernunft, die zum Aus von 'Licht am Tag' geführt hat", so ARBÖ-Geschäftsführer Leo Musil. "Unsere Forderungen wurden damit umgesetzt". Die Ablehnung der Bevölkerung sei schon von Beginn an deutlich spürbar gewesen.
Auch der VCÖ sah seine ablehnende Haltung durch die präsentierten Studienergebnisse bestätigt. Für Fußgänger, Radfahrer und Motorradfahrer war das Risiko, übersehen zu werden, durch Licht am Tag gestiegen.
Westenthaler: "War immer dagegen"
BZÖ-Chef Klubobmann Peter Westenthaler, dessen Parteifreund Hubert Gorbach 2005 "Licht am Tag" eingeführt hatte, begrüßte nun ausdrücklich das Aus für die Maßnahmen: "Ich war immer gegen diese Regelung, weil sie nichts bringt. Zahlreiche Studien beweisen, dass generelles "Licht am Tag" bei Kfz die Verkehrssicherheit nicht zusätzlich erhöht." Zugleich forderte er ab sofort Straffreiheit für Autofahrer, die untertags ohne Licht unterwegs sind.
Kritik von den Grünen
Die Verkehrssprecherin der Grünen, Gabriele Moser, wünscht sich eine seriöse Evaluierung, was die Maßnahme wirklich bringe. Es könne nicht sein, dass der gleiche Gutachter, der sich für "Licht am Tag" ausgesprochen habe, "husch-pfusch" über den Sommer eine neue Erhebung auf den Tisch lege, die es dem Minister nun wieder einfacher mache, die Aktion abzuschaffen. Generell sei sie überzeugt, dass Faymann mit dem Aufflammen der Diskussion das Rampenlicht suche und damit vom eigentlichen Thema ablenke. Der Hauptgrund für tödliche Verkehrsunfälle sei erhöhte Geschwindigkeit, der zweite Alkohol am Steuer. "Wenn wir bei diesen Punkten ansetzen würden, hätten wir sicher einen größeren Effekt als mit Licht am Tag, das 30 Menschenleben im Jahr retten soll."
Man habe Licht am Tag von Anfang an bekämpft, da es den Moped- und Motorradfahrern den Sicherheitsvorteil nimmt, besser gesehen zu werden. "Die Unfallzahlen sind gestiegen - auch das haben wir vorausgesagt", so die Vizepräsidentin der Red Biker (Sozialdemokratischer Motorradclub Österreichs) und Wiener Gemeinderätin Sonja Ramskogler (S).
(apa/red)
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