NEWS LEBEN: Die Dosis macht das Gift -
Wie gesund oder ungesund ist Alkohol?
- Suchtexperten raten zu gemäßigter Genusskultur
- Alkoholprobleme betreffen alle sozialen Schichten

·Billiger Alkohol: Saft kostet mehr als Bier!
AKNÖ: Preise verleiten Jugendliche zum Saufen
·Die Österreicher sind Spitzen-Biertrinker
Dritter Platz: Pro-Kopf- Verbrauch von 108 Litern
·Weinwerbespot wird nicht mehr gesendet!
"Komatrinken": Veltliner als Antidepressivum
Das Fluchtachterl, das kleine Bier sind Teil der nationalen Identität. Entsprechend wird Abstinenz in Österreich niemandem leicht gemacht. So finden 96 Prozent der Österreicher, dass ein gewisser Alkoholkonsum bei festlichen Gelegenheiten angezeigt ist, 90 Prozent finden ihn bei Treffen mit Freunden außer Haus vertretbar. Und über die Trinkgewohnheiten in den eigenen vier Wänden breitet sich mehr oder weniger ein Mantel des Schweigens. 38,9 Liter Wein, 1,7 Liter Schnaps und 128 Liter Bier nehmen Herr oder Frau Österreicher pro Jahr zu sich.
Alkohol hat als Genuss- und Nahrungsmittel viele Funktionen in unserem Leben. Er ist unzweifelhaft eine Medizin, aber auch eine Droge, meint Univ.-Prof. Prim. Dr. Reinhard Haller. Der Psychiater und Neurologe leitet seit zwanzig Jahren das Vorarlberger Behandlungszentrum für Suchtkranke im Krankenhaus Maria Ebene und ist Drogenbeauftragter der Vorarlberger Landesregierung.
Warum trinken wir?
Alkohol kann entspannen, schmecken und die Stimmung heben, denn Alkohol - oder genauer gesagt Äthanol oder Äthylalkohol - wirkt bereits in kleinsten Dosen auf das Gehirn. Wir spüren verstärkten Tatendrang, gesteigerte Redseligkeit und Glücksgefühle. Kein Wunder: Alkohol setzt unter anderem jene Botenstoffe verstärkt frei, die zum Belohnungssystem gehören vor allem Dopamin, Serotonin und Endorphine sorgen förmlich für einen Glücksrausch nach dem ersten Schluck.
Wie gesund ist Alkohol?
Dass Alkohol Gift für den Körper ist, weiß jeder, der schon ein Gläschen zu viel getrunken hat. Doch ein Gläschen am Tag soll das Herz schützen und jung halten. "Alkohol hat tatsächlich positive und negative Auswirkungen auf die Gesundheit", erklärt Univ.-Prof. Prim. Dr. Heinz Drexel, Leiter der Abteilung für Innere Medizin am LKH Feldkirch. "Immer wieder werden Studien zitiert, die belegen sollen, dass moderater Alkoholkonsum das Leben verlängert - insgesamt werden aber diese positiven Effekte überbewertet." Wie viel Alkohol ist also noch gesund? "Darauf gibt es leider keine pauschal gültige Antwort. Bei den meisten Studien zeigen sich die positivsten Effekte bei sechs Gramm Alkohol pro Tag", so Spezialist Drexel.
Die schlechte Nachricht
Die Wirkungen des Alkohols beschränken sich bei regelmäßigem Konsum leider nicht auf den Schutz vor Herzerkrankungen. Relativ neu sind Studienergebnisse, wonach das Krebsrisiko, verbunden mit Alkohol, wesentlich höher ist als bisher angenommen. Bei Magen-, Darm- und Brustkrebs steigt das Risiko laut Experte Drexel gleich um ein Zehnfaches.
Genuss mit Maß
Suchtexperte Haller befürwortet eine Ächtung von Alkohol dennoch nicht. "Alkohol ist eine wirtschaftliche und kulturelle Größe. Es geht nicht darum, dass wir eine Abstinenzkultur werden. Eine gemäßigte Genusskultur bräuchten wir. Dann schadet Alkohol auch nicht."
Wann ist Vorsicht geboten?
Nach dem Genuss von Alkohol fühlen sich viele lockerer, finden leichter Kontakt und können Belastungen besser ertragen. "Kritisch wird Alkoholkonsum dann, wenn man sich erst nach einem Schluck ausgeglichen und wohl fühlt, wenn man ohne Alkohol nicht fröhlich und gesellig sein kann", erklärt Haller.
Wer wird süchtig?
Alkoholprobleme betreffen Männer und Frauen, alle Altersstufen und alle sozialen Schichten. Besonders gefährdet sind Menschen mit Lebenskrisen und solche, die Alkohol als Medizin gegen Depressionen, Nervosität oder Schlafstörungen einsetzen.
Was heißt alkoholkrank?
"Das entscheidende Kriterium zwischen Missbrauch und Sucht ist, dass Sucht nicht mehr durch einen starken Drang, sondern einen Zwang zu trinken geprägt ist", so Experte Haller. Betroffene können nach dem ersten Glas nicht mehr aufhören. "Die Dosis erhöht sich immer mehr, alle anderen Dinge des Lebens wie Partner, Kind, Beruf und Hobbys werden unwichtig." Eine Alkoholkrankheit entwickelt sich meist über Jahre, und je früher gegengesteuert wird, desto leichter ist ein therapeutischer Ansatz möglich.
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