Mittwoch, 12. September 2007

Tauziehen um MEL-Börselisting: Prüfung
der Meinl European Land hat begonnen

  • Anonyme Anzeigen gegen Grasser und Julius Meinl V.
  • Bank-Chef soll E-mail an Anleger versendet haben

Die Aufsichtsbehörden haben die so genannte Vor-Ort-Prüfung in der Meinl Bank begonnen, mit der das Zusammenspiel der Bank mit der in Turbulenzen geratenen Immobilienfirma Meinl European Land (MEL) durchleuchtet werden soll. Noch ist das Unternehmen weder aus dem Prime-Segment der Wiener Börse ausgeschieden, noch hatte es mit Nachrichten über einen strategischen Partner aufgewartet, wie dies im Markt vermutet worden war. Ob sich angesichts möglicher Schadenersatzklagen ad hoc strategische Investoren finden, lassen Börsianer jedoch offen.

Wie berichtet, ermittelt die Finanzmarktaufsicht (FMA) seit gut zwei Wochen wegen des Verdachts auf Marktmanipulation und Insiderhandel gegen Meinl European Land. Angelpunkt waren die umstrittenen milliardenschweren "Aktien"-Rückkäufe. Die behördliche Untersuchung wurde auch auf die Bank ausgedehnt, indem "Vor-Ort-Prüfer" die Bücher der als Market Maker der MEL aktiven Bank auf mögliche Unregelmäßigkeiten hin durchleuchten. Über die Prüfungshandlungen selbst wurde nichts bekannt.

Nach einem Bericht der Online-Finanzinformation "Börse-Express" hat sich Bank-Chef Julius Meinl mit einer E-mail an Anleger der Meinl European Land gewandt. In dem Schreiben spricht Meinl, der von einer laufenden "Diskreditierung" des Unternehmens durch die Medien, und stellt ausführliche Informationen in Aussicht.

Unbestätigten Informationen übt die Wiener Börse starken Druck auf MEL aus, sich "freiwillig" aus dem Top-Segment, zurückzuziehen. In der Wiener Börse soll dazu eine Sitzung die andere jagen. Gegen das Ansinnen sollen sich die Meinl European-Anwälte mit Händen und Füßen wehren. Offiziell war dazu keine Stellungnahme zu erhalten. Meinl European Land war erst vor wenigen Wochen aus dem "Continuous" in den Prime-Markt eingezogen. Juristen brüten deshalb weiter über Details des einstigen Zulassungsantrags einerseits und des strengen Regulatoriums für Aktien im höchsten heimischen Börsesegment andererseits.

Unterdessen ist auch eine anonyme Anzeige auf Betrugs- und Untreueverdacht gegen Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser und Banker Julius Meinl V. bei der Staatsanwaltschaft eingegangen. Laut Auskunft einer Behörden-Sprecherin wird nun das rechtliche Substrat geprüft. (apa/red)

12.9.2007 19:25