OPEC prüft Anhebung der Öl-Förderquote:
Zeigt sich besorgt um Finanzmarkt-Lage
- Quote soll um halbe Million Fass/Tag erhöht werden
- Saudis rechnen mit erhöhtem Rohölbedarf im Herbst

Die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) erwägt nach zähen Debatten eine Erhöhung der Erdölförderung. "Alles liegt am Tisch, aber es gibt keine Einigung", sagte Venezuelas Ölminister Rafael Ramirez in einer Sitzungspause der OPEC-Konferenz in Wien. Die Agenturen berichten jedoch unter Berufung auf Delegierte, dass sich Saudi-Arabien vor dem Hintergrund von Ölpreisen nahe bei 80 Dollar mit seiner Forderung nach einer Anhebung der Ölförderung um eine halbe Million Fass durchsetzen könnte.
Der amtierende OPEC-Präsident Mohamed al Hamli von den V.A.E. erklärte zwar, die "Unberechenbarkeit" des internationalen Ölmarktes sei "ohne jeden Zweifel" nicht ein Ergebnis einer Rohölknappheit. Allerdings werde man den Markt weiter beobachten und "rechtzeitig und adäquat reagieren", wenn es Hinweise auf eine Verknappung gebe. Ähnlich auch Generalsekretär Abdullah al-Badri. Er erklärte, er sei zwar "nicht besorgt über die Öllagerbestände und die Ölproduktion". Sorge bereite der OPEC aber "der Zustand der Finanzmärkte".
Im Vorfeld waren die Ölmarktexperten davon ausgegangen, dass die OPEC ihre derzeitige Ölförderung beibehalten würden. Iran, Irak, Venezuela, Algerien und Libyen haben sich gegen eine Erhöhung der Rohölproduktion gewandt. Sie sind der Ansicht, dass ausreichend Öl am Markt ist und fürchten, dass der Ölpreis einbrechen könnte, wenn das weltweite Wirtschaftswachstum nachlässt und dadurch die Nachfrage nach Öl sinken sollte. Algeriens Energieminister Chakib Khelil plädierte für eine Verschiebung der Entscheidung auf November oder Dezember. Es sei zu früh, um sagen zu können, in welche Richtung sich der Ölbedarf entwickle.
"Müssen Verantwortung als Produzenten wahrnehmen"
Die Saudis dagegen rechnen mit einem steigenden Rohölbedarf im Herbst. Unterstützung für eine Erhöhung der Ölförderung bekamen sie von den Golfstaaten VAE, Katar und Kuwait. Sie sollen auf eine leichte Erhöhung um eine halbe Million Fass pro Tag drängen. Der kuwaitische Ölminister Mohammad al-Olaim sagte: "Wir müssen unsere Verantwortung als Produzenten wahrnehmen. Was wir gesehen haben, ist eine leichte Anspannung am Markt. Ich glaube, die OPEC-Delegierten werden diese Informationen berücksichtigen und wir werden am Ende etwas Positives sehen", so Al-Olaim.
Unklar ist, ob die Erhöhung auf die tatsächliche Ölförderung wirken soll oder nur zum Teil jene Mengen formalisieren würde, die die OPEC-Staaten derzeit über den Limits produzieren. Die Ölförderung jener zehn von zwölf OPEC-Staaten, für die die Quote gilt, liegt derzeit knapp eine Million über den vereinbarten Grenzen von 25,8 Mio. Fass. In jedem Fall könnte dieser Schritt dazu beitragen, den Markt zu beruhigen und sich von den aktuellen Rekordpreisen für Öl zu verabschieden, heißt es. Eine Entscheidung wird in den nächsten Stunden erwartet.
Die internationalen Ölpreise haben unterdessen am Montagabend erneut an ihrer Rekordmarke gekratzt. In New York hat US-Leichtöl im Verlauf beinahe den historischen Höchststand von 78,77 Dollar Anfang August geknackt. Kurz vor Handelsschluss wurde das Fass am Montag um 78,49 Dollar gehandelt. Am Dienstag ging es dann mit den Ölpreisen auf und ab: Gegen 14 Uhr notierte ein Fass US-Leichtöl bei 77,53 Dollar, in London stieg die Nordseesorte Brent um 3 Cent auf 75,51 Dollar je Fass.
Zu der Unsicherheit über den weiteren OPEC-Kurs kamen auch noch mehrere Anschläge auf Erdöl- und -gasleitungen in Mexiko, dem fünftgrößten Ölproduzenten der Welt und die Sorgen über weitere Hurrikans in den USA. Wirbelstürme hatten in den vergangenen Jahren schon öfter die Förderung von Öl beeinträchtigt. Sollte die OPEC ihre Förderung nicht erhöhen, könnte das die Ölpreise über 80 Dollar schicken, warnten Analysten am Dienstag. Bei einem kalten Winter könnte der Ölpreis sonst leicht auf 85 Dollar für ein Barrel (159 Liter) steigen, sagte DIW-Expertin Claudia Kemfert am Dienstag in Berlin.
Druck auf die OPEC kam zuletzt vor allem aus den USA, die nach der Krise um Hypothekarkredite (Subprimes) in den hohen Ölpreisen eine zusätzliche Belastung für das Wirtschaftswachstum befürchten. US-Energieminister Sam Bodman hat am Montagabend in Florida die OPEC noch einmal aufgefordert, den Ölhahn aufzudrehen. Auch der Direktor der Internationalen Energieagentur IEA, Nobuo Tanaka, hat am Vortag erklärt, dass die Ölreserven bereits knapp seien und die weltweite Öl-Nachfrage bis zum Ende des Jahres weiter steigen werde. Die OPEC förderte im August rund 30,3 Mio. Fass Öl pro Tag. Der weltweite Ölverbrauch liegt derzeit bei rund 86 Mio. Fass pro Tag. Die IEA erwartet einen Bedarf von 88,1 Mio. Fass pro Tag. Die OPEC geht von 87,1 Millionen Fass aus.
(apa/red)

