Jetzt gibt es Pfiffe und "Hicke raus"-Chöre:
Neun Monate vor EM ist Stimmung im Keller
- Teamchef nimmt Rücktritts-Forderungen gelassen
- Hicke: "So etwas tut weh, aber es gehört zum Job"

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Knapp neun Monate vor dem ersten Auftritt bei der Heim-Europameisterschaft ist die Stimmung im und rund um das österreichische Fußball-Nationalteam im Keller. Teamchef Josef Hickersberger und seine Spieler rätselten am Dienstag im Wiener Happel-Stadion unmittelbar nach dem Schlusspfiff über die Gründe für das 0:2 gegen Chile, von den Rängen waren zuvor gellende Pfiffe und sogar "Hicke raus"-Rufe ertönt.
Der Coach nahm die Rücktritts-Aufforderung einiger Zuschauer nach außen hin relativ gelassen zu Kenntnis. "So etwas tut weh, aber es gehört zum Job", erklärte der 59-Jährige, dessen Mannschaft das "Turnier der Kontinente" nach der Niederlage gegen die Südamerikaner an vierter und letzter Stelle hinter Sieger Japan (4:3 in Klagenfurt gegen die Schweiz), Chile und den Eidgenossen beendete.
Dass die ÖFB-Auswahl nun in sämtlichen acht Länderspielen in diesem Jahr sieglos ist, stellte der Niederösterreicher in Abrede. Er wertete das 4:3 im Elferschießen nach einem 0:0 nach 90 Minuten gegen Japan vor vier Tagen in Klagenfurt als Erfolg. "Ich bin der Meinung, dass wir einen Sieg haben, das sind Fakten. Italien ist auch im Elferschießen Weltmeister geworden", betonte Hickersberger.
An seiner Enttäuschung über die Leistungen in den jüngsten beiden Partien änderte auch ein vermeintlicher Sieg gegen die Asiaten nichts. "Mein Gesundheitszustand leidet, doch ich möchte weiterleben." Er verwies aber auch darauf, dass seine Truppe in den jüngsten elf Partien zehn Gegentore und damit genau so viel wie in den ersten vier Spielen seiner zweiten Amtszeit kassierte. Außerdem hob der Teamchef neben den Fortschritten in der Defensive die ersten 15 bis 20 Minuten positiv hervor, als seine Mannschaft deutlich mehr Gefährlichkeit als in der gesamten Partie gegen Japan ausstrahlte.
Spieler sind ratlos
Warum danach aber wieder ein eklatanter Einbruch folgte, war sowohl "Hicke" als auch seinen Kickern ein Rätsel. So meinte etwa Roland Linz. "Die ersten 20 Minuten waren okay, dann sind wir zurückgefallen. So kann es nicht weitergehen, ich bin momentan ziemlich ratlos", sagt der Portugal-Legionär und sprach von einer "katastrophalen Leistung", zu der er freilich selbst seinen Beitrag leistete. "Als Stürmer ist es nicht einfach, wenn man wenig Bälle bekommt. Das soll aber keine Ausrede sein", so der Steirer.
Auch Joachim Standfest betrieb ergebnislose Ursachenforschung. "Wir haben gut begonnen. Für das, was dann passiert ist, habe ich keine Erklärung. Ich habe keine Ahnung, was los ist." Das Team müsse sich in den kommenden Partien auf "einfachen Fußball" beschränken. "Jeder soll nur das machen, was er kann", forderte der Austrianer.
Rene Aufhauser ortete bei einigen Teamspielern mentale Probleme. "Vielleicht sind viele im Kopf so mit ihren defensiven Aufgaben beschäftigt, dass ihnen die Freiheit für die Offensive fehlt", vermutete der Mittelfeldspieler.
Für Martin Hiden, der wegen des Ausfalls von Andreas Ivanschitz und Martin Stranzl in beiden Turnier-Spielen als Kapitän fungierte, liegt der Hund in der fehlenden Ballsicherheit begraben. "Wir müssen den Ball mehr nachlaufen, als ihn in den eigenen Reihen halten zu können. Wenn wir ihn einmal haben, ist er nach zwei, drei Pässen schon wieder weg", kritisierte der Rapidler.










