Eine Demütigung, die geschichtsträchtig ist:
Höchste Heimniederlage für Rapid seit 1993
- Sturm errang mit 5:1 ersten Auswärtssieg der Saison
- Goalie Helge Payer: "Waren von Anfang an zu lasch"

·1:5: Rapid daheim von Sturm gedemütigt
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Für Österreichs Fußball-Rekordmeister hat es mit dem 1:5 (0:3) gegen Sturm Graz eine Heimniederlage in historischen Dimensionen gesetzt. Bisher war es nur dem Wiener Erzrivalen Austria gelungen, im Hanappi-Stadion fünf Tore zu erzielen - zuletzt am 17. April 1993 beim 5:1. Und auch am 16. November 1985 hatten die Grün-Weißen gegen die Violetten in Hütteldorf ein 1:5-Debakel erlitten.
"Wir waren von Anfang an zu lasch. Und wenn man zu lasch ist, dann ist Sturm zu stark", lautete der treffende Kommentar von Rapid-Tormann Helge Payer, der mit einigen Glanzparaden noch Schlimmeres verhinderte. Sturm, bereits 1:0-Sieger gegen die Hütteldorfer am 2. September, hat Rapid damit binnen zwei Wochen vom Tabellenführer zum Mittelständler - das 1:5 bedeutete den Rückfall von Platz zwei auf sechs - degradiert.
Mario Haas hatte mit seinem Blitztor nach 15 Sekunden den Anfang vom Ende von Rapids eindrucksvoller Heimserie eingeleitet. Seit 20. August 2006 (1:4 gegen den GAK) war die Elf von Peter Pacult 22 Spiele en suite (19 Bundesliga, 2 UI-Cup, 1 UEFA-Cup-Qualifikation - 14 Siege, 8 Remis/51:18 Tore) vor eigenem Publikum ungeschlagen geblieben.
"Diese Niederlage ist sehr bitter, wir hatten uns viel vorgenommen. Wenn man sich das erste Gegentor anschaut, weiß man, dass das keine Meisterleistung von Sturm, sondern ein Fehler von uns war. Jetzt haben wir bis Donnerstag viel Arbeit", meinte Rapid-Kapitän Steffen Hofmann zur verpatzten UEFA-Cup-Generalprobe vor dem Auswärtsmatch gegen Belgiens Rekordmeister RSC Anderlecht.
Pacult, der erstmals als Rapid-Coach das Hanappi-Stadion als Verlierer verlassen musste, richtete seine ersten Worte nach dem Match an den grün-weißen Anhang. "Ich will mich bei den Fans für diese Leistung entschuldigen. Wir haben dem Gegner in zehn Sekunden alles in die Hände gespielt. Es ist bitter, wenn du im eigenen Stadion ausgekontert wirst", erklärte der Trainer, der auch schon als Rapid-Spieler (1985) ein 1:5 im Hanappi hatte miterleben müssen.
Im Hinblick auf das schwere UEFA-Cup-Hinspiel in Brüssel waren Pacults Qualitäten als "Psychologe" gefragt. "Wir müssen das Spiel jetzt so schnell wie möglich abhaken. Scheinbar kann der eine oder andere Spieler nicht mit dem Druck umgehen. Es ist bitter, wenn Spieler Chancen bekommen und sie dann nicht nützen", lautete die erste Analyse des Trainers, der aber keine Namen nennen wollte. "Bei 1:5 kann man keine einzelnen Spieler kritisieren, da war die ganze Mannschaft schlecht."
Und möglicherweise war das Heimdebakel eine Art Weckruf. "Vielleicht ist diese Niederlage auch ein Zeichen, dass wir in Europa nicht alles schlagen, so wie einige meinen. Jede Niederlage tut weh, auswärts genauso, aber diese tut besonders weh", betonte Pacult, der nun vor allem hofft, dass Mittelfeld-"Staubsauger" Markus Heikkinen bis zum Anderlecht-Match wieder fit wird.
Während Rapid seine Wunden leckte, durfte Sturm Graz den ersten Auswärtssieg der Saison voll auskosten. "Das schnelle Tor war sehr wichtig, denn im Hanappi-Stadion ist es immer schwierig zu spielen. Diesmal hat alles gepasst. Wir waren taktisch gut eingestellt und haben kompakt und ohne viel Firlefanz gespielt", erläuterte Sturm-Torjäger Haas.
Gefragt nach dem Erfolgsgeheimnis der Grazer antwortete der Routinier, der seinen 33. Geburtstag feierte: "Wir sind eine Mannschaft, die auch abseits des Platzes viel miteinander unternimmt. Die neuen Spieler haben sich gut eingefunden und die jungen haben jetzt mehr Erfahrung."
Doppel-Torschütze Klaus Salmutter warnte aber ebenso wie sein Coach Franco Foda vor zu großer Euphorie nach dem Kantersieg in Wien. "Wir werden unsere Ziele sicher nicht nach oben revidieren", sagte der ÖFB-Teamspieler, während Foda wusste: "Heute ist ein schöner Tag, denn man gewinnt nicht jeden Tag - noch dazu in dieser Höhe - in Wien, aber es werden wieder andere kommen."
Mit den sechs Punkten aus den beiden Rapid-Spielen verbesserten sich die "Blackies" auf Platz vier, der für den Sturm-Coach aber nur eine Momentaufnahme ist. "Wir leben von Runde zu Runde, unser Kader ist klein, wir müssen schauen, dass wir nicht so viele Verletzte haben. Heute waren ein 17-Jähriger und drei 18-Jährige auf der Bank, und wir werden diesen Weg mit den Jungen weitergehen. In dieser Saison werden wir unter den ersten Drei oder Vier nichts zu suchen haben", lautet die Meisterschafts-Prognose von Foda. "Aber wir werden versuchen, in den nächsten Jahren oben anzuklopfen." (apa/red)
