Donnerstag, 13. September 2007

Ferrari will McLaren Spionage nachweisen:
Im schlimmsten Fall droht WM-Ausschluss

  • Angeblich sollen 166 Seiten neuer Beweise vorliegen
  • Für Dennis "schwere, emotionale Achterbahn-Fahrt"

Ein Meeting des Automobil-Weltverbandes FIA hat die Vorbereitungen auf den Grand Prix von Belgien aus den Schlagzeilen verdrängt. Die Formel-1-Welt blickt heute wie gebannt nach Paris. Dort muss der Weltrat der FIA nach einer zweiten Anhörung ein Urteil in der Spionage-Affäre um die beiden Topteams McLaren-Mercedes und Ferrari sprechen, das die "Königsklasse" in ihren Grundfesten erschüttern könnte.

Bei der ersten Anhörung am 26. Juli war McLaren aus Mangel an Beweisen mit einer Verwarnung davongekommen. Der ehemalige Ferrari-Chefmechaniker Nigel Stepney hatte dem ebenfalls entlassenen McLaren-Chefdesigner Mike Coughlan geheime Ferrari-Daten zugespielt. McLaren will sich durch diese Daten keinen Vorteil verschafft haben. Falls dem Team das Gegenteil nachgewiesen wird, hat FIA-Präsident Max Mosley sogar mit einem WM-Ausschluss für 2007 und 2008 gedroht.

Die Fahrer-WM würde das nicht betreffen, sondern die mit viel TV-Geld verbundene WM der Konstrukteure, in der McLaren im Moment 23 Punkte vor Ferrari führt. Der Leader könnte sogar noch 15 weitere Punkte dazubekommen, sollte die Berufungsverhandlung gegen den Punkteabzug wegen der Boxen-Blockade von Budapest - Weltmeister Fernando Alonso hatte WM-Leader Lewis Hamilton im Qualifying behindert - am 19. September erfolgreich verlaufen.

Viel wichtiger erscheint vorerst aber der Donnerstag, wenn das höchste Gremium ab 9:30 Uhr am Sitz der FIA am Place de la Concorde in Paris zusammentritt. Neue Beweise sollen vorliegen, angeblich 166 Seiten. Eine Schlüsselrolle könnte dabei ausgerechnet Alonso gespielt haben. Der Spanier hatte dem Weltverband in der Vorwoche auf Anfrage angeblich kompromittierende E-Mails mit Ferrari-Informationen zur Verfügung gestellt. Mosley hatte den Piloten im Falle umfangreicher Kooperation Straffreiheit in Aussicht gestellt.

McLaren ist sich keiner Schuld bewusst
Das Team selbst, gegen das mittlerweile auch die italienische Staatsanwaltschaft ermittelt, ist sich nach wie vor keiner Schuld bewusst. "Wir können da mit Fug und Recht behaupten, nicht irgendetwas gemacht zu haben, was nicht erlaubt ist. Wir haben nichts kopiert, sondern ein Auto gebaut mit unseren Ideen", betonte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. Dennoch war gerade Teamchef Ron Dennis in Monza die Anspannung ins Gesicht geschrieben, als er sich nach dem Doppelsieg Tränen aus dem Gesicht wischte.

"Das war eine schwere, emotionale Achterbahn-Fahrt", erklärte der 60-jährige Engländer, der seit den frühen 80er Jahren als McLaren-Boss fungiert und dessen Lebenswerk nun auf dem Spiel stehen könnte. Das Strafmaß reicht von einem neuerlichen, aber unerwarteten Freispruch bis hin zu einem totalen WM-Ausschluss. Dazwischen liegen Varianten mit Punkteabzügen und empfindlichen Geldstrafen von bis zu zehn Millionen Euro - in dieser Höhe ebenfalls beispiellos. Auch Minuspunkte für die kommende Saison scheinen möglich.

Während die Ferrari-Führung um Präsident Luca di Montezemolo ("Auch eine WM am grünen Tisch wäre ein verdienter Sieg") und Teamchef Jean Todt ("Dieses Mal können wir alles beweisen") lückenlose Aufklärung fordert, denkt Alonso primär an die Fahrer-WM. "Für mich ist es wichtig, Weltmeister zu werden. Die Konstrukteurs-WM ist aus Sicht des Fahrers nicht wirklich ein großer Faktor", erklärte der Titelverteidiger, der sich am Sonntag in Monza seinen vierten Saisonsieg geholt hatte. Damit fehlen Alonso vor dem Belgien-GP am Sonntag in Spa nur noch drei Punkte auf Hamilton.
(apa/red)

13.9.2007 10:49
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