Das Rennen um Olympia 2016 ist eröffnet:
Chicago und Tokio favorisierte Kandidaten
- Rogge hat wieder mal "ausgezeichnete Bewerber"
- Rio de Janeiro sieht leichte Außenseiterchancen

·China im Wandel: Die Spiele sollen es zeigen
Olympia 2008: Ein Land will es der Welt beweisen
Chicago gegen Tokio - dahinter die Außenseiter Rio de Janeiro und Madrid sowie Europas zweiter Kandidat Prag und der arabische Neuling Doha. So sieht eine erste Rangordnung der Kandidaten für die Olympischen Spiele 2016 aus, bevor die Bewerbungsfrist des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) abläuft. Last-Minute-Bewerber sind nicht zu erwarten.
Für Chicago als Olympia-Stadt nach den Spielen 2012 in London spricht die geballte Kraft, mit der die Wirtschaftsmetropole am Michigan-See in die Bewerbungsschlacht gezogen ist. Dank ihres Kompakt-Konzepts an der Wasserfront hat sie in der nationalen Ausscheidung Los Angeles und San Francisco besiegt und in Peter Ueberroth, Präsident des US-NOK, Billy Payne und dem republikanischen Präsidentschaftsbewerber Mitt Romney drei Olympia-erprobte Paten gewonnen.
Ueberroth hat als Macher der Olympischen Spiele von Los Angeles 1984 das bisher einmalige Kunststück fertig gebracht, einen Überschuss von 230 Millionen Dollar zu erwirtschaften. Payne organisierte 1996 in Atlanta die bisher letzten Sommerspiele in den USA, ihnen haftet der Makel völliger Überkommerzialisierung an. Romney schaffte es, an der Spitze der Organisation in Nachfolge eines korrupten Bewerbungskomitees erfolgreiche Winterspiele 2002 in Salt Lake City zu veranstalten.
Ob die Bewerbung erfolgreich sein wird, muss sich erweisen, denn Chicago hat im IOC gegen einen antiamerikanischen Trend anzukämpfen. New Yorks Bewerbung um die Spiele 2012 wurde vor zwei Jahren geradezu abgeschmettert, es reichte nur zu einem Platz hinter London, Paris und Madrid. "Wir gehören unglücklicherweise zu den Ländern, die im IOC das geringste Ansehen haben", klagte ein US-amerikanisches IOC-Mitglied.
Rio hat Außenseiterchancen
Einen Bonus kann hingegen Rio de Janeiro erwarten, denn noch nie wurden Olympische Spiele in Südamerika ausgetragen. Allerdings waren die im Juli veranstalteten Panamerikanischen Spiele keine Empfehlung. Teile des Baseballstadions wurden vom Wind verweht. Das Softball-Turnier konnte nicht beendet werden, weil das Spielfeld nach zwei Regentagen eher einem Schwimmbad glich. Es gab Chaos auf dem Flughafen und im Pressezentrum. Dort fiel immer wieder der Strom aus. Zudem wird Brasilien 2014 die Fußball-WM ausrichten. Das scheint Belastung genug zu sein.
Bei Anwesenheit dutzender IOC-Mitglieder wurde Rio auch zum Schauplatz erster Rempeleien unter den Bewerbern. Ein Mitglied des US-Teams wurde dabei ertappt, wie er in seinem Frust über viele Pannen im Medienzentrum an die Wand schrieb: "Willkommen im Kongo." Dem brasilianischen Protest folgte eine amerikanische Entschuldigung. Bei einer offiziellen Begrüßung der Mitbewerber im Rathaus "vergaß" Rios Bürgermeister Cesar Maia, den Namen seines Chicagoer Amtskollegen Richard Daley zu erwähnen.
Die spanische Metropole Madrid darf sich wohl keine realistische Chance ausrechnen, nach London 2012 erneut die Spiele nach Europa zu holen. Madrids Projekt ist wie das von Prag und Doha auf 2020 oder später gerichtet. Bleibt Tokio, das bereits 1964 die Spiele veranstaltete und nun in Chicago den großen Rivalen sieht. "Vielleicht haben die Amerikaner eine gute Bewerbung, doch wir werden einen japanischen Weg finden, um erfolgreich zu sein", sagte Bewerbungschef Ichiro Kono."
(apa/red)
