Powell wie vom anderen Stern: Sprinter Unger findet das 'bisschen übermenschlich'
- 'Power-Powell' überzeugt: "Ich kann es sogar in 9,68"
- Jamaikaner lief 100m in 9,74 Sek. bei Meeting in Rieti

·Neuer Weltrekord von Powell über 100 m
Jamaikaner lief 9,74 Sek.
bei LA-Meeting in Rieti
Jamaikas Supersprinter Asafa Powell hat es im Leichtathletik-Grand-Prix-Meeting in Rieti bereits im Vorlauf ordentlich "krachen" lassen: Der 24-Jährige raste in 9,74 Sekunden über die Bahn und blieb damit 3/100 unter seiner eigenen 100-m-Weltrekordzeit von 9,77, die er erstmals am 14. Juni 2005 in Athen gelaufen war.
Mit einem Sprint wie vom anderen Stern ist Asafa Powell zwar seinem WM-Albtraum davongerannt, den Kritikern der teilweise dopingverseuchten Sprintszene jedoch direkt in die Arme gelaufen. Jedenfalls staunt die Leichtathletik nicht nur über die 9,74 Sekunden, sondern auch über die Art und Weise, wie der Jamaikaner am Sonntagabend in Rieti seinen eigenen 100-Meter-Weltrekord gebrochen hat. "Ich bin diese Zeit wert, ich weiß das", beteuerte Powell und kündigte nach seinem Coup an: "Das bedeutet, dass ich es sogar in 9,68 kann."
Als der 24-Jährige im Stadion Raul Guidobaldi bei 1,7 m/Sek. Rückenwind seinen Turbo einschaltete, wirkte es, als ob seine Kontrahenten Michael Frater (Jamaika/10,03) und Jaysuma Saidy Ndure (Norwegen/10,10) auf der Stelle traten. "Der Lauf hat sich noch recht entspannt angefühlt. Meine Absicht war es, mich auf das Finale einzustimmen", sagte der WM-Dritte von Osaka nach seiner Ehrenrunde. Ein Weltrekord, aufgestellt im Vorlauf, gehört schon zu den Seltenheiten in der olympischen Kernsportart. Dass ein Sprinter innerhalb von zwei Stunden zweimal unter 9,80 Sekunden bleibt, ist ein Novum. Im Finale glänzte Powell, der am 14. Juni 2005 in Athen die 100 Meter erstmals in 9,77 Sekunden lief, nochmals in 9,78.
Verblüffte Gegner
Auch der deutsche WM-Staffel-Teilnehmer Tobias Unger war verblüfft, als er im Fernsehen Powells Rennen sah: "Das ist schon merkwürdig. Alle anderen sind nach dieser WM müde und kaputt, wie mir auch Tyson Gay und Wallace Spearmon in Zürich bestätigt haben. Und Powell läuft so einen Weltrekord - im Vorlauf und bei einem Meeting, wo es um nichts geht. Wenn er bei der WM zuvor 9,80 gerannt wäre, dann hätte man es noch irgendwie nachvollziehen können." Er findet das alles "ein bisschen übermenschlich". Andererseits hat der niederländische Mathematik-Professor John Einmahl von der Universität Tilburg in einer Extremwert-Studie berechnet, dass der Weltrekord über 100 Meter noch auf 9,29 Sekunden verbessert werden kann.
Zwei Wochen zuvor in Osaka war Pastorensohn Powell nach seinem dritten Platz über 100 Meter wie ein geprügelter Hund aus dem Stadion geschlichen, nun triumphierte er: "Ich habe eine Menge Fehler gemacht und sie dann korrigiert. Jetzt habe ich der Welt bewiesen, dass Asafa Powell zurück ist. Heute bin ich gerannt, wie ich es in Osaka hätte tun sollen." Dort sei er einfach "zu angespannt" gewesen.
Zu einer WM-Revanche mit Goldmedaillengewinner Tyson Gay (USA) wird es wohl auch beim Golden-League-Meeting in Brüssel nicht kommen. Zwar sind beide Stars verpflichtet worden, Meeting-Chef Wilfried Meert weiß allerdings noch nicht, "ob sie auch im gleichen Rennen stehen". Powells Manager Paul Doyle sagte zum Thema Gay: "Ich glaube nicht, dass er groß motiviert ist, gegen Asafa anzutreten - vor allem jetzt."
(apa/red)
