Kindersterblichkeit erreicht Tiefststand:
Volle Prävention aber dennoch nicht erreicht
- UNICEF: "Heute überleben mehr Kinder als je zuvor"
Die Kindersterblichkeit ist nach Angaben der UNICEF so niedrig wie nie zuvor. Im Jahr 2005 wurden weltweit 9,7 Mio. Todesfälle bei Kindern gezählt, teilte das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen am Donnerstag mit. 1990 starben hingegen noch fast 13 Mio. Buben und Mädchen. "Heute überleben mehr Kinder als jemals zuvor", so UNICEF-Chefin Veneman.
In Marokko, Vietnam und der Dominikanischen Republik sei die Kindersterblichkeit um mehr als ein Drittel zurückgegangen, heißt es in dem UNICEF-Bericht. In Afrika hätten Impfungen die Todesfälle infolge Masern-Erkrankungen um 75 Prozent reduziert. Die Daten beruhen auf Erhebungen in mehr als 50 Ländern. Bis 2015 will die UNO die Kindersterblichkeit um zwei Drittel reduzieren. Dafür wären schätzungsweise weitere fünf Mrd. Dollar nötig.
Keine vorschnelle Schönfärberei?
Kritiker relativieren jedoch die Zahlen. Angesichts aller Möglichkeiten, die im Kampf gegen die Kindersterblichkeit zur Verfügung stünden, gebe es keine größeren Fortschritte als noch vor drei Jahrzehnten, meinte der Mediziner Christopher Murray von der University of Washington. Viele Informationsquellen seien entweder veraltet oder tauchten in den UNO-Datenbanken nicht auf.
Weiter Rückgang prophezeit
Murray rechnet mit einem Rückgang der Kindersterblichkeit um 27 Prozent bis zum Jahr 2015. Das entspricht einem jährlichen Minus von 1,3 Prozent - deutlich weniger als der weltweite Rückgang von 2,2 Prozent zwischen 1970 und 1985. Kindersterblichkeit werde daher viel langsamer reduziert. Ähnlich äußerte sich die Weltgesundheitsorganisation.
Dabei kann das Leben von Millionen von Kindern durch einfache Maßnahmen gerettet werden: Im indischen Unionsstaat Uttar Pradesh beispielsweise starben deutlich weniger Neugeborene, nachdem den Müttern beigebracht wurde, wie sie sich um ihre Kinder kümmern mussten. (apa/red)
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