Dienstag, 11. September 2007

Islamischer Fastenmonat Ramadan beginnt:
Mehr als eine Milliarde Muslime auf der Welt

  • Fasten ist einer der fünf Grundpfeiler des Islam
  • Irak entlässt jeden Tag 50 Häftlinge aus Gefängnissen

Für mehr als eine Milliarde Muslime in aller Welt beginnt um den 13. September der Fastenmonat Ramadan. Der offizielle Beginn des neunten islamischen Monats hängt von der Sichtung der Mondsichel ab. Ein Mondmonat lang haben die Gläubigen tagsüber abstinent zu sein; neben dem Essen und Trinken betrifft diese religiöse Pflicht auch das Rauchen und den Geschlechtsverkehr. Nach Sonnenuntergang wird oft in Verbindung mit religiösen Übungen mit der Familie gespeist und gefeiert.

Am Mittwoch, dem 12. September, kann die junge Mondsichel erstmals in Australien, Indonesien, Jemen, Afrika südlich der Sahara, sowie Nord- und Südamerika aus beobachtet werden, sofern das Wetter es zulässt. Arabien, Nordafrika und Europa folgen tags darauf.

Hinter dem Fasten steht laut Carla Amina Baghajati, Medienreferentin der islamischen Gemeinde Wien, der "soziale Gedanke, am eigenen Leib zu spüren, wie es großen Teilen der Bevölkerung geht". Sie bezeichnet das Ritual als "Motor für den Rest des Jahres", man würde sich in Geduld üben und sich Tugend bewusst machen. Die Gläubigen treffen sich und "fasten und feiern gemeinsam", eine "besondere Spiritualität und Klarheit" stelle sich ein. Am Ende des Ramadan wird eine Abgabe an Bedürftige geleistet, sie hängt vom "jeweiligen Lebensstandard der Länder" ab.

Für den gläubigen Moslem ist das Fasten im Ramadan einer der fünf Grundpfeiler des Islam ("Hingabe an Gott"). Die anderen vier sind das Glaubensbekenntnis, fünf tägliche Gebete, die Armensteuer und die Pilgerfahrt nach Mekka. Für Frauen ist das Fasten während der Menstruation und im Wochenbett verboten. Sie sollten ebenso wie Kranke und Reisende das Fasten zu einem späteren Zeitpunkt nachholen. Kinder sind überhaupt ausgenommen.

Ramadan endet mit dreitägigem Fest
Die letzten zehn Nächte des Fastenmonats gelten als besonders heilig. Nach islamischer Überlieferung hat Allah um 610 in einer Nacht im Ramadan seinem Propheten Mohammed das erste Mal den Koran durch den Erzengel Gabriel offenbart. In Erinnerung daran heißt diese "Nacht der Bestimmung" oder "Nacht der Allmacht" (Leilat al-Qadr), nach der auch die 97. Sure (Kapitel) des Koran benannt ist.

Geht der Ramadan zu Ende, feiern gläubige Muslime drei Tage lang das sogenannte Fastenbrechen. An diesem Tag beschenken sich Verwandte und Freunde mit Süßigkeiten, weshalb das zweitwichtigste Fest nach dem islamischen Opferfest auf deutsch den Namen "Zucker(l)fest" trägt. Auf arabisch heißt es "Eid al-Fitr" (bzw. Id al-Fitr), auf türkisch und bosnisch "Seker Bayrami".

Kriegführen erlaubt
Der Ramadan gehört nicht zu den vier Monaten des Islam, in denen der Krieg verboten ist. So griff 1973 Ägypten Israel mitten im Fastenmonat an. Im Krieg zwischen dem Irak und dem Iran bot Bagdad im Jahr 1981 dem Gegner an, während des Ramadan die Waffen schweigen zu lassen. Die Regierung in Teheran aber wertete dies als Hinterhalt und die Kämpfe gingen mit unverminderter Härte weiter.

2007 sollen im Irak aus Anlass des Fastenmonats jeden Tag fünfzig Häftlinge aus US-Gefängnissen entlassen werden, wie der sunnitische Vize-Präsident des Irak, Tarik al-Hashimi, ankündigte. In Israel hingegen will man in Haft befindliche palästinensische Fatah-Anhänger nicht begnadigen. Dort feiern jüdische Gläubige am 12. September ihren Neujahrstag "Rosh Hashana" (Haupt des Jahres).
(apa/red)

11.9.2007 12:02