Montag, 10. September 2007

Gekommen, um zu bleiben: US-General empfiehlt Irak-Abzug erst im Sommer 2008

  • Demokraten im Kongress fordern sofortigen Beginn
  • Sieben US-Soldaten im Irak bei Unfall getötet

Der US-Oberkommandierende im Irak, General David Petraeus, hat den Beginn des Abzugs amerikanischer Soldaten erst für Sommer kommenden Jahres vorgeschlagen. Während der mit Spannung erwarteten Anhörung im US-Kongress bezeichnete Petraeus in Washington die derzeitige Militärstrategie im Irak als erfolgreich. Zuvor hatten führende Mitglieder der oppositionellen Demokraten einen sofortigen Beginn des Truppenabzugs gefordert und scharfe Kritik an der Führung in Bagdad geäußert.

Nach Angaben von Petraeus ist die Gewalt im Irak in den vergangenen Monaten erheblich zurückgegangen. Das auffälligste Merkmal der vergangenen sechs Monate sei, dass immer mehr Stammesführer gemeinsam mit den US-Truppen gegen Mitglieder des Terrornetzwerkes Al-Kaida vorgingen.

US-Präsident George W. Bush hatte zum Jahresbeginn angeordnet, die Zahl der Truppen von damals rund 130.000 auf nun 168.000 Soldaten aufzustocken. In seiner Lagebeurteilung bezeichnete Petraeus die Strategie des US-Präsidenten als militärischen Erfolg. "Die militärischen Ziele der Truppenaufstockung wurden im großen und ganzen erfüllt", sagte er. Zugleich räumte der General ein, dass die Einsatz der US-Armee im Irak weiterhin "kompliziert, schwierig und manchmal auch frustrierend" sei.

Kriegsgegner wurden aus Kongress-Saal geworfen
Petraeus muss während der Anhörung im US-Abgeordnetenhaus Rechenschaft über die Fortschritte im Irak-Krieg ablegen. Der General wies darauf hin, dass seine Aussage weder vom Weißen Haus noch vom Pentagon zensiert worden sei. Nach Anti-Kriegs-Protesten wurden mindestens drei Zuhörer aus dem Saal, in dem die Anhörung stattfand, herausgeführt.

Hochrangige Vertreter der Demokratischen Partei äußerten zum Auftakt der Anhörung scharfe Kritik. Der Irak-Krieg binde so viele Soldaten, dass die USA nicht mehr angemessen auf andere Konflikte reagieren könnten, sagte der Vorsitzende des Streitkräfteausschusses im US-Repräsentantenhaus, Ike Skelton. Als Beispiel nannte der Demokrat die Suche nach Al-Kaida-Chef Osama bin Laden, der für die September-Anschläge in den USA verantwortlich gemacht wird.

Der Vorsitzende des Außenpolitischen Ausschusses des Repräsentantenhauses, der Demokrat Tom Lantos, warf US-Präsident George W. Bush vor, den Irak mit seiner kurzsichtigen Politik in ein Fiasko geführt zu haben.

Demokraten gewannen Wahl mit Abzugs-Versprechen
Die Demokraten haben im Herbst vergangenen Jahres die Mehrheit im Kongress vor allem mit dem Versprechen erobert, Bush zu einem Kurswechsel im Irak zu zwingen und einen Truppenabzug durchzusetzen.

Sieben US-Soldaten im Irak bei Unfall getötet
Unterdessen teilten die US-Streitkräfte mit, dass bei einem Unfall mit einem Fahrzeug im Irak am Montag sieben US-Soldaten ums Leben gekommen seien. Im Westen der Hauptstadt Bagdad kamen auch zwei Häftlinge ums Leben. Elf Soldaten erlitten Verletzungen. Die Ursache des Unfalls werde untersucht, hieß es.

(apa/red)

10.9.2007 20:24