Freitag, 14. September 2007

Verstrickt mit internationalem Terrornetz? Weiterer Terror-Verdächtiger in Kanada

  • Akkordierte kanadisch-österreichische Polizeiaktion
  • 'Islamische Jugend Österreich' im Behörden-Visier
    PLUS: Heftige Polit-Debatte über Islam ausgelöst!

Nun ist es auch zu einer Verhaftung in Kanada gekommen. Das hat die APA aus informierten Quellen erfahren. Die Verhaftung eines Islamisten in Ottawa sei das Ergebnis einer akkordierten Aktion zwischen österreichischen und kanadischen Behörden gewesen.

Während der vorangegangenen Amtshandlungen seien die Ermittler in Österreich bei den jetzt festgenommenen Islamisten in Wien auf einen Internet-Link nach Kanada gestoßen. Es habe daraufhin intensiven Kontakt zwischen der österreichischen und der kanadischen Polizei gegeben.

Platter über Festnahmen
Zwischen dem österreichischen Hauptverdächtigen unter den drei Islamisten und der nun in Kanada verhafteten Person habe es "sehr engen und verschlüsselten Internet-Kontakt" gegeben, berichtete Innenminister Günther Platter im ORF. Dies zeige, dass es nicht nur Aktivitäten in Österreich, sondern auch eine internationale Vernetzung zu Al Kaida gegeben habe.

Drohbotschaft
Nach den Festnahmen von drei Personen im Zusammenhang mit einem im März veröffentlichten islamistischen Drohvideo gegen Österreich wurden erste Hintergründe bekannt. Im Mittelpunkt des Interesses steht dabei die "Islamische Jugend Österreich" (IJÖ), deren Vorsitzender unter den drei Festgenommenen ist. Die IJÖ ist in der Vergangenheit immer wieder mit radikalen und demokratiefeindlichen Aussagen aufgefallen. Die Verdächtigen wurden in Untersuchungshaft überführt.

Vorsitzender der "Islamischen Jugend"
Der 22-jährige mutmaßliche Kopf der Terrorverdächtigen dürfte nicht nur als Kopf der IJÖ, sondern auch der Betreiber des Ablegers der Homepage der "Globalen Islamistische Medienfront" für den gesamten deutschsprachigen Raum gewesen sein. Die Plattform der Organisation wurde vor allem dazu genutzt, Propaganda-Videos, Botschaften und Nachrichten von Al-Kaida und ihr nahestehenden Gruppen zu verbreiten. Selbst Terroranschläge hat die Gruppe bisher nicht durchgeführt.

Verstrickung mit internationalen Terrornetzwerk
Inwieweit der 22-Jährige in den internationalen Terrorismus verstrickt ist, dazu wollte - offiziell - niemand Stellung nehmen. Bestätigt ist, dass der Mann im Jahr 2003 in den Irak gefahren ist. Gerüchte, dass er in Camps in Pakistan eine "Ausbildung" bekommen hat oder sonst tatsächlich handfesten Kontakt mit Terroristen hatte, wurden vorerst nicht bestätigt. Der Sprecher des Innenministeriums Rudolf Gollia verneinte allerdings, dass der Festgenommene der "Schläfer-Szene" angehört.

Hausdurchsuchungen bei Verdächtigen
Fakt ist, dass der 22-Jährige via Internet mit Gleichgesinnten in regem Austausch stand und sich auch über den Einsatz von Waffen und Sprengstoff erkundigt hatte. Bei den Hausdurchsuchungen bei den Verdächtigen wurde aber keinerlei Kriegsgerät gefunden. Auch nach dem Auswerten des sichergestellten Computers und der Festplatte hat die Polizei keinen Hinweis gefunden, dass die Gruppe vorgehabt hätte, in Österreich einen Anschlag durchzuführen.

Die beiden weiteren Festgenommenen, die 20-jährige Ehefrau des Hauptverdächtigen und ein 26-Jähriger, dürften ebenfalls der "Islamischen Jugend Österreichs" angehören. Sie sollen aber bisher nicht weiter auffällig gewesen sein.

Reaktionen: Islamische Glaubensgemeinschaft
Die Islamische Glaubensgemeinschaft zeigte sich wenig überrascht, dass diese Gruppe im Mittelpunkt steht. "Mit der IJÖ gab es in der Vergangenheit immer wieder große Probleme", sagte Carla Amina Baghajati, Medienreferentin der Islamischen Glaubensgemeinschaft. Die der extremistischen Splittergruppe zugehörenden Personen würden radikales Gedankengut vertreten, das von den Muslimen durchgehend abgelehnt werde. "In den Moscheen stoßen sie damit auf Widerstand, deshalb treffen sie sich auch alleine und über das Internet", meinte Baghajati.

Schnelle Polizeiaktion
Mit dem Zugriff hatte es die Polizei zuletzt sehr eilig: Der frisch vermählte 22-Jährige wäre gemeinsam mit seiner Ehefrau zu einer Hochzeitsreise in den arabischen Raum aufgebrochen. "Die Tickets waren schon gelöst", sagte Gollia.

(apa/red)

14.9.2007 14:37