Freitag, 14. September 2007

Mitten im Schlachten: Kann die Reform
der Reform den ORF nachhaltig retten?

  • Neue Sendungen abgesetzt, Altbewährtes bald zurück
  • FORMAT über die Quotenkrise am Wiener Küniglberg

Der Stoff, aus dem die Träume für Fernsehmacher sind, besteht aus: einem guten Dutzend Leichen, obskuren Horoskopen und einer Wiener Familie. "Zodiak", der vierteilige Fernsehkrimi, der in den vergangenen zwei Wochen vom ORF ausgestrahlt wurde, war für den öffentlich-rechtlichen Sender ein Quotenbringer der Extraklasse: Beim Finale saßen 928.000 Zuschauer vor dem Fernsehgerät, in der sogenannten werberelevanten Gruppe der 12-bis 49-Jährigen ergab das einen Marktanteil von 35 Prozent. Eine Quote, die in dieser Konstanz sonst gerade einmal "Dancing Stars" erreichen kann.

Quotentechnisch begann der Herbst für den ORF also formidabel, aber ob das reicht? Ein halbes Jahr ist es mittlerweile her, dass ORF-Chef Alexander Wrabetz die angeblich größte ORF-Reform aller Zeiten durchgeboxt hat. Er hat dabei heilige Kühe wie die Durchschaltung der "ZiB" geschlachtet, beliebte Formate wie "Willkommen Österreich" abgesetzt und stattdessen teilweise mutiges experimentelles Fernsehen zugelassen: die Sitcom "Mitten im 8en", die Talkshow "Extrazimmer" oder auch die verstörende Neuauflage von "Willkommen Österreich" in der "Donnerstag Nacht". Der Erfolg gab ihm nicht Recht.

Jedenfalls vor "Zodiak" steckte der ORF in einer Quotenkrise. Gerade einmal 36,7 Prozent Marktanteil hat er im heurigen August noch erreicht - das waren fast drei Punkte unter jenen 39,4 Prozent, die im August 2006 erreicht worden waren. Die Quoten gingen auf beiden Sendern zurück - auch in der für den ORF besonders wichtigen Primetime und am Vorabend. Gerade in diesem Zeitfenster von 18 bis 20.15 Uhr wollte Wrabetz seinen ORF massiv ausbauen. Hier nimmt man schließlich 60 Prozent des Werbegeldes ein.

"Die Werbepreise gehören angesichts der derzeitigen Quoten deutlich abgesenkt", sagt etwa Joachim Feher, als Geschäftsführer der Mediacom Mediaagentur freilich Partei. "Eigentlich war das keine Reform, denn das Ende der, ZiB'-Durchschaltung kann man nun wirklich nicht als Reform bezeichnen", so Elisabeth Ochsner, Chefin der Mediaplanungsagentur Panmedia. Auf ORF 1 muss es in jedem Fall eine Reform der Reform geben." Bloß: In welche Richtung?

Bereits in den nächsten Wochen kommen alte Quotengaranten des ORF zurück auf den Schirm. "Dancing Stars" geht in seine vierte Staffel, dazu wird es ein Musical-"Starmania" geben. Eine Gruppe um Magazin-Chef Johannes Fischer und Info-Chefredakteur Karl Amon bastelt heftig an einer Neuauflage des legendären "Club 2", der ab Mitte Oktober wieder jeden Mittwoch auf Sendung gehen soll. Und dann, so hoffen die ORF-Strategen, wird auch das Wetter wieder mitspielen: Im Herbst, wenn die Tage kürzer werden, sitzen erfahrungsgemäß mehr Menschen vor den Fernsehschirmen.

Die gesamte Story finden Sie im aktuellen FORMAT 37/07!

14.9.2007 17:47