Montag, 10. September 2007

Expertin gegen Fusion AHS-Hauptschule:
Eher eine Fusion Volks- und Hauptschule

  • Aber: "Um Gesamtschule kommt man nicht herum"
  • ÖVP ortet Zwangsverordnung der Gesamtschule

Für die Schulexpertin Christa Koenne wäre eine Zusammenführung der AHS mit der Hauptschule eine "schwere Systemverletzung". "Auf die reagiert, gar nicht ideologisch gesprochen, das System sicher so empfindlich, dass das der falsche Weg wäre", sagte die Leiterin der PISA-Science-Gruppe Österreich. Dennoch komme man "um die Gesamtschule in der einen oder anderen Weise nicht herum".

Koenne spricht sich in der Tageszeitung "Der Standard" für eine Fusion der Hauptschule mit der Volksschule aus. Das "wäre der bessere Schritt, weil die beiden Systeme einander viel näher und verträglicher sind". Die Kinder sollten dann sechs Jahre in eine gemeinsame Schule gehen, in der die Hauptschullehrer mit unterrichten. Anschließend sollten die Schüler weitere drei Jahre gemeinsam "das, was heute die AHS ist", besuchen - bis zum Ende der Schulpflicht - und dort dann von AHS-Lehrern unterrichtet werden. Mit 15 sollten sie sich dann entscheiden, ob sie die AHS-Matura anstreben, in eine BHS gehen oder mit einer Lehre beginnen.

Koenne sieht in diesem Modell eine Antwort auf die Probleme, die es in den Schulen gebe. Denn die Schüler seien verschiedener, als sie es früher gewesen seien. "Aber die Schule geht noch immer vom Dogma der homogenen Lerngruppen aus", kritisierte Koenne.

Für ÖVP widersprechen Schmied-Pläne Koalitionsvertrag
Im "krassen Gegensatz" zum Koalitionsübereinkommen sieht VP-Bildungssprecher Fritz Neugebauer die präsentierten Pläne von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S), die geplanten Modellregionen für die "Neue Mittelschule" im Schulorganisationsgesetz (SchoG) zu verankern. Neugebauer sieht darin eine "Zwangsverordnung der Gesamtschule" und betonte in einer Aussendung, dass es "Schulversuche über die Köpfe der Betroffenen hinweg mit der ÖVP nicht geben wird".

Neugebauer verweist auf das Koalitionsübereinkommen, wo "von einer Stärkung und nicht von einer massiven Beschneidung der Schulpartnerrechte" die Rede sei. Dass Eltern- und Lehrervertreter, wie von Schmied geplant, in den Kollegien der Landesschulräte mitbestimmen können, ist Neugebauer zu wenig. "Aus unserem Verständnis für Schuldemokratie heraus müssen die Schulpartner an den Schulstandorten selbst entscheiden können, ob sie sich an Schulversuchen für die Gesamtschule beteiligen wollen", so Neugebauer.

Die Grünen fordern indessen kleinere Klassen nicht nur in Pflichtschulen. Heuer würden nur 194.000 Schüler von der Senkung der Klassenschülerzahlen profitieren, das seien magere 16 Prozent der rund 1,2 Millionen Schüler in Österreich, meinte der Bildungssprecher der Grünen, Dieter Brosz am Montag in einer Aussendung. "Eine Senkung der Klassenschülerzahlen auch an den höheren Schulen sei dringend erforderlich. Gleichzeitig müssten zusätzliche Ausbildungsplätze vor allem an den berufsbildenden mittleren und höheren Schulen geschaffen werden.
(apa/red)

10.9.2007 12:45