Freitag, 7. September 2007

Lungenerkrankungen auf dem Vormarsch: Viertel der Weltbevölkerung schon betroffen

  • Üppiger Tabakkonsum ist schuld an Lunkenkrankheit!
  • 25 Prozent der Österreicher leiden bereits an COPD

Da werden die Gegner genereller Rauchverbote in der Öffentlichkeit - so auch in Lokalen - jetzt noch schwerer zu argumentieren haben: Eine an zwölf Orten bzw. Regionen der Welt durchgeführte Studie zeigt, dass durch den Tabakkonsum mindestens ein Viertel der Bevölkerung eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) aufweist.

Auch in Österreich mit der Modellregion Salzburg ist das der Fall. Völlig normale Lungenfunktionswerte zeigten dort nur 73,9 Prozent Prozent.

Weltweite Studie
Die Daten der BOLD-Studie mit den Ergebnissen der bisher größten derartigen Untersuchung per Lungenfunktionsprüfung weltweit (9.425 Befunde) wurden am 1. September in der britischen Medizin-Fachzeitschrift "The Lancet" publiziert. Daten gab es aus Guangzhou (China), Adana (Türkei), Salzburg, Kapstadt, Hannover, Krakau, Bergen (Norwegen), Vancouver, Lexington (USA), Manila und Sydney.

Erschreckende Ergebnisse
Untersucht wurden die Probanden per Lungenfunktionstest auf Zeichen einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), die fast ausschließlich die Folge des Rauchens ist. In Österreich führte die Untersuchung der Salzburger Lungenspezialist Michael Studnicka durch. Der Experte erklärte vor einiger Zeit zu den Salzburger Zahlen: "Die Daten sind sicherlich für Österreich repräsentativ. Das überraschende Ergebnis ist, dass die COPD so extrem häufig ist. Man dachte, dass vielleicht fünf bis zehn Prozent der Menschen über 40 betroffen sind. Es sind aber 25 Prozent. Wir wissen aber jetzt auch, dass 75 bis 80 Prozent der Patienten nicht diagnostiziert sind. Jeder Vierte über 40 Jahre hat eine COPD. Das heißt, dass in Österreich mehr als eine Million Menschen betroffen sind." Im Jahr 2020 würden es in Österreich dann bereits 1,3 bis 1,4 Millionen Personen sein.

Schleichende Gefahr
Das Problem liegt darin, dass sich die COPD zumeist schleichend aus der Raucherbronchitis entwickelt. Es kommt zu einem immer schnelleren Abbau der Lungenfunktion, bis auch unter normalen Belastungen Atemnot auftritt. Das Endstadium ist das Lungenemphysem (Lungenblähung) mit Invalidität und entsprechender Mortalität.

Internationale Zahlen
- Gänzlich ohne Einschränkung der Lungenfunktion sind nur 88,6 Prozent der Chinesen (Guangzhou), 73,9 Prozent der Salzburger (73,4 Prozent der Männer und 74,3 Prozent der Frauen), beispielsweise 86,7 Prozent der Deutschen (Hannover) und 80,4 Prozent der Amerikaner (Lexington).

- Auf jeden Fall behandlungsbedürftig mit einer COPD im Stadium II und darüber sind zumindest 10,3 Prozent der Österreicher und elf Prozent der Österreicherinnen.

- Global betrachtet, müssten zum gegenwärtigen Zeitpunkt 10,1 Prozent der Weltbevölkerung (11,8 Prozent der Männer und 8,5 Prozent der Frauen) wegen einer COPD behandelt werden.

- Obwohl in Guangzhou die Erkrankungsraten im Vergleich zu anderen Orten, an denen die Untersuchung durchgeführt wurde, gar nicht exorbitant hoch ist, zeigte eine zweite im "Lancet" publizierte Studie: Rechnet man die Passivrauch-Belastung auf Chinas Gesamtbevölkerung um, kommt es dort pro Jahr zu 1,9 Millionen Todesfällen durch die Exposition der Nichtraucher. (apa/red)

7.9.2007 11:55