Schwangerschaftsdiabetes: Aufnahme von Zuckerbelastungs-Test in Mutter-Kind-Pass
- Durch Früherkennung kindliche Schäden vermeiden
- Test ist einfach & optimal zwischen 24. und 28. Woche

Gefahr für die werdende Mutter - auch auf lange Sicht hinaus - und für das Kind: Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) wird laut österreichischen Fachleuten noch immer nicht oft genug diagnostiziert. "Jede 15. Schwangere ist inzwischen davon betroffen", erklärte die Wiener Expertin Alexandra Kautzky-Willer von der Wiener Universitätsklinik für Innere Medizin III (AKH). Ursache für die Erkrankung ist der durch die Schwangerschaftshormone erhöhte Bedarf an Insulin. Kann dieser in der Bauchspeicheldrüse nicht ausgeglichen werden, entsteht bei der Schwangeren Gestationsdiabetes.
Oft verschwindet der Diabetes wieder ohne weitere Komplikationen. Dies ist jedoch immer seltener der Fall. Das Risiko, nach einem Gestationsdiabetes einen Typ 2 Diabetes zu entwickeln, liegt mittlerweile bereits bei 50 bis 80 Prozent. Dies lässt sich auch anhand von aufeinanderfolgenden Schwangerschaften zeigen, so Alexandra Kautzky-Willer: "Immer öfter wird bei Frauen, die in einer Schwangerschaft einen Gestationsdiabetes hatten, in der darauffolgenden Schwangerschaft ein Typ 2 Diabetes diagnostiziert."
Krankheitsbild: Asymmetrischer Riesenwuchs
Nicht nur für die Mutter, auch für das Kind bedeutet die Erkrankung ein großes Risiko. Der Fötus produziert nämlich als Antwort auf die über die Plazenta übertragenen erhöhten Blutzuckerwerte selbst mehr Insulin. Dies kann zur Entstehung von Fettdepots und zum asymmetrischen Riesenwuchs führen, wodurch Geburtsverletzungen auftreten können. "Weitere mögliche Folgen der erhöhten Insulinproduktion sind Atemstörungen oder Gelbsucht nach der Geburt", so die Diabetologin. Im schlimmsten Fall könne das auch den Tod des Fötus bedeuten. Die betroffenen Kinder haben außerdem ein erhöhtes Risiko, bereits im Schulalter übergewichtig zu werden und an Diabetes zu erkranken.
Zuckerbelastungstest soll in Mutter-Kind-Pass
Die Erkrankung, die meist symptomlos verläuft, wird noch immer zu selten erkannt. Alexandra Kautzky-Willer: "Würden alle schwangeren Frauen rechtzeitig auf Gestationsdiabetes getestet, könnten viele kindliche Schäden vermieden werden." Die Österreichische Diabetes Gesellschaft fordert daher die umgehende Aufnahme des Zuckerbelastungstests in den Mutter-Kind-Pass zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche. Bei diesem einfachen Test, den der Internist, Labormediziner, Hausarzt oder auch Gynäkologe durchführen kann, wird nüchtern sowie eine und zwei Stunden nach Verabreichung von 75 Gramm Glukose der Blutzuckerwert bestimmt. Wird die Erkrankung rechtzeitig erkannt und therapiert, besteht für das Kind kein erhöhtes Risiko mehr. (APA/red)
