Aktives Musizieren verändert das Gehirn: Nervenverbindungen können neu entstehen
- Deutsche Neurologen entdeckten Überraschendes
- Selbst Erwachsene können ihr Gehör noch schulen

Musizieren verändert das Gehirn: Durch das Spiel auf der Geige etwa entstehen neue Nervenverbindungen, die schrittweise ein feines Netzwerk im Gehirn bilden. Die Folge ist, dass die Regionen für Gehör und Fingerfertigkeit wachsen. Das haben aktuelle Untersuchungen zu diesen "plastischen Anpassungsvorgängen" des Gehirns ergeben, die nächste Woche auf dem 80. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Berlin erörtert werden sollen.
Der Neurologe Eckart Altenmüller von der Hochschule für Musik und Theater in Hannover berichtete am Dienstag vorab über seine Ergebnisse. "Musikwahrnehmung und aktives Musizieren auf hohem Niveau gehören zu den anspruchsvollsten menschlichen Tätigkeiten", erläuterte der Experte. "Das Nervensystem geht hier an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit." Denn Musiker müssten sehr komplexe Bewegungsabläufe ausüben, die das Gehör in Echtzeit einer strengen Kontrolle unterziehe. Dabei wachse die Präzision des Gehörs ständig - und mit ihr die Hörregionen im Gehirn.
Musik trainiert das Gehirn ein Leben lang
Die enorme Wandlungsfähigkeit des Gehirns bleibt den Angaben zufolge ein Leben lang erhalten. Dies hätten Versuche mit erwachsenen Klavieranfängern gezeigt. Schon nach 20-minütigem Üben hätten sich bei den frisch gebackenen Pianisten neue Nervenverbindungen nachweisen lassen, erklärte Altenmüller, der am Institut für Musikphysiologie und Musikermedizin in Hannover forscht.
Weitere Anpassung nach fünf Wochen
Großhirnbereiche für Hören, Sinneswahrnehmung und Bewegung verknüpften sich in der Folge immer stärker. Nach fünf Wochen zeige sich eine weitere Anpassung an das neue Hobby: Beim Hören von Musik würden nun Regionen im Großhirn aktiv, die für die Steuerung der Hand zuständig seien. Umgekehrt aktiviere das Spielen auf einer "stummen Klaviertastatur" die für das Hören zuständigen Regionen, berichtete der Neurologe.
Profis reagieren noch spezieller
Bei Spitzenmusikern sei das Gehirn sogar auf verschiedene Instrumente spezialisiert: Bei Trompetern etwa reagierten bestimmte Nervenzellen stärker auf Trompetentöne als auf den Klang einer Geige. Bei Geigern sei es genau umgekehrt, erklärte Altenmüller. Für die Musiker haben diese Erkenntnisse auch praktische Bedeutung: Sie üben den Untersuchungen zufolge nicht nur durch eigenes Musizieren, sondern auch durch Zuhören und sorgfältiges Beobachten anderer Musiker.
(apa/red)
