Donnerstag, 6. September 2007

Kartoffelernte fällt heuer schlechter aus: Ernteeinbußen auf Witterung zurückzuführen

  • Pommes Frites, Chips & Knödel aber nicht in Gefahr
  • Bei einem Erdäpfel-Engpaß: Zukauf aus Niederlanden

Die heurige Kartoffelernte fällt schlechter aus als in den Vorjahren. Ferdinand Lembacher von der Landwirtschaftskammer Niederösterreich geht davon aus, dass die Erträge vor allem bei den Speiseerdäpfeln "unterdurchschnittlich" sein werden. Insgesamt dürfte die heurige Speisekartoffelernte um "mindestens 25 Prozent unter dem Durchschnitt" liegen, sagte der Experte im Gespräch mit der APA. Trotz der getrübten Aussichten sieht der Experte aber vorerst keinen Importbedarf.

Die Mindererträge seien auf die hohen Temperaturen im Frühjahr und Sommer zurückzuführen, wodurch die Erdäpfel "frühzeitig abgereift" sind, erklärte Lembacher. So erwartet der Experte, dass im Raum Hollabrunn (NÖ), wo sich Österreichs Hauptanbaugebiet für Speisekartoffeln befindet, einen Hektarertrag zwischen 25 und 30 Tonnen. Im Gebiet um Stockerau (NÖ), wo in guten Jahren an die 40 Tonnen je Hektar geerntet werden, könnten es sogar noch weniger sein, schätzt Lembacher.

Noch genügend Pommes Frites-Erdäpfel
Die Sommerhitze hat auch Auswirkung auf die Produktion der Speiseindustriekartoffeln gehabt. Allerdings gibt es bei den Erdäpfeln, die für Pommes Frites, Chips und Knödel verwendet werden, weniger Einbußen, da zwei Drittel der Flächen in Bewässerungsgebieten liegen. Der heimische Knödel-, Pommes- und Strudelproduzent "Frisch & Frost" geht von einem "durchschnittlichen" Minus in Höhe von 15 Prozent aus, das schon jetzt mit Zukäufen aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden ausgeglichen wird.

Künstliche Beregnung nicht überall möglich
In Gebieten, wo keine künstliche Beregnung möglich war, kann es zu Einbußen zwischen 25 und 50 Prozent bei den Speiseindustriekartoffeln kommen, schätzt Josef Pimberger von "Frisch & Frost." Normalerweise würden zwischen 40 und 45 Tonnen Speiseindustriekartoffeln je Hektar erwirtschaftet, heuer waren es in den Trockengebieten zwischen 25 und 35 Tonnen, sagte Pimberger.

Erdäpfel aus den Niederlanden
Auch bei den Stärkekartoffeln, die beispielsweise für die Papier- und Lebensmittelindustrie verwendet werden, rechnet Lembacher mit Ausfällen, die allerdings nicht "ganz so schlimm wie bei den Speisekartoffeln" sein werden. Dass es aufgrund der unterdurchschnittlichen Erntemengen zu einem erhöhten Erzeugerpreis kommt, glauben weder Lembacher noch Pimberger. Die Fachleute erklärten, dass der gesteigerte Bedarf durch Zukäufe aus dem Ausland - vor allem aus den Niederlanden - ausgeglichen wird. Pimberger rechnet vor, dass ein belgischer oder niederländischer Produzent aktuell zwischen 8 und 9 Cent je Kilo Speiseindustriekartoffel erhält, während sein österreichischer Kollege 15 Cent für das Kilo bekommt. Einzig bei den Stärkeerdäpfeln kommt es zu Nachzahlungen in Höhe von 8,5 Euro pro Tonne aufgrund der höheren Preise auf dem Weltmarkt, so Lembacher.

Niederösterreich ist Erdäpfel-King
Insgesamt werden in Österreich 22.000 ha Ackerland für den Kartoffelanbau bewirtschaftet. Rund 10.000 ha werden nach Angaben der Landwirtschaftskammer für den Anbau der Speiseerdäpfel benötigt. 3.600 ha entfallen auf die Produktion von Speiseindustriekartoffeln und auf einer Fläche von 6.500 ha werden Stärkeerdäpfel angebaut. Das größte Anbaugebiet befindet sich in Niederösterreich. (APA/red)

6.9.2007 10:14