Sonntag, 9. September 2007

100-m-Weltrekord von Powell: Jamaikaner lief 9,74 bei Leichtathletik-Meeting in Rieti

  • 24-Jähriger stellte zehn Meter vor Ziel sogar ab

Jamaikas Supersprinter Asafa Powell hat es im Leichtathletik-Grand-Prix-Meeting in Rieti bereits im Vorlauf ordentlich "krachen" lassen: Der 24-Jährige raste in 9,74 Sekunden über die Bahn und blieb damit 3/100 unter seiner eigenen 100-m-Weltrekordzeit von 9,77, die er erstmals am 14. Juni 2005 in Athen gelaufen war.

"So etwas passiert, wenn ich auf meinen Trainer höre", lautete der lapidare Kommentar von Powell. "Ich habe es immer gewusst, dass ich in diesem Jahr noch einen Weltrekord in mir habe."

Bei optimalen äußeren Bedingungen - regulären 1,7 Metern pro Sekunde Rückenwind (2,0 sind maximal erlaubt) und angenehmen 26 Grad Celsius - degradierte Powell die Konkurrenz zu Statisten. 33/100 betrug im Ziel sein Vorsprung auf den zweitplatzierten aus Gambia stammenden Norweger Saidy Ndure Jaysuma (10,07). Und dem drittplatzierten Ex-Weltmeister Kim Collins (Paris 2003) aus Saint Kitts & Nevis fehlten bereits exakt 0,4 Sekunden auf den schnellsten Mann der Welt.

Aufgrund dieses riesigen Vorsprungs stellte Powell, der zuvor insgesamt dreimal 9,77 gelaufen war, bereits rund zehn Meter vor dem Ziel ab und ließ damit sogar noch eine bessere Zeit liegen. "Wenn er voll durchgelaufen wäre, wären es wohl 9,70 geworden", meinte Österreichs ehemaliger Leichtathletik-Topmanager Robert Wagner, der Augenzeuge des Fabel-Sprints in Italien war. Im Finale lief Powell dann 9,78 - allerdings bei Windstille und deutlich kühlerer Temperatur und erneut ohne Konkurrenz, denn sein Landsmann Michael Frater wurde in 10,03 gestoppt.

Für den Pastoren-Sohn kamen diese Leistungen allerdings zwei Wochen zu spät. Bei der WM in Osaka musste Powell sich als Topfavorit mit Bronze begnügen, Gold ging in Japan an den US-Amerikaner Tyson Gay, der auch noch die Titel über 200 m und über 4 x 100 m holte.

Und auch in finanzieller Hinsicht wäre die 11. Weltmeisterschaft ein besserer Zeitpunkt für den Weltrekord gewesen. In Osaka betrug die Prämie des Internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF) für neue Bestmarken nämlich 100.000 Dollar (73.014 Euro), in Rieti erhielt Powell für seine 9,74 dagegen nur 25.000 Dollar (18.254 Euro).

Aber dem 1,90 m und 88 kg Ausnahmesprinter aus der Karibik wird das ziemlich egal sein, denn viel wichtiger war für ihn die Tatsache, dass er nun nach der WM-Niederlage wieder voll da ist. Damit kann Powell mit viel Selbstvertrauen auf sein nächstes großes Ziel losgehen: Olympia-Gold 2008 in Peking.

Entwicklung des 100-m-Weltrekords
10,0 Sek.Armin HaryGER21.06.60Zürich *
9,95Jim HinesUSA14.10.68Mexiko-Stadt
9,93Calvin SmithUSA03.07.83Colorado S.
9,92Carl LewisUSA30.08.87Rom
9,90Leroy BurellUSA14.06.91New York
9,86Carl LewisUSA25.08.91Tokio
9,85Leroy BurrellUSA06.07.94Lausanne
9,84Donovan BaileyCAN27.07.96Atlanta
9,79Maurice GreeneUSA16.06.99Athen
9,77Asafa PowellJAM14.06.05Athen
9,74Asafa PowellJAM09.09.07Rieti

* handgestoppt

(apa/red)

9.9.2007 19:10