Mittwoch, 5. September 2007

Frankreich fiebert Rugby-WM entgegen:
Bereits über 2 Millionen Tickets verkauft

  • Neuseeland Favorit, Meister England nur Außenseiter

Gemessen an den Zuschauerzahlen und am weltweiten Zuspruch der TV-Konsumenten ist es das größte Sportereignis des Jahres 2007. Am Freitag wird im Stade de France in St. Denis bei Paris die Rugby-Weltmeisterschaften eröffnet. Gastgeber Frankreich trifft auf Argentinien. Während der Sport in Mitteleuropa noch in den Kinderschuhen steckt, bedeutet der Rugby-Ball in anderen Erdteilen die Welt.

48 Spiele stehen in 44 Tagen bis zum Finale am 20. Oktober auf dem Turnier-Programm. Weit mehr als zwei Millionen Tickets sind bereits verkauft, was einem Zuschauerschnitt von mehr als 40.000 entspricht. An den TV-Geräten sollen weltweit kumulierte vier Milliarden Fans live dabei sein. Sechs Partien werden auch außerhalb Frankreichs ausgetragen - vier in Cardiff und zwei in Edinburgh. Denn Rugby hat seine Wurzeln wie so viele Sportarten in Großbritannien.

Eine WM der Rugby-Union wird allerdings erst zum sechsten Mal ausgetragen. Die erste WM-Krone hatte sich 1987 Gastgeber Neuseeland gesichert. Seither waren die "All Blacks" immer wieder in zum Teil dramatischer Manier als Favoriten gescheitert. 2003 holte sich England seinen ersten Titel im legendären Finale gegen Australien in Sydney. Zum Matchwinner avancierte WM-Topscorer Johnny Wilkinson, der in der Verlängerung einen Drop-Kick zum 20:17 verwertete.

Seither ist Wilkinson in seiner Heimat ein absoluter Superstar, drehte Werbespots mit David Beckham und gilt als Talisman des englischen Rugby. Dementsprechend geschockt reagierte das Mutterland des Sports, als sich der 28-Jährige am Dienstag vor dem Auftakt-Spiel gegen die USA eine Knöchelverletzung zuzog. Ins WM-Turnier wäre der Titelverteidiger aber auch mit Wilkinson nur als Außenseiter gegangen. Als Topfavorit gilt einmal mehr Neuseeland, als erste Herausforderer Gastgeber Frankreich und Australien.

Weltmeisterschaften werden nur alle vier Jahre ausgetragen. Dazwischen spielen sich in Europa jährlich Frankreich, England, Irland, Italien, Schottland und Wales den Titel im Rugby Six Nations aus. In diesen Ländern hat der Sport einen sehr hohen Stellenwert erreicht - ebenso in Südafrika, Neuseeland und Australien. Doch das Leistungsgefälle ist enorm, wie ein Vorrunden-Ergebnis der WM 2003 beweist: Australien bezwang Namibia mit 142:0.

In Österreich ist der Sport zwar im Aufwind, von einer WM- Teilnahme aber meilenweit entfernt. Das Nationalteam spielt im Moment in der dritten Leistungsstufe der EM-Qualifikation. Dort geht es im Frühjahr gegen Norwegen und Ungarn sowie in Litauen und Bulgarien um den Klassenerhalt. Die Rugby-Bundesliga erfreut sich dagegen immer größerem Zuspruch. In der kommenden Saison wird erstmals auch wieder eine zweite Bundesliga ausgetragen. (apa/red)

5.9.2007 11:56