'Gerolsteiner' steigt aus Profi-Radsport aus:
Letzte Saison für Mineralwasserhersteller
- Österreicher Wrolich denkt über Karrierende nach
- "Doping-Ereignisse waren nicht ausschlaggebend"

Der deutsche Mineralwasser-Hersteller Gerolsteiner hat sich gegen eine Fortsetzung seines bis Ende 2008 laufenden Engagements im Profi-Radsport entschieden. Eine entsprechende Option wird nicht wahrgenommen, bestätigte Konzern-Sprecher Jörg Crosek. Die beiden Gerolsteiner-Österreicher Peter Wrolich (33 Jahre) und Bernhard Kohl (25) haben auch für die kommende Saison einen gültigen Vertrag beim Team von Manager Hans-Michael Holczer.
Über die langfristige sportliche Zukunft müssen sich dennoch beide Fahrer Gedanken machen. Während Wrolich mit einem Karriereende nach der Saison 2008 ("Die Chancen dafür stehen 50:50") spekuliert, fährt Kohl im kommenden Jahr um einen neuen Vertrag - entweder bei einem Konkurrenzteam oder auch in der Holczer-Equipe, falls diese einen neuen Hauptsponsor findet. "Für Holczer wird es mit seiner Linie im Kampf gegen Doping sicher kein Problem, einen Sponsor zu finden", meinte Kohl gegenüber der APA - Austria Presse Agentur.
Gründe
Gerolsteiner führte als Gründe für den Ausstieg einzig und allein wirtschaftliche Überlegungen an. Die Vorlieben der Abnehmer hätten sich durch Produkt-Erweiterung geändert, daher werden nun auch andere Marketing-Strategien verfolgt. "Die Doping-Ereignisse haben bei unserer Bewertung nicht die ausschlaggebende Rolle gespielt", betonte Sprecher Croszek.
Fahrer überrascht
Die Fahrer waren nicht vor der Öffentlichkeit über den Ausstieg des Sponsors informiert worden. Kohl reagierte dementsprechend einigermaßen überrascht. "Ich habe mir eigentlich schon gedacht, dass es weitergeht. Denn wir fahren einen sehr strengen Kurs gegen Doping. Bei uns im Team ist niemand positiv getestet worden", betonte der Niederösterreicher, der im Vorjahr von T-Mobile zu Gerolsteiner gewechselt war.
Das deutsche Konkurrenzteam, bei dem der österreichische Top-Sprinter Bernhard Eisel unter Vertrag steht, hat sich trotz der anhaltenden Doping-Problematik erst kürzlich zu einer Fortsetzung seines Engagements bis 2010 durchgerungen. T-Mobile und Gerolsteiner gelten mit einigen französischen Mannschaften gemeinhin als Vorreiter im Kampf um einen sauberen Radsport. Holczer ist einer der Initiatoren der Bewegung für einen "neuen Radsport", der sich während der Tour de France 2007 gebildet hat.
Allerdings war in der Vergangenheit auch das Team Gerolsteiner nicht vor Doping-Schlagzeilen gefeit. Der deutsche Sprinter Danilo Hondo war 2005 positiv auf Carphedon getestet und danach sofort entlassen worden. Der Italiener Davide Rebellin wurde in seiner Heimat in einem Doping-Prozess freigesprochen. Im Frühjahr hatten Gerolsteiners sportliche Leiter Christian Henn und Udo Bölts wie mehrere ehemalige Fahrer gestanden, in ihrer aktiven Zeit beim Team Telekom EPO-Doping betrieben zu haben.
Dennoch glaubt Wrolich an einen Fortbestand der in den vergangenen Jahren so erfolgreichen Equipe, in die der Mineralwasser-Konzern zuletzt rund neun Millionen Euro jährlich investiert hatte. "Die Chancen, einen neuen Sponsor zu finden, stehen gut", meinte der Routinier. "Holczer ist sehr seriös. Wenn einer einen Sponsor findet, dann er." Wrolich fährt bereits seit der Gründung des Rennstalls 1998 für Gerolsteiner. Dementsprechend wäre ein Abschied auch mit einigem Wehmut verbunden.
Bei seiner Vertragsverlängerung hatte Wrolich Teamchef Holczer noch bestätigt, dass er es sich nicht vorstellen könne, je für ein anderes Team zu fahren. "Ich fühle mich hier einfach zu wohl. Gerolsteiner ist wie eine zweite Heimat für mich geworden", erklärte der Kärntner. "Sportlich waren das die schönsten Jahre meines Lebens." Nun müsse er sich allerdings die Sinnfrage stellen. Über ein Karriereende habe er bereits mehrmals nachgedacht. Bis Sommer 2008 will sich Wrolich entscheiden.
"Die entscheidende Frage ist, ob es mit 34 Jahren noch Sinn macht in einer Sportart, der es im Moment gar nicht so gut geht", meinte Wrolich. Für Kohl macht es auf alle Fälle noch Sinn. Der 25-jährige Kletterer, der sich im Moment auf die Straßen-WM am 30. September in Stuttgart vorbereitet, hat den Großteil seiner Karriere noch vor sich. Im Ausstieg von Gerolsteiner sieht Kohl kein Problem für seine Zukunft: "Nächste Saison hätte ich mich sowieso mit Leistung für einen neuen Vertrag empfehlen müssen."
(apa)
