Schaulustige am Heldenplatz enttäuscht:
Hl. Vater nahm Auto statt Hubschrauber
- 7.100 Papst-Fans folgen ihm von Wien nach Mariazell
- Pilger stimmen sich mit Gesang & Gebet auf Papst ein
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4.30 Uhr Abfahrt, Wind und Wetter sowie ein dickes Minus auf dem Gemeindekonto, da ein paar Angemeldete im letzten Moment abgesprungen sind, aber der Bus dennoch bezahlt werden muss - die Pilgerfahrt einer Gruppe aus Wien nach Mariazell stand am Samstag in Allerherrgottsfrüh nicht unbedingt unter einem guten Stern. Doch wer ein echter Pilger ist, lässt sich von noch so widrigen Umständen nicht abhalten. "Ich habe schon im Heu geschlafen, da muss man durch", meint Brigitta Käferböck, Pfarrgemeinderätin der Pfarre St. Paul-Paho in Wien-Favoriten.
Der Bus aus Favoriten ist einer von rund 300, der die 7.100 Wiener Pilger zum Papst nach Mariazell bringt. Die Delegation aus Favoriten ist nicht unbedingt die stärkste. Teilnehmer aus 15 Pfarren füllen nicht einmal zwei Reisebusse. "Es liegt sicher zum Teil auch am Papst", ist eine Teilnehmerin überzeugt. St. Paul ist aber immerhin mit stolzen acht Mann vertreten. Das Gros der Mitfahrenden sind Mitglieder von Pfarrgemeinderäten - ganz gewöhnliche Laien sind kaum unterwegs.
Die Pilger sind dennoch voll Vorfreude auf den Heiligen Vater. Mit Gebeten und Gesängen stimmt sich die Gruppe ein, Kaffee aus Pappbechern vertreibt die letzte Müdigkeit. Es ist wichtig, dass der Papst kommt, auch für seine Pfarre, meint Pater Georg von St. Paul. "Immer nur im Vatikan sein, dass ist einfach nicht gut. Der Papst muss zu den Menschen kommen", sagt der Geistliche.
Doch es ist nicht das reine "Papstschauen", dass die Gläubigen nach Mariazell kommen lässt. "Es ist ja auch eine Wallfahrt, wir kommen hierher mit den Sorgen und Wünschen für unsere Familie", erzählt Käferböck. Dem Heiligen Vater persönlich zu begegnen, ist aber dennoch eine Erlebnis. "Er ist eine große Respektsperson", meint die Pfarrgemeinderätin.
Auch Stephanie Pascher, ebenfalls Pfarrgemeinderätin in St. Paul, ist es nicht alleine die Person der Papstes, die sie gegen 3.00 Uhr aufstehen ließ. "Es ist natürlich etwas anderes, ihn persönlich zu sehen als im Patschenkino", meint sie. Die Fahrt nach Mariazell sei auch eine kurze Besinnungspause im hektischen Alltag. Zudem würde bei solchen Veranstaltungen stets eine sehr liebevolle Stimmung herrschen, von der man ein Stück mit nach Hause nehmen kann.
Papst-Fans am Heldenplatz enttäuscht
Menschenmengen, großes Polizeiaufgebot, Gedränge, um einen Blick auf den Papst zu erheischen: Das war die Theorie für Samstagfrüh am Wiener Heldenplatz, wenn Benedikt XVI. in den Hubschrauber einsteigen sollte, um seine Pilgerreise nach Mariazell anzutreten. Doch die Realität sah anders aus: Kaum Einsatzkräfte und nur wenig Schaulustige waren auf den Platz gekommen. Zu ihnen hatte sich die Nachricht, dass der Papst wetterbedingt das Auto nimmt, noch nicht herumgesprochen.
Die meisten trugen es mit Fassung. Nur ein in die USA ausgewanderter Wiener meinte zur APA: "Ich bin sauer. Da, wo der O....-Hitler gestanden ist, wollte ich einmal den Papst sehen. Und dann kommt er nicht." Ob es denn wirklich eine Wetterfrage gewesen sei oder vielmehr Sicherheitsaspekte bei der Umdisposition im Vordergrund gestanden seien, spekulierte er mit konspirativer Miene. Bei dem Exil-Wiener handelte es sich um einen wahren Afficionado in Sachen Benedikt alias Joseph Ratzinger: "Ich habe alle seine Bücher zu Hause."
Eine etwas ältere Dame, extra aus Bruck an der Leitha angereist, fragte: "Meinen sie, es hat noch Sinn, zur Nuntiatur zu fahren?" Auch eine spanische Touristenfamilie war extra aufgestanden, um den Papst abfliegen zu sehen. Die Nachricht vom Nicht-Abflug nahmen sie aber gelassen: "Dann gehen wir ins Hotel zurück und frühstücken erst einmal."
Das sichtbare Polizeiaufgebot bestand aus einem Diensthundeführer, der die Gunst der Stunde nützte und seinem Schützling ein bisschen Zeit zum Spielen auf den praktisch leeren Grünflächen des Heldenplatzes gönnte. Ansonsten betätigte er sich als Informant für die Schaulustigen. "Wo ist denn der Hubschrauber?", wurde er beispielsweise gefragt.
(apa/red)
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