Montag, 10. September 2007

"Ort des Friedens und der Einheit": Papst Benedikt feierte mit 32.000 Pilgern in Mariazell

  • Feierliche Vesper mit 900 Priestern und Ordensleuten
  • Viel Regen, keine Aufreger bei Besuch in Mariazell

Der zweite Tag des Österreich-Besuchs von Papst Benedikt XVI. ist wie der erste verlaufen, nämlich mit viel Regen. Anders als zuvor, als der Papst mit missverständlichen Aussagen zur Abtreibung für Aufregung sorgte, verlief der Samstag in Mariazell aber sehr ruhig. In der Predigt vor der Wallfahrts-Basilika bezeichnete er den Verlust der Wahrheit als "Kern der Krise des Westens". Und bei der Vesper mit Priestern und Ordensleuten forderte er vom Klerus einen "demütig-kirchlichen Gehorsam" ein.

Das 850-Jahr-Jubiläum des obersteirischen Wallfahrtsortes war der Höhepunkt der Papstreise. Benedikt XVI. selbst trug Messgewand und Mitra in der Marien-Farbe blau. Die Pilgerfahrt nach Mariazell war der zentrale Anlass seiner siebenten Auslandsreise. Daher nahm er bei der Ankunft in der steirischen Gemeinde statt seines Hirtenstabes einen Pilgerstab in die Hand. Zum Patronatsfest wurde auch die romanische Marienstatue der Kirche auf den Vorplatz gebracht und neben den Altar aufgestellt.

Mehr als 32.000 Pilger aus ganz Österreich und rund einem Dutzend Nachbarstaaten ließen sich vom schlechten Wetter nicht abhalten und kamen zur Papstmesse - geschützt in leuchtend roten, gelben und grünen Regenumhängen.

"Ein Ort des Friedens"
Mariazell sei, so der Heilige Vater, "ein Ort des Friedens und der versöhnten Einheit". In seiner Predigt hob er die Bedeutung der Wahrheit und die "große moralische Kraft" des christlichen Glaubens hervor, auch wenn der Glaube viel mehr sei als ein "Moralsystem". Einmal mehr beklagte er die Kinderfeindlichkeit: "Europa ist arm an Kindern geworden. Wir brauchen alles für uns selber, und wir trauen wohl der Zukunft nicht recht."

900 Geistliche bei Vesper in der Basilika
Bei der Vesper mit 900 Priestern und Ordensleuten sowie 50 Bischöfen ging der Papst dann am späten Nachmittag in der Basilika mit keinem Wort auf die Zölibatsfrage, den akuten Priestermangel oder die Überalterung des Klerus in Österreich ein. Er stellte ausführliche Betrachtungen zu den priesterlichen Tugenden Armut, Keuschheit und Gehorsam an. Mit dem Gelübde der ehelosen Keuschheit werde ein "großer Beitrag" geleistet - "inmitten aller Gier, allem Egoismus des Nicht-Warten-Könnens, des Konsumhungers, inmitten des Kultes der Individualität". Und die Erfahrung des priesterlichen Gehorsams brauche "die Welt heute gerade mitten in ihrem Verlangen nach 'Selbstverwirklichung' und 'Selbstbestimmung'."

Auto statt Helikopter
Wegen des schlechten Wetters ist der Papst mit dem Auto und nicht mit dem Hubschrauber nach Mariazell gereist. Die Rückfahrt nach Wien trat er ebenfalls mit seinem Gefolge im Auto-Konvoi an. An der Wallfahrt in Mariazell nahmen neben den tausenden Pilgern auch hochrangige Vertreter der Republik teil, allen voran Bundespräsident Heinz Fischer, Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und der steirische Landeshauptmann Franz Voves.

(apa/red)

10.9.2007 15:14