Montag, 10. September 2007

Papst bei Österreich-Besuch doch politisch: Scharfe Kritik an Abtreibung und Sterbehilfe

  • Benedikt XVI. betont in Rede das "Recht auf Leben"
  • Abendprogramm findet in "trockener" Hofburg statt

Papst Benedikt XVI. hatte vor Beginn seines dreitägigen Österreichbesuchs zwar betont, es sei dies keine "politische Reise", sondern eine "Pilgerreise". Am Abend konfrontierte das Oberhaupt der katholischen Kirche jedoch Vertreter des politischen und öffentlichen Lebens in der Hofburg mit einer hochpolitischen Rede. Er übte scharfe Kritik an der Abtreibung und der aktiven Sterbehilfe.

Das "Recht auf Leben" sei "das grundlegende Menschenrecht" und gelte "von der Empfängnis bis zu seinem natürlichen Ende", so der Heilige Vater. "Abtreibung kann demgemäß kein Menschenrecht sein - sie ist das Gegenteil davon." Benedikt sprach in Anlehnung an den früheren Wiener Kardinal Franz König von einer "tiefen sozialen Wunde".

"Kinder kein Krankheitsfall"
In Österreich ist die Abtreibung im Rahmen der sogenannten Fristenlösung in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten seit 1975 straffrei gestellt. An Österreichs Politiker appellierte der Papst, "nicht zuzulassen, dass Kinder zu einem Krankheitsfall gemacht werden und dass die in Ihrer Rechtsordnung festgelegte Qualifizierung der Abtreibung als ein Unrecht faktisch aufgehoben wird". Die Kirche mache sich hier zum "Anwalt eines zutiefst menschlichen Anliegens und zum Sprecher der Ungeborenen, die keine Stimme haben". Gleichzeitig wolle er, Benedikt, nicht die Augen vor den Problemen und Konflikter vieler Frauen verschließen.

Bures: Fristenregelung steht nicht zur Diskussion
Frauenministerin Doris Bures (S) hat anlässlich der Aussagen von Papst klargestellt, dass die Fristenregelung nicht zur Diskussion stehe. "Jede Frau, die sich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheidet, wird in Österreich auch in Zukunft das Recht auf die beste medizinische Betreuung haben", betonte die Ministerin via Aussendung. Sie forderte, dass das Selbstbestimmungsrecht der Frauen respektiert werde.

Sterbebegleitung statt 'aktiver Sterbehilfe'
Weiters äußerte sich der Papst besorgt über die Debatte um eine aktive Sterbehilfe. "Es ist zu befürchten, dass eines Tages ein unterschwelliger und auch erklärter Druck auf schwer kranke und alte Menschen ausgeübt werden könnte, um den Tod zu bitten oder ihn sich selbst zu geben. Die richtige Antwort auf das Leid am Ende des Lebens ist Zuwendung, Sterbebegleitung und nicht 'aktive Sterbehilfe'."

Christliche Wurzeln Europas
Im europapolitischen Teil seiner Rede betonte der Papst die christlichen Wurzeln Europas. "Das 'Haus Europa' wird nur dann für alle ein gut bewohnbarer Ort, wenn es auf einem soliden kulturellen und moralischen Fundament von gemeinsamen Werten aufbaut, die wir aus unserer Geschichte und unseren Traditionen gewinnen. Europa kann und darf seine christlichen Wurzeln nicht verleugnen", so der Papst.

Treffen mit Bundesregierung
An dem Treffen im Zeremoniensaal der Hofburg nahmen u.a. Bundespräsident Heinz Fischer, die Bundesregierung mit Alfred Gusenbauer (S) an der Spitze, Landeshauptleute und Vertreter der Diplomatie teil. Fischer meinte in seiner Rede unmittelbar vor der Papst-Ansprache, in Österreich gebe es ein großes Interesse an den Gedanken und Einstellungen des Heiligen Vaters.

Starke Regenfälle überschatten Papstbesuch
Der Auftakt des Papstbesuchs war von starken Regenfällen überschattet. So kamen auch zur Liturgischen Eröffnungsfeier Am Hof in der Wiener Innenstadt statt der erwarteten 25.000 Teilnehmer nur 7.000 Papst-Fans.

Am Samstag fährt der Pontifex nach Mariazell. Der obersteirische Wallfahrtsort begeht morgen sein 850-Jahr-Jubiläum. Am Sonntag gibt es noch eine Papstmesse im Stephansdom, einen Besuch im Stift Heiligenkreuz und eine Begegnung mit freiwilligen und ehrenamtlichen Helfern im Konzerthaus. Am Sonntagabend fliegt der Papst zurück nach Rom.
(apa/red)

10.9.2007 15:16