Pontifex gesundet, Pilger fiebern weiter:
33.040 Menschen wollen "Papst-schauen"
- Schönborn: Bei Besuch kein Platz für "heiße Eisen"
- Visite von Benedikt XVI. kostet 4,9 Millionen Euro
·"Freue mich über Reise nach Österreich"
Letzte Vorbereitungen
auf Papst-Besuch laufen
·Papst-Programm:
Von Pontius zu Pilatus
Wien-Besuch: "Am Hof",
Judenplatz und Hofburg
·Polizei-Bilanz: "Alles ist ruhig geblieben"
Herrenlose Koffer sorgten
kurzzeitig für Aufregung
·Schüler können für Papst "blau machen"
Freistellung aber nur für Wien & Niederösterreich
Einen Tag vor dem Landeanflug von Papst Benedikt XVI. hat sich auch der internationale Fokus auf Österreich gerichtet. Für Mariazell werden nun offiziell 33.000 Pilger - trotz widrigem Wetter - erwartet, hieß es bei der ersten großen Pressekonferenz in Wien vor rund 150 Journalisten aus aller Welt. Durchatmen können die Gastgeber wie der hohe Besuch: "Die Heiserkeit löst sich bereits", reagierte der Vatikan auf Gerüchte über eine angeschlagene Gesundheit des Heiligen Vaters. Und auch die Kosten der Visite sind nun fix: 4,9 Millionen Euro. Der Beitrag der katholischen Kirche, aufgeteilt auf die Diözesen des Landes, beträgt zwei Millionen.
Schönborn ging bei der Pressekonferenz auch auf kritische Stimmen ein, die im Vorfeld "nichts Ungewöhnliches " seien. Die Freude will der Wiener Erzbischof dadurch nicht gestört sehen. Auch den Vorwurf des Event-Katholizismus sieht Schönborn unbegründet: "Gehört Feiern nicht zum Leben?" Dazu würden auch Spekulationen über den angeschlagenen Gesundheitszustand gehören, die der Papst durch eine angeschlagene Stimme ausgelöst habe. Ein "schwer kranker Mann" sei der Heilige Vater deswegen nicht, so Schönborn, via "Kathpress" kam kurz darauf auch schon die Entwarnung aus dem Vatikan. "Es gibt keinerlei Besorgnis um die Gesundheit des Papstes", so Vatikansprecher Pater Federico Lombardi.
Kein Platz für "heiße Eisen"
Für "heiße Eisen" sei bei dem Papstbesuch kein Platz, so Schönborn an die Adresse der Kritiker. Es handle sich nämlich nicht um einen Pastoralbesuch, der Papst komme als "Pilger unter Pilgern". Außerdem müsse man sich die Frage nach der Auswahl der vielen Gesprächspartner stellen: "Mit welchen Gruppen soll der Heilige Vater diskutieren?", verwies Schönborn auf die zahlreichen Anfragen. Über seinen ehemaligen Lehrer, Kardinal Joseph Ratzinger, wusste er nur Gutes zu berichten: "Er war nie argumentationsfeindlich."
Genau 33.040 Menschen haben sich derzeit zum Papst-schauen im obersteirischen Wallfahrtsort Mariazell angemeldet. Nun ist das Kontingent erschöpft. Ihren Heimvorteil haben die Steirer ausgenutzt, 7.500 werden in rund 130 Bussen "pilgern". Viele nutzen aber auch die Chance für eine Anreise per pedes - auch wenn das Wetter derzeit nicht mitspielt. Laut der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik wird es weiterhin Regen und Wind geben. Der schönste Tag dürfte noch der Sonntag werden. Den zweiten Platz bei den Pilgern belegt die Erzdiözese Wien mit rund 7.100 Pilgern, den dritten mit 4.000 die Diözese St.Pölten. Am wenigsten Teilnehmer - nämlich 427 - kommen aus Vorarlberg.
Demos: Satirische Poster-Aktion
Die widrigen Witterungsumstände haben auch die Papstgegner nicht davon abgehalten, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen. Mit einer satirischen Poster-Aktion will etwa der dänische Aktivist Jan Egesborg die Sexualmoral der Kirche anprangern. In ganz Wien will der eigens angereiste Künstler Plakate mit der Aufschrift "Ich bin gegen Homosexualität aber für Pädophilie" anbringen.
Sicherheitskräfte für den Papstbesuch schicken Innenministerium und Bundesheer: 2.200 Polizisten und 1.350 Soldaten werden dafür sorgen, dass die Visite des Oberhauptes der Katholischen Kirche am Wochenende reibungslos von statten geht. Die Sprengstoffexperten nahmen bereits am Donnerstag die Arbeit auf. Am Vormittag wurde der Konvoi des Papstes nach verdächtigen Gegenständen durchsucht. Auch die Plätze, an denen der Papst auftreten wird, wurde von den Sprengstoffexperten mit ihren Hunden genau unter die Lupe genommen.
Allein 1.300 bis 1.400 Polizisten werden für den Ordnungsdienst, weitere 350 für Verkehrsmaßnahmen eingeteilt sein. Unter den Polizisten befinden sich 150 Beamte des Einsatzkommandos Cobra. Diese sind mit dem Personenschutz für Benedikt XVI. befasst, haben aber auch eine "Anti-Terror-Komponente". Weiters sind gefahrstoffkundige Organe und Sprengstoffexperten im Einsatz.
(apa/red)
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