Donnerstag, 6. September 2007

Mitten in Menschenmenge: Mann sprengt
sich in Algerien in die Luft - 15 Todesopfer!

  • Attentat galt offenbar Präsident Abdelaziz Bouteflika
  • Will auf Weg der nationalen Aussöhnung bleiben

Bei einem Selbstmordanschlag in Algerien, der offenbar Präsident Abdelaziz Bouteflika galt, sind 15 Menschen getötet und mindestens 74, nach anderen Berichten sogar 114 weitere verletzt worden. Nach Angaben des algerischen Fernsehens sprengte sich ein Mann in der nordöstlichen Stadt Batna in einer Menschenmenge in die Luft, die am Straßenrand auf den Staatschef wartete. Bouteflika trat unmittelbar nach dem Anschlag im Fernsehen auf und erklärte, er werde sich durch "Verbrecher" nicht von seiner Politik der nationalen Aussöhnung abbringen lassen.

Nach Angaben von Augenzeugen hatte der Täter die Bombe in einem Plastiksack bei sich. Er hatte sich unter die Menschenmenge in der Nähe einer Moschee im Zentrum der Stadt gemischt, die auf die Vorbeifahrt von Bouteflika wartete. Augenzeugen berichteten, der Mann sei mit seinem Sprengsatz den Umstehenden aufgefallen. Daraufhin habe er seine Bombe früher als geplant gezündet. Bouteflika traf später am Anschlagsort ein und begab sich ins Krankenhaus, um die Verletzten zu besuchen.

Präsident hält an politischem Plan fest
"Ich werde keine Sekunde lang auf meinen politischen Plan verzichten, der auf nationaler Aussöhnung und Sicherheit für alle Algerier beruht", sagte Bouteflika mit ruhiger Stimme im Fernsehen. Zuvor hatte er vor einer Gruppe von Veteranen aus dem Befreiungskrieg gesprochen und auch hier die Bedeutung der nationalen Aussöhnung als "strategische Entscheidung des algerischen Volkes" angesprochen. Bouteflika betonte, dass Terroranschläge "nichts mit den edlen Werten des Islam gemein haben".

Die Regierung hatte in jüngster Zeit den Ton im Konflikt mit bewaffneten Islamisten verschärft. Innenminister Yazid Zerhouni hatte erklärt, sie sollten "sich ergeben oder sterben". Vor knapp fünf Monaten waren bei zwei Selbstmordanschlägen in Algier mindestens 30 Menschen getötet und mehr als 200 weitere verletzt worden.

Mehrere Terroranschläge in letzten Jahren
Algerien wird seit vielen Jahren von Terroranschlägen islamischer Fanatiker heimgesucht. Auslöser war das Verbot der Islamistenpartei FIS 1992, nachdem sich ein Sieg der Partei bei den Parlamentswahlen abgezeichnet hatte.

Das Parlament wurde damals aufgelöst und die meisten Islamisten gingen in den Untergrund, um sich dem bewaffneten Kampf anzuschließen. Schätzungen zufolge kamen in den vergangenen 15 Jahren bis zu 200.000 Menschen in Algerien durch politisch motivierte Gewalt ums Leben.

(apa/red)

6.9.2007 21:13