"Chemie-Ali" soll am Samstag hängen - Verurteilte fordern letztes Familientreffen
- Anklage wegen Völkermordes kurz vor Vollstreckung
- Irakische Regierung sprach von 180.000 toten Kurden
Saddam Husseins Cousin, Ali Hassan al-Majid ("Chemie-Ali") und zwei ehemalige irakische Militärführer sollen am kommenden Samstag gehängt werden. Der Anwalt Badia Aref Ezzat sagte der irakischen Nachrichtenagentur INA: "Sie haben mich aus der Haftanstalt angerufen und gesagt, "die Todesurteile werden am nächsten Samstag vollstreckt werden und wir sollten doch mindestens das Recht haben, vorher noch unsere Familien zu sehen"". Er wisse jedoch nicht, wie er die Familien erreichen solle, sagte der Anwalt.
Al-Majid, Ex-Verteidigungsminister Sultan Hashim und der frühere Armee-Kommandeur Hussein Rashid waren im Juni wegen Völkermordes an den Kurden zum Tode verurteilt worden. Die Berufungskammer des Sondertribunals für die Verbrechen des alten Regimes hatte die drei Todesurteile am Dienstag bestätigt, die dann nach irakischem Recht innerhalb von 30 Tagen vollstreckt werden müssen.
Anklage: Völkermord von bis zu 180.000 Kurden
Der Staatsanwalt hatte den drei Ex-Funktionären Massenerschießungen, Folter und Vertreibung von Zivilisten im Nordirak vorgeworfen. Der sogenannten Anfal-Kampagne des Militärs waren in den Jahren 1987 und 1988 laut unterschiedlichen Schätzungen 50.000 bis 180.000 Kurden zum Opfer gefallen. Der Hauptangeklagte im Völkermord-Prozess, Ex-Präsident Saddam Hussein, war Ende 2006 wegen eines anderen Verbrechens gehängt worden. Einige irakische Politiker hatten sich erfolglos für eine Begnadigung von Sultan Hashim stark gemacht. Dies hatten sie damit begründet, dass der frühere Minister keine Gräueltaten begangen, sondern nur Befehle ausgeführt habe. (APA/red)
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