Griechenland wählt am 16. September:
Urnengang von Feuersbrunst überschattet!
- Konservative Regierung gleich auf mit Opposition
- Gegenseitige Beschuldigungen der Parteichefs

Die Folgen der verheerenden Waldbrände in Griechenland dürften entscheidenden Einfluss auf den Ausgang der Parlamentswahlen am 16. September haben. Der konservative Regierungschef Kostas Karamanlis und Oppositionsführer Georgios Papandreou beschuldigen sich gegenseitig, politisch für die Katastrophe verantwortlich zu sein.
Die Regierungspartei Neue Demokratie (ND) und die sozialistische PASOK liegen derzeit in den Umfragen fast gleichauf. Vor den Waldbränden - bei denen 64 Menschen ums Leben kamen und 4.000 obdachlos wurden - stand Karamanlis praktisch als künftiger Wahlsieger fest.
Feuer stoppte die guten Umfragewerte
Seit seinem Wahlsieg über die Sozialisten 2004 hatte Karamanlis gute Umfragewerte verzeichnet. Doch nach dem Ausbruch der Feuersbrünste geriet der 50-jährige Chef der konservativen "Nea Dimokratia" zunehmend unter Beschuss.
Machtwechsel durch Unvermögen der Regierung?
Die Opposition will die Situation für einen Machtwechsel nutzen. "Wir wurden gedemütigt durch das Unvermögen der Regierung, das Leben unserer Mitbürger zu retten", sagte PASOK-Chef Papandreou. Durch den Vorwurf der Regierung, hinter den Bränden stünden organisierte Banden und "Terroristen", wolle Karamanlis nur seine "Unfähigkeit" verbergen, mit dieser "nationalen Tragödie" umzugehen.
Krisenmanagement unter Beschuss
Tausende Menschen demonstrierten in Athen gegen das Krisenmanagement der Regierung. Umweltverbände machten Bodenspekulanten für die Brände verantwortlich. Um den Protesten den Wind aus den Segeln zu nehmen, ließ die Regierung jedem Opfer der Brände 3.000 Euro zukommen. Da die Ansprüche erst später geprüft werden sollen, kam es nach Medienberichten bereits zu zahlreichen Betrugsfällen.
Fixer Vorsprung verspielt?
Vor den Bränden hatte Karamanlis darauf gesetzt, mit vorgezogenen Parlamentswahlen seine Regierung zu festigen. Das Wirtschaftswachstum liegt bei vier Prozent, das Budgetdefizit wurde auf 2,4 Prozent gedrückt, die Arbeitslosenzahl sank auf acht Prozent.
Zudem hatten 48 Prozent der Griechen erklärt, sie hielten Karamanlis für den besseren Ministerpräsidenten. Von seinem Herausforderer Papandreou sagten das nur 24 Prozent. Die Hilflosigkeit, die Karamanlis und seine Regierung jedoch zuletzt zeigten, könnte diesen Vorsprung schmelzen lassen.
Nicht ausgeschlossen ist, dass die verbreitete Politikverdrossenheit kleineren Parteien zugutekommt und nach dem 16. September die Bildung einer stabilen Regierung erheblich erschwert wird.
Im 300 Sitze zählenden griechischen Ein-Kammer-Parlament (Vouli) verfügte die ND nach den Wahlen von 2004 über 165 Sitze, die PASOK über 117, die kommunistische KKE über zwölf und die Links-Koaltition "Synaspismos" über sechs Sitze. Mit Stand Dezember 2006 ergaben sich geringfügige Verschiebungen: ND 164, PASOK 113, KKE 12, SYN 6, Unabhängige 5, Kleingruppen 6. (apa/red)
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