Türkische Armeeführung bleibt erstem Gül
Empfang fern: Geht sich terminlich nicht aus
- Militärs sprachen nach Wahlausgang offen gegen Gül
- Auch Kemalisten misstrauen dem neuem Präsidenten
·"Kind der Republik" will auf den "Thron"
Gül bei seinen türkischen Landsleuten sehr beliebt
·Abdullah Gül auch in Europa sehr beliebt!
Vordenker der jungen, gemäßigten Muslime
·Wahl: EU-Thema
bringt keine Stimmen
"In der Türkei hat man die EU abgeschrieben"
·Droht Gül nach Wahl gleich ein Prozess?
Grund: Parlamentarische Immunität geht verloren
Die türkische Armeeführung will dem ersten offiziellen Empfang des neuen Staatspräsidenten Abdullah Gül im Präsidentenpalast von Ankara fernbleiben. Dies werde mit Terminschwierigkeiten der Generäle begründet, berichteten türkische Fernsehsender. Der Generalstab sei bei Truppenbesuchen außerhalb der Hauptstadt und könne deshalb nicht an dem Empfang teilnehmen. Die Armeeführung bemühte sich, ihre Entscheidung gegen eine Teilnahme an dem Termin nicht als politisch motivierten Boykott erscheinen zu lassen.
Die Militärs hatten sich mit ihrem abweisenden Verhalten unmittelbar nach Güls Wahl in der vergangenen Woche heftige Kritik der Medien in der Türkei zugezogen. Diesmal habe es mit den seit langem geplanten Truppenbesuchen eine "Entschuldigung" der Generäle gegeben, berichteten die Zeitungen. Die Armee habe das Präsidialamt frühzeitig über die Terminprobleme informiert. Zudem werde die Armee einen General als Vertreter der Streitkräfte zu dem Empfang schicken. Die Militärs wollten ihr Fernbleiben nicht als Protest verstanden wissen, berichtete die Zeitung "Radikal".
Gül allein auf weiter Flur?
Auch die kemalistischen Parteien CHP und DSP wollen nicht an dem Empfang teilnehmen. Die Kemalisten in Politik und Armee werfen Gül vor, er verfolge insgeheim eine islamistische Agenda. Der Empfang Güls gilt Vertretern der Politik in Ankara, ausländischen Botschaftern sowie Vertretern der Justiz und Behörden. Bei einem zweiten Empfang am Freitag will sich Gül mit Verbänden, Medienvertretern und Repräsentanten verschiedener Religionen treffen. Ein dritter Empfang, für den es bisher noch keinen Termin gibt, soll Künstlern und Schriftstellern gelten. Nach türkischen Presseberichten soll dann auch erstmals Literatur-Nobelpreisträger Orhan Pamuk in den Präsidentenpalast eingeladen werden. (APA/red)
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