Vor zehn Jahren starb der Engel der Armen:
Mutter Teresa bleibt in Indien unvergessen
- Missionarinnen der Nächstenliebe führen ihr Werk fort
- 2003 von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen

·Die Stationen eines besonderen Lebens
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·Für viele schon zu Lebzeiten eine Heilige
Heiligsprechung Mutter Teresas Frage der Zeit
·Mutter Teresa war zweimal in Österreich
Nobelpreisträgerin kam 1988 und 1990 nach Wien
Der Mann schreit vor Schmerzen. Seinen abgestorbenen rechten Fuß kann man nur erahnen. Er stützt sich auf eine Nonne im blau-weißen Sari und zwei Helfer. Jede Bewegung ist eine Qual. "Wir haben ihn vor einer Woche auf dem Bahnhof aufgelesen", sagt Schwester Jino vom Orden Mutter Teresas, den "Missionarinnen der Nächstenliebe", in ihrem Heim in Indiens Hauptstadt Neu Delhi. "Noch ist das Schlimmste nicht überstanden, aber wir hoffen, dass wir ihn in ein paar Wochen entlassen können." Auch zehn Jahre nach dem Tod der katholischen Ordensgründerin und Friedensnobelpreisträgerin Mutter Teresa geht ihre Arbeit weiter. "Wir vermissen sie nicht, denn sie ist immer bei uns", sagt Schwester Jino.
Sie arbeitet im Norden Delhis im Haus "Nirmal Hriday", das heißt "Reines Herz". Neben dem Tor steht auf einer blauen Tafel: "Heimstatt für sterbende Arme". Darunter hängt ein Porträt Mutter Teresas. 1952 hatte sie das erste Sterbehaus in Kalkutta gegründet. Heute gibt es fast 5.000 "Missionarinnen der Nächstenliebe". Sie arbeiten in 134 Ländern, nicht nur für Sterbende, sondern auch für Kranke, Behinderte und Waisenkinder. Jedes Jahr kommen neue Einrichtungen hinzu.
Den Hof des Sterbehauses von Delhi schmücken gepflegte Blumenkübel. Im Inneren gibt es getrennte Krankenstationen für männliche und weibliche Patienten, einen Andachtsraum und schlichte Quartiere für die Nonnen. "Derzeit sind 174 Männer und 131 Frauen bei uns", sagt die aus Südindien stammende Leiterin, Schwester Jino. Längst nicht alle sind todkrank. "Seit 1979 kümmern wir uns hier um Menschen mit ganz unterschiedlichen Leiden. Manche haben offene Wunden, andere Tuberkulose, aber auch geistig Behinderte werden zu uns gebracht." Die bleiben oftmals mehrere Jahre. "Da ihre Herkunft im Dunkeln liegt, sind wir für viele die einzigen Bezugspersonen."
Rund um die Uhr sorgen acht Schwestern für das Wohl der Patienten. Unterstützt werden sie von Ärzten aus der Umgebung, die drei Mal in der Woche nach dem Rechten sehen. "Es wäre schön, wenn wir ein paar mehr wären", sagt Schwester Jino lächelnd. "Doch Patienten, denen es besser geht, helfen immerhin bei der Pflege oder in Wäscherei und Küche."
Orden kümmert sich um Ausgestoßene
Es ist diese Hilfe für Menschen, die sonst niemanden haben, die Mutter Teresa weltberühmt machte, deretwegen sie "Engel der Armen" genannt und schon zu Lebzeiten wie eine Heilige verehrt wurde. Aber es gab immer auch scharfe Kritik an der charismatischen Katholikin. In Wahrheit wolle sie nur Menschen zum Christentum bekehren, warf man ihr vor. Und vor allem änderten sie und ihr Orden nichts an den Ursachen der Armut. Sie holten zwar Sterbende aus der Gosse, sorgten aber nicht dafür, dass niemand mehr in ein solches Elend abstürze.
Beide Vorwürfe weist Schwester Nirmala, die Nachfolgerin Mutter Teresas, zurück. "Wir dienen den Ärmsten der Armen. Es spielt keine Rolle, welcher Religion sie angehören", sagte sie kurz nach dem Tod der Ordensgründerin. "Unsere Rolle ist es, uns um Einzelne zu kümmern, um die, die durch die Maschen fallen, die Ausgestoßenen." Andere könnten die Rolle übernehmen, die gesellschaftlichen Verhältnisse zu verbessern.
Baldige Heiligsprechung erwartet
Mutter Teresa wurde 1910 als Tochter albanischer Eltern im mazedonischen Skopje geboren. Mit 18 trat sie in den Loreto-Orden ein, verließ ihn aber 1948, um die "Missionarinnen der Nächstenliebe" zu gründen. Am 5. September 1997 starb sie in Kalkutta. 2003 sprach Papst Johannes Paul II. sie selig, die Heiligsprechung dürfte folgen.
Im Kloster in Kalkutta ist sie im Gebetssaal immer noch als Statue präsent, an derselben Stelle, wo sie auch zu Lebzeiten saß. Draußen hängt das Schild, das früher anzeigte, wenn sie nicht auf Reisen war: "Mutter ist im Haus". "Die Arbeit begann mit Mutter, es ist Gottes Arbeit, und sie wird weitergehen überall auf der Welt", sagt Schwester Nirmala zehn Jahre nach dem Tod ihrer Vorgängerin.
(apa/red)
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