Montag, 10. September 2007

Republik Österreich ehrt Kofi Annan: Hohe Auszeichnung für Ex-UN-Generalsekretär!

  • Erhielt Großes Goldenes Ehrenzeichen am Bande
  • Ex-UNO-Chef: "Rette mein Volk, indem ich Welt rette"

Der ehemalige UNO-Generalsekretär Kofi Annan ist mit dem mit dem Großen Goldenen Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet worden. In einer Rede bezeichnete Bundespräsident Heinz Fischer den vor neun Monaten aus dem Amt geschiedenen Annan als "einen der außergewöhnlichsten Führer der Vereinten Nationen". Er betonte dessen Freundschaft zu Österreich und die Errungenschaften seiner Amtszeit. Neben dem Präsidentenehepaar erwiesen Annan unter anderem auch Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, Außenministerin Ursula Plassnik und Ex-Bundeskanzler Franz Vranitzky in der Präsidentschaftskanzlei in der Wiener Hofburg die Ehre.

"Oft wurde gesagt, dass unter allen unmöglichen Ämtern dieser Welt das des Generalsekretärs der Vereinten Nationen das unmöglichste sei", begann Fischer seine Laudatio. Das Erbe Annans sei daher "umso beeindruckender": Reformen innerhalb der UNO, der Beschluss der UN-Millenniumsziele für Entwicklung, das Engagement im Kampf gegen Aids und nicht zuletzt die Dienste, die Annan in "unzähligen Krisen in der ganzen Welt" zur Verfügung gestellt habe.

Kofi Annan zeigte sich "von dieser Geste der Freundschaft tief berührt" und demonstrierte Bescheidenheit: "All dies hätte ohne die Unterstützung Ihrer Regierung und anderer nicht gelingen können." Österreich sei ein "essenzieller Partner und Akteur", indem es die Vereinten Nationen in Wien beherberge. Das Vienna International Center ist seit 1979 neben Genf und New York UNO-Sitz.

"Auf eigenartige Weise" stehe "alles in Verbindung", meinte Annan zu Fischer. "Sie, Herr Präsident, retten die Welt, indem Sie Ihr Volk retten. Ich rette mein Volk, indem ich die Welt rette", sagte der aus Ghana stammende Annan und fügte hinzu: "Am Ende schützen wir beide" die Interessen der Menschheit.

Die ablehnende Haltung Annans zur Irak-Invasion durch die US-geführte "Koalition der Willigen" im Jahr 2003 bezeichnete Fischer - ganz offensichtlich aus einem persönlichen Bedürfnis heraus - als "sehr weise". Die Invasion war nicht durch einen UN-Sicherheitsratsbeschluss legitimiert und wurde von Annan als illegal kritisiert. "Sie wurden für Entscheidungen kritisiert, für die Sie nicht kritisiert werden sollten", sagte der Bundespräsident, "zumindest sehe ich das so."

Der Präsident unterstrich zudem das Bekenntnis des ehemaligen UNO-Generalsekretärs zu den Menschenrechten: "Sie haben die internationale Gemeinschaft daran erinnert, dass 'wir die Völker' (wie in Artikel eins der UNO-Charta festgehalten, Anm.) aus einzelnen Männern und Frauen bestehen, deren Ansprüche zu oft den vermeintlichen Interessen von Staaten oder Nationen geopfert wurden."

Seine zehnjährige Amtszeit (1997-2006) nannte Annan "komplex und schwierig". Dennoch blicke er optimistisch in die Zukunft. "Als ich 1996 mein Amt angetreten bin, gab es weltweit 42 Bürgerkriege. Jetzt sind es 31. Ich hoffe, dieser Abwärtstrend hält weiter an." Als "großen Fortschritt" betrachte er, so Annan, die Kriegsverbrechertribunale für Ruanda und das ehemalige Jugoslawien sowie den Internationalen Strafgerichtshof: "Sie füllen eine große Lücke im Völkerrecht." Aber auch die UNO-Millenniumsziele hätten der Entwicklungspolitik einen "gemeinsamen Rahmen" gegeben.

Fischer und Annan kennen sich seit geraumer Zeit. Ihre Gattinnen Margit Fischer und Nane Annan haben beide schwedische Wurzeln. Die Betonung der guten Freundschaft in ihren jeweiligen Reden interpretieren Beobachter daher abseits der offiziellen Auszeichnung auch als Ausdruck persönlicher Wertschätzung.

Nach einem Arbeitsgespräch der beiden ist ein gemeinsames Essen mit Vertretern der Regierung und weiteren Gästen vorgesehen. Am Montagnachmittag kommen Gusenbauer und Plassnik mit dem früheren UNO-Generalsekretär zu Arbeitsgesprächen zusammen. Später wird zu Ehren Annans ein Gebäude des Vienna International Centers nach ihm benannt.

Zehn Jahre lang stand Kofi Annan als siebenter UNO-Generalsekretär an der Spitze der Vereinten Nationen (1996 bis 2006). 2001 erhielt er den Friedensnobelpreis.

(apa/red)

10.9.2007 18:38