Donnerstag, 6. September 2007

Schimmelfisch-Skandal in Salzburg: Lebensmittelkontrollor massiv belastet

  • Vorwurf: Überschrittenes Ablaufdatum abgekratzt
  • Kontrollor angeblich Freund vom Niederlassungsleiter

Im fortgesetzten Salzburger Prozess um den Fischskandal bei der "Cerny und Nordsee FischhandelsgmbH" haben zwei Zeugen den wegen Amtsmissbrauch angeklagten Lebensmittelkontrolleur massiv belastet. Der Beamte des Magistrats Salzburg habe seine Kontrollen dem Niederlassungsleiter der Großhandelsfirma telefonisch vorangekündigt. "Daraufhin wurde nicht nur ein Putztrupp losgeschickt, sondern es wurden auch Waren umetikettiert", schilderte ein 45-jähriger ehemaliger Mitarbeiter dem Schöffensenat.

Ende 2005 war das Nordsee-Tochterunternehmen mit Sitz in der Salzburger Bachstraße in die Schlagzeilen geraten. Nach einer anonymen Anzeige eines Ex-Mitarbeiters haben Lebensmittelpolizisten und Kriminalbeamte in den frühen Morgenstunden des 15. Dezember einige tausend Liter verdorbene Waren gefunden und von der Tierkörperverwertung entsorgen lassen. Drei damalige Mitarbeiter wurden wegen Verstoßes gegen das Lebensmittelgesetzes zu einer Geldstrafe in der Höhe von 150 bis 1.170 Euro verurteilt.

Schimmlige Nudeln eingefroren
Ein niederschmetterndes Bild über die damaligen Zustände in dem Betrieb zeichnete der 45-jährige Kraftfahrer, der von 2000 bis 2003 für die FischhandelsgmbH hautpsächlich im Telefonverkauf tätig war. Das halbe Lager "war voll abgelaufenem Zeug", Nudeln wurden eingefroren, "obwohl sie schon schimmlig waren". Wenn der Lebensmittelkontrolleur aus einem Tiefkühler selbst Fleisch- oder Fischproben gezogen hätte, "dann hätte er zu hundert Prozent etwas gefunden. Eigentlich hätte die Firma zugesperrt werden müssen".

Abgelaufenes Datum - einfach Etikett abgekratzt
Warum der Magistratsbeamte vor Gericht seine Unschuld beteuerte, aber keine abgelaufene oder gar verdorbene Produkte gefunden hat, sei in der Firma ein offenes Geheimnis gewesen: "Er hat angerufen und gesagt, dass er morgen kommt. Der Niederlassungsleiter hat dann gemeint, wir müssen Ordnung schaffen und das Zeug weg räumen, wo es hingehört. Wir bräuchten uns keine Sorgen machen, es passiert nichts, der Beamte sei ein guter Freund und ein Nachbar von ihm." Beispielsweise bei abgelaufenem Räucherlachs seien die Etiketten heruntergekratzt und mit neuem Datum versehen worden, erzählte der 45-Jährige dem Vorsitzenden Richter Manfred Seiss.

Kontrollor in Kaffeeküche anstatt im Kühlraum
Während der Lebensmittelkontrolle habe er weder den Magistratsbeamten noch den Niederlassungsleiter im Kühlraum gesehen, sondern "in der Betriebsküche Kaffee trinken". Beobachtet habe er, wie zwei fünf bis sechs Kilogramm schwere Kunststoffsäcke an die Türe des Flurs gestellt wurden und der Beamte damit die Firma verlassen habe. "Das waren aber keine Proben." Jener Mann, der diese Säcke befüllt hat, schilderte die Probenentnahme etwas anders: "Der Kontrolleur hat angeordnet, welche Ware ich entnehmen soll, und ich habe sie dann aus der Tiefkühltruhe gezogen", sagte der Expedit-Leiter, der wegen Fahrlässigkeit vom Bezirksgericht verurteilt worden war. Er gab zu, dass auch abgelaufene Waren eingefroren wurden.

Wegen schlechtem Gewissen gekündigt
Doch der ehemalige Betriebsrat der Fischhandelsfirma meinte, der Auslieferungsleiter habe vor der Probenentnahme alle beruhigt und gemeint, er habe "eh schon alles hergerichtet". Weil sie die Zustände in dem Unternehmen mit ihrem Gewissen nicht mehr vereinbaren konnten, haben sowohl der 45-Jährige als auch der Betriebsrat den Job gekündigt. Der Prozess wurde zur Einvernahme weiterer Zeugen vertagt. Nordsee Österreich hat mittlerweile fast das halbe Personal ausgetauscht und die Qualitätsrichtlinien verschärft. (APA/red)

6.9.2007 13:43