Mittwoch, 5. September 2007

Ehepaar soll Scheinehen vermittelt haben:
Mindestens 10 Frauen heirateten Ausländer

  • Am Hochzeitstag erhielt die Braut Geld für die Ehe
  • Schock: Eine Braut wurde im Ausland festgehalten

Der Vermittlung von Scheinehen soll sich ein Ehepaar "gewidmet" haben, das von Beamten der Polizeiinspektion Korneuburg ausgeforscht worden ist. Die 39-jährige Österreicherin und ihr 33-jähriger, tunesisch-stämmiger Ehemann werden weiterer Delikte nach dem Fremdenpolizeigesetz und dem Strafgesetzbuch - von Betrugshandlungen bis zu Freiheitsentziehung - verdächtigt.

Die NÖ Sicherheitsdirektion berichtete von 36 Fakten, begangen in Wien und Tunesien. Die Straftaten wurden - bis auf eine Ausnahme im Jahr 1995 - von Anfang 2002 bis September 2006 verübt. Das Ehepaar soll zumindest zehn Frauen für Schein- bzw. Aufenthaltsehen mit EU-Ausländern, vorwiegend Tunesiern, aber auch Männern aus dem ehemaligen Jugoslawien und Ägypten angeworben haben. Zwei Versuche seien an kurzfristigen Weigerungen der "Hochzeitskandidatinnen" gescheitert.

Bei Hochzeit Geld
Es sei anzunehmen, dass die 39-Jährige und der 33-Jährige entsprechende Provisionen von den Ausländern kassierten. Die angeworbenen Österreicherinnen - durchwegs junge, sozial schwache Frauen - dürften zum Bekanntenkreis der Verdächtigen gezählt haben. Für die Eheschließungen dürften ihnen zwischen 1.500 und 6.000 Euro versprochen worden sein. Die Geldübergabe soll am Tag der Trauung stattgefunden haben, wobei die Verdächtigen unter verschiedenen Vorwänden immer deutlich niedrigere Beträge ausbezahlten. Den Differenzbetrag - mehr als 27.000 Euro - behielten die mutmaßlichen Betrüger für sich.

22-jährige in Tunesien festgehalten
Eine der Frauen, eine nunmehr 22-jährige Österreicherin, soll über Vermittlung einen Verwandten des 39-Jährigen in Tunesien geheiratet haben. Da die österreichische Botschaft jedoch kein Visum für den Tunesier ausstellte, soll der 39-Jährige alleine zurückgeflogen sein, den Reisepass der 22-Jährigen jedoch bei sich behalten haben. Damit war die junge Frau gezwungen, gegen ihren Willen und ohne Mittel in Tunesien zu bleiben, wobei sie vermutlich fortwährenden Misshandlungen durch Familienmitglieder ausgesetzt war. Erst nach acht Monaten gelang ihr mit Unterstützung österreichischer Freunde die Rückkehr nach Wien.

Betrug soll auch Firmen geschädigt haben
Weiters ist das Paar zahlreicher Betrugshandlungen zum Nachteil von Personen und Firmen verdächtig, wobei eine Schadenssumme von zumindest 20.700 Euro entstand. Die 39-Jährige ist dazu teilgeständig. Das Ehepaar wurde der Staatsanwaltschaft beim Landesgericht für Strafsachen Wien angezeigt. Drei Frauen, die nach dem 1. Jänner 2006 Aufenthaltsehen eingingen, wurden den zuständigen Bezirksanwälten zur Anzeige gebracht. (APA/red)

5.9.2007 13:36