Mittwoch, 29. August 2007

Griechische Feuer-Hölle


Es ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit!“ – Theodota Nantsou, Sprecherin der Umweltorganisation WWF Griechenland, kocht vor Zorn, während sie NEWS von kaltblütigen Machenschaften der Brandstifter und Bodenspekulanten erzählt, die sich mit gelegten Bränden Grundstücke einverleiben wollen.

Neben der außergewöhnlichen Trockenheit gelten sie als die Schuldigen für die verheerenden Waldbrände. Als lebensnotwendiges Sicherheitsnetz der Umwelt bezeichnet Nantsou die Wälder. Es ist ein Netz, dass nun gefährlich große Lücken aufweist, und so droht jetzt die Ökokatastrophe nach dem Flammensturm.

Dabei sind die Folgen schon jetzt verheerend: 64 Menschen verbrannten hilflos, weil sie sich nicht mehr rechtzeitig vor der Feuerwand retten konnten. Hunderte sind verletzt, und Zehntausende haben ihr Zuhause und in vielen Fällen auch mit den Olivenhainen und dem Vieh ihre Existenz verloren. Die Feuersbrunst, die ab dem Wochenende tagelang vor allem am Peloponnes, der Insel Euböa und am Rande Athens wütete, vernichtete 1.840 Quadratkilometer Wald. Doch schon im Juli brannten weite Teile des Landes. Insgesamt wurden allein in diesem Sommer in Griechenland Waldgebiete in der Größe Vorarlbergs zerstört.
Mit gigantischen Mengen an Meerwasser versuchen seit Tagen zig Löschflugzeuge und Helikopter, die Feuerwalze zu ersticken. Helfer aus einem Dutzend Länder, darunter auch Österreich, sind mit schwerem Gerät gekommen. Über dem Meer saugen die Tanks Tausende Liter Wasser an, die mit einem Schwall über die Brände ergossen werden. Und ein weiteres Ökodrama auslösen: Nach dem Löschen bleibt Salz zurück, das die nach den Bränden staubtrockenen Böden enorm schädigen kann.
„Wie dramatisch sich diese mögliche Versalzung entwickelt, hängt davon ab, ob und wie viel es im Herbst regnet“, sagt Diamandis Stephanos, Forschungsleiter des Nationalen Waldinstitutes Griechenlands. Doch er ist derzeit sehr skeptisch: Seit Jahresbeginn machen Griechenland Wetterkapriolen, vor allem geprägt durch zu wenig Feuchtigkeit und zu hohe Temperaturen, zu schaffen. „Im Frühling fiel nur ein Bruchteil der nötigen Niederschläge, danach folgten drei enorme Hitzewellen mit Temperaturen von über vierzig Grad. Dies war sehr ungewöhnlich“, so Stephanos.

Diese beiden Faktoren hatten auch dazu geführt, dass die Waldbrände heuer in Griechenland geradezu apokalyptische Ausmaße erreichten. WWF-Sprecherin Nantsou befürchtet, dass die gigantische Zerstörung von Wald die ohnehin nicht sehr große Hoffnung auf einen regenreichen Herbst des trockenen Jahres 2007 erst recht zunichtemachen könnte. „Gehen so große Flächen verloren, könnte dies auch zu Veränderungen des Mikroklimas führen, und dies kann im Extremfall noch weniger Regen bedeuten.“ Noch will sie kaum an die Zukunft denken: „Wir müssen vorerst alles tun, um Leben zu retten.“
Der Wiener Waldökologe Univ.-Prof. Herbert Hager hält die drohende Versalzung der Böden aber nur für eine von zahlreichen dramatischen Folgen der gigantischen Brände. „Am schlimmsten könnten sich der Verlust von Nährstoffen und die drohende Erosion auswirken, die im Extremfall, abhängig vom Gesteinsgrund, zu einer Verkarstung führen können.“

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29.8.2007 17:41